Seit 47 Jahren veranstaltet Claudia Corti jährlich das Kindertanztheater.
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03.10.2018 06:30

Das Erfolgsrezept «Disziplin»

Jedes Jahr veranstaltet Claudia Corti die jährliche Vorweihnachtsproduktion im Theater Winterthur. Die Arbeit mit 200 Kindern verlangt ihr einiges ab, trotzdem kann und will sie noch nicht aufhören.

Winterthur/Neftenbach Claudia Corti sitzt in ihrer kleinen Wohnung in Neftenbach, direkt neben dem Proberaum der Tanzschule. Auf dem grossen Tisch in der Mitte des Raumes türmen sich Stoffe und Kostüme. In knapp vier Wochen steht die Premiere der diesjährigen Aufführung «Das Gespenst von Canterville» an. Insgesamt 13 Vorstellungen werden gespielt. Um eine solche Grossproduktion mit rund 200 Kindern auf die Beine zu stellen, braucht es eiserne Disziplin, wie sie im Interview verrät.

Frau Corti, vor zwei Jahren übergaben Sie die Leitung des Kindertanztheaters an Ihren Nachfolger Yuriy Volk. Wie intensiv sind Sie noch involviert?

Immer noch etwa 80 Prozent (lacht). Je länger und intensiver ich jetzt noch dabei bin, umso leichter ist es für Yuriy, nach und nach Verantwortung zu übernehmen. Ich stehe ihm vor allem beratend zur Seite und kümmere mich um das Gesamtkonzept, die Texte, die Musik, und um die Kostüme. Das Tanzen überlasse ich ganz ihm und seiner Kollegin Vaida Wauschkies,. Sie haben beide sehr viel Fantasie und machen wunderschöne Choreographien. Das kann ich nicht besser.

Fällt es Ihnen schwer, die Verantwortung abzugeben?

Nein, gar nicht. Ich sehe, dass es in die richtige Richtung geht und muss mir keine Sorgen machen. Yuriy ist ein Perfektionist, die Qualität stimmt. In drei Jahren will ich ganz aufhören.

Wie viel Raum nimmt das Tanztheater in Ihrem Leben ein?

Von dem Moment an, in dem wir entscheiden, welchen Stoff wir im nächsten Jahr bearbeiten, ist er so gut wie immer in meinem Kopf. Überall wo ich hingehe, schaue ich, ob ich passende Stoffe, Knöpfe oder was auch immer für die Kostüme finde. Vor allem in Italien, wo ich zur Hälfte des Jahres mit meinem Mann wohne, habe ich Zeit, mich darum zu kümmern. Ich würde sagen, mein Leben dreht sich zu 90 Prozent um das Tanztheater.

Sie blicken bereits auf 47 Jahre Kindertanztheater-Erfahrung zurück. Wie hat sich Ihre Arbeit seit den Anfängen verändert?

Sehr stark. Am Anfang haben wir wirklich nur Tanztheater gemacht. Aber immer mit einer Geschichte verbunden. Das Publikum will eine Geschichte sehen und nicht einfach nur Kinder, die tanzen. Heute führen wir meistens Musicals auf, haben sogar eine Stimmcoach. Schön ist nach wie vor, dass bei uns alle mitmachen können.

Wie viel Energie und Geduld braucht es, um mit 200 Kindern zu arbeiten?

Viel. Es wird immer schwieriger, Disziplin aufzubauen. Doch Theater zu machen mit 200 Kindern geht nun mal nicht ohne Disziplin. Ich mache ihnen bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, auf einer so grossen Bühne wie im Theater Winterthur professionell aufzutreten und das ganze 13 Mal pro Jahr. Wir sind nun mal kein Schultheater. Die Kinder werden heute auch anders erzogen als früher. Viel freier und nicht mehr so streng. Das macht es für mich schwieriger, mit ihnen zu arbeiten. Es hat aber auch etwas Positives: Dadurch sind sie selbstbewusster und trauen sich selber etwas zu.

Sie sind bekannt dafür, eine strenge Lehrerin zu sein.

Das weiss ich, aber das ist mir egal (lacht). Ich stehe dahinter.

Trägt diese Disziplin zu Ihrem Erfolg bei?

Klar. Wenn ich den Proberaum betrete, wird es still. Die Kinder haben Respekt vor mir. Trotzdem kommen sie nach der Stunde zu mir und fragen mich um Rat, das ist herzig. Ich habe eine Art Mutterfunktion. Es wäre schön, könnte Yuriy diese Disziplin weiterführen. Doch ist es eine grosse Herausforderung für ihn.

Ist es hingegen auch wichtig, die Kinder für gute Leistungen zu loben?

Natürlich! Sonst hätten sie nicht diese Ausstrahlung, die sie haben und für die sie das Publikum liebt. Ich sage ihnen immer, in erster Linie machen sie das Ganze für sich selber, als zweites für das Publikum und als drittes für das ganze Team. Das funktioniert ganz gut. Wenn sie den Applaus des Publikums hören, geniessen sie dies natürlich und strahlen übers ganze Gesicht. Das ist das Geheimnis des Ganzen.

Was lieben Sie an der Arbeit mit den Kindern?

Das Kreative. Es bestimmt auch das Pädagogische. Bei den Aufführungen geht es mir darum, zusammen mit den Kindern Geschichten zu erzählen. Wir wollen die Kinder nicht zu professionellen Tänzerinnen ausbilden. Besonders talentierte Kinder überführen wir in dafür spezialisierte Schulen.

Dieses Jahr heisst das Stück «Das Gespenst von Canterville». Worum geht es?

Es ist eine bekannte Erzählung von einem Schlossgespenst des berühmten irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854 – 1900). Wir haben es umgeschrieben und familientauglich inszeniert. Eine wirklich gute Geschichte.

Die Premiere findet am Sonntag, 28. Oktober um 15 Uhr im Theater Winterthur statt. Weitere Spieldaten an den Wochenenden zwischen dem 17.11. und dem 9.12. Tickets: www.kindertanztheater.com und E-mail: theater.kasse@win.ch

Marina Persano