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10.10.2018 08:00

«Dalai Lama empfing uns in unserem Haus»¶

Urs Schoch übernahm den gleichnamigen Papeterie-Betrieb von seinem Onkel 1983. Seither kennt man den heute 80-Jährigen als innovativen Unternehmer, aber auch als hartnäckigen und einfallsreichen Vorkämpfer – primär für die Belange des Untertor- und Altstadtgewerbes.¶

Winterthur Man sieht Urs Schoch die 80 Jahre nicht an und noch viel weniger macht sich sein Alter bemerkbar, wenn er in seinem Büro im zweiten Obergeschosses von Büro Schoch im Untertor von damals, von heute, aber auch von Zukunftsideen erzählt. Urs Schoch trat als 27-Jähriger in das Papeteriegeschäft seines Onkels und damit in dritter Generation in den Betrieb des Gründers und gelernten Buchbinders Wilhelm Heinrich Schoch ein. 1983 übernahm er das ganze Aktienpaket seines Onkels und zeichnete von da weg als Alleininhaber. Das Geschäft am Untertor florierte, auch weil im Bereich Marktgasse-Untertor die einst vier Papeterien auf eine einzige schrumpften. Urs Schoch setzte sich aber auch für die Belange der Altstadtgeschäfte ein. Er war Präsident der entsprechenden Genossenschaft (Vorgängerin der City-Vereinigung Junge Altstadt) und gleichzeitig auch in der von Tino Tenti präsidierten Untertor-Vereinigung. «Tino und ich losten damals aus, wer von welcher Vereinigung Präsident sein soll», lacht Schoch. Heitere Gesichtszüge entlockt ihm auch die Geschichte um den 14. Dalai Lama. Sein Vater Werner, ein stadtbekannter Architekt, erhielt 1984 eines Tages die Anfrage, ob er eine leere Neubauwohnung für zwei Wochen zur Verfügung stellen könnte. Der Dalai Lama kämpfte damals mit gesundheitlichen Problemen und war für einen Untersuch und eine Behandlung bei einem Winterthurer Arzt angemeldet. «Mein Vater war ein Verehrer Dalai Lamas. Kurzerhand zog er mit meiner Mutter aus seinem Haus im Eichbühl in das damalige Garten Hotel um und überliess dem religiösen Oberhaupt der Tibeter seine vier Wände», erinnert sich Urs Schoch.

Die einzige Gegenleistung, die Werner Schoch dafür eingefordert hatte, war eine Privataudienz bei Dalai Lama. Die erhielt er dann auch – in seinem eigenen Haus. Urs Schoch begleitete seinen Vater. «Es war schon speziell, wie Dalai Lama uns auf Vaters Sofa inmitten temporär aufgestellten Gebetsmöblen empfing und wir in den zehn Minuten vor allem seine Hände streichelten», so Urs Schoch. Für eine weitere heitere Episode sorgte Urs Schoch etwas später gleich selber. Weil er für die Untertor-Läden grosse Konkurrenz durch das projektierte Einkaufszentrum Neuwiesen befürchtete, kämpfte er dagegen an. «Ich sprach beim Stadtrat vor. Anstatt meine Bedenken zu teilen, erwarteten sie von mir einen Alternativvorschlag zum Einkaufszentrum», erzählt Schoch.

Der Protest mit 500 Tannen

Er schlug unter anderem vor, das Technorama dort zu errichten, was von Behördeseite aber nicht goutiert wurde. Also schritt er zum stillen Protest und kaufte am 24. Dezember sämtliche nicht verkauften Christbäume der Stadt für je einen Franken und liess die 500 Tannen durch den Turnverein Seen auf dem Neuwiesen-Areal einstecken. Entstanden war ein wunderbarer, weihnächtlicher Tannenwald. Dies brachte jedoch den Investor des geplanten Einkaufszentrums auf die Palme. «Robert Heuberger verfügte per Einschreiben, dass der Wald innert zehn Tagen zu verschwinden habe», erzählt Urs Schoch lachend.

Einfallsreichtum zeichnet ihn auch heute noch aus. So setzt er sich aktuell als umtriebiger Präsident der Untertor-Vereinigung für eine Belebung und Attraktivitätssteigerung der Gasse, etwa mit der Zwischennutzung von Leerflächen und für einen gesunden Ladenmix ein. Man wird von ihm auch weiterhin immer wieder hören. Mit Herzblut und viel Energie für eine sich lohnende Sache einstehen, ist – zumindest bei Urs Schoch – keine Frage des Alters.

George Stutz