Susann Duss leitet einmal pro Monat das Lachyoga in Oberwinterthur.
1/1 Susann Duss leitet einmal pro Monat das Lachyoga in Oberwinterthur.
03.10.2018 07:30

Bewusstes Lachen verändert den Charakter zum Positiven

Wer regelmässig lacht, tut seinem Geist Gutes. Im Lachyoga kann die Praxis trainiert werden. Alles, was man dafür tun muss: Die eigene Hemmschwelle überwinden.

Oberwinterthur Kinder lachen durchschnittlich 300 Mal am Tag – Erwachsene gerade noch 15 Mal. Grund dafür sind oft die äusseren Einflüsse, ist sich Susann Duss sicher: «Erwachsene sind geprägt durch Erziehung und gesellschaftliche Normen. Viele haben das Lachen verlernt.» Duss hat sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Seit vier Jahren unterrichtet sie in Oberwinterthur Lachyoga.

Lachyoga – was ist das?

Lachyoga basiert auf der Erkenntnis, dass jeder Mensch ohne Grund lachen kann. Dazu braucht es weder Humor noch Witze. Einziges Kriterium laut Duss: Man müsse bereit sein, seine Hemmschwelle zu überschreiten und die Kontrolle des Verstandes abzugeben. Einmal im Monat trainiert die 59-Jährige ihre Schüler im herzhaften Lachen. Mitmachen kann Jeder. In der Gruppe wird dabei mit verschiedenen Übungen das Lachen trainiert, verbunden mit entspannenden Atem- und Lockerungsübungen. Ist das Lachen anfangs noch simuliert, entwickelt sich daraus schnell ein echtes Lachen. Auch werden Übungen vermittelt, die auf belastende Alltagssituationen und Stress bezogen sind. Die Teilnehmer erhalten dadurch neue Perspektiven, wie man diesen Belastungen auf humorvolle Weise begegnen kann.

«Mundwinkel hochziehen reicht»

Wie positiv sich regelmässiges Lachen auf sein Leben auswirken kann, hat Duss in ihrer Ausbildung zur Lachyoga-Lehrerin gelernt. «Sobald man die Mundwinkel hochzieht, werden die Lachmuskeln aktiviert. Dies wirkt sich positiv auf die Stimmung aus.» Unser Körper könne nicht unterscheiden, ob es sich dabei um ein künstliches oder echtes Lachen handle – die Wirkung sei dieselbe, Glückshormone im Gehirn werden freigesetzt. Regelmässiges Lachen würde zudem das Immunsystem stärken und zu mehr Sauerstoff im Hirn verhelfen. Dies wiederum führe dazu, dass wir wacher, motivierter und kreativer seien. Soziale Kontakte verbessern sich, wir werden offener.

Lachen – auch bei mieser Laune

Dass Lachen auch in Situationen hilft, in denen es einem wortwörtlich nicht zum Lachen zumute ist, hat Duss am eigenen Leibe erfahren, wie sie erzählt. «Als mir in den Ferien Geld gestohlen wurde, war meine Stimmung auf dem Tiefpunkt. Ich brachte die schlechte Laune einfach nicht weg und habe mich deshalb über mich selbst geärgert. Es nahm mich wunder, was passiert, wenn ich einfach beginne, ein Lachen zu simulieren.» Duss begann also zu Lachen, aus dem anfänglich gestellten, entwickelte sich bald ein richtiges Lachen. «Meine Stimmung hat sich um 180 Grad gekehrt, meine Gedanken wurden positiv. Ich hoffte sogar, dass sich der Dieb mit meinem Geld ein paar gute Tage machen konnte.»

Schweizer sind etwas verklemmt

Entwickelt wurde das Lachyoga von einem indischen Arzt, der sich intensiv mit den Auswirkungen des Lachens befasst hat. Duss absolvierte ihre Ausbildung im Jahr 2014 bei ihm höchstpersönlich.

Im Ausland hat sich das Lachyoga längst etabliert, während es in der Schweiz noch relativ unbekannt ist. Dies hat laut Duss wahrscheinlich unter anderem mit unserer Mentalität zu tun: «Wir Schweizer sind halt oft verklemmt und brauchen Überwindung, um uns auf so etwas wie das Lachyoga einzulassen», sagt sie schmunzelnd. Wer diese Hemmungen jedoch ablegt, könne nur profitieren. Denn: Regelmässige Praxis vermindert das Stresslevel und verändert auf Dauer das Bewusstsein. «Ich kann selbst entscheiden, wie lange ich mich ärgern will und mich bewusst dazu entscheiden, damit aufzuhören, dem Ärger den Kampf anzusagen und einfach zu Lachen – über mich, die Situation und das Leben.»

Die Termine für das Lachyoga in Oberwinterthur finden Sie unter: www.herzundheiterkeit.com

Marina Persano