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03.10.2018 07:07

Wird im Kantonsspital auf Kosten der Hygiene gespart?

Eine Patientin fand vorletzten Sonntagabend im Krankenzimmer der Notfallstation im Kantonsspital Winterthur (KSW) Blutspuren an Bett und Installationen vor. Das KSW spricht von einem Einzelfall, nicht der gleichen Meinung ist eine im Spital tätige Putzkraft.

Winterthur Es war Sonntagabend, als C.F.* mit starken Bauchschmerzen und Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sich bei der Notfallaufnahme des KSW meldete. Kurz zuvor hatte sie am Kiosk noch eine Petflasche Schorle gekauft. Nach dem sie sich eingeschrieben und ihre starken Schmerzen beschrieben hatte, wurde ihr empfohlen, im Falle einer bevorstehenden Operation präventiv nicht weiter vom Süssgetränk einzunehmen. C.F. schmiss die Flasche in den halbvollen Eimer, ehe sie in ein Notfallzimmer begleitet wurde und dort auf einem Bett liegend auf die Ärzte zu warten hatte. Per SMS informierte sie ihre Freundin A.B., die sich anerbot, ihr Gesellschaft zu leisten und beizustehen. A.B.. erschien kurze Zeit später und wurde nach einer kurzen Befragung zu ihrer Freundin ins Zimmer gelassen.

Reinigungskräfte: Überstunden

Diese hatte in der Zwischenzeit Schmerzmittel erhalten und somit etwas weniger Beschwerden. Weil die Notfallstation des KSW über nur ein Ultraschallgerät verfügt, hatten die beiden Frauen rund zwei Stunden auf die Untersuchung zu warten. A.B. schaute sich etwas um und stutzte, als sie die am Bettgestänge befestigte Patientenklingel (Bild) erblickte. Ein Anschluss eines Adapters zeigte in den Rillen Blutreste. A.B. nahm das Bett etwas genauer unter die Lupe und fand auf dem verzinkten Bettrahmen weitere Blutspuren, zudem hing eine mit gebrauchten Spritzen gefüllte Box offen neben eines Bildschirms auf einem Beistellwagen. Nach dem Ultraschall-Untersuch wurde C.F. nach Hause entlassen, mit der Aufforderung, sich anderntags zu weiteren Untersuchungen auf der Notfallstation wieder zu melden. Als C.F. am Montagmorgen wieder am entsprechenden Anmeldungsschalter des KSW erschien, fiel ihr sofort auf, dass sich der Abfalleimer davor weiter gefüllt hatte, ihre Eisteeflasche sich immer noch darin befand. Sie erzählt dies gleichentags ihrer Freundin A.B., die – wie es der Zufall so will – noch am selben Tag eine Bekannte traf, die im Kantonsspital reinigt. Diese zeigte sich über die hygienischen Zustände wenig erstaunt und bezeichnete die prekäre Personalsituation als Hauptgrund. Weil sie personell unterdotiert seien, hätten viele der Reinigungskräfte eine grosse Anzahl an Überstunden. Würden diese wiederum eingezogen, ergäbe dies zusätzliche Engpässe, was sich eben auf die Reinigungsqualität niederschlage.

Nichts von Personalengpässen will Dr. Michael Baumann, vom Direktionsstab des KSW in einer Stellungnahme wissen: «Es ist keine Frage des Personalnotstandes. Das KSW ist personell sehr gut besetzt und kann seine Stellen gut besetzen. Es ist aber sicher so, dass auf der Notfallstation auch kurzfristig mal ein grosses Patientenaufkommen auftreten kann, so dass solche Fehler passieren können. Das lässt sich nicht ausschliessen. Unser Personal auf der Notfallstation ist darauf trainiert, auch in hektischen Zeiten sehr effizient und zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen.» Zum beschriebenen Vorfall am Sonntagabend vor zehn Tagen schreibt Baumann: Die Zimmer auf der Notfallstation werden speziell am Wochenende, wenn wir zum Teil sehr viele Patienten haben, sehr intensiv genutzt. Nach einem Wundverband oder einem Gips im Gipszimmer kann es Blutflecken geben, die wir in der Regel reinigen, damit nachfolgende Patienten eine saubere Infrastruktur vorfinden. Hier handelt es sich um ein Versehen, um einen Einzelfall. Wenn nun ein Patient ein Zimmer so vorfindet, sollte er es dem Personal unbedingt melden, damit es gereinigt wird. Die gesamte Infrastruktur am KSW wird von einem grossen Reinigungsteam regelmässig gereinigt und desinfiziert. Ein Versehen kann nie ausgeschlossen werden, das erscheint mir menschlich. Wichtig ist, dass die Patienten oder Besucher, die eine solche Situation antreffen, sich umgehend an das Spitalpersonal wenden. Sie unterstützen uns dabei, einen möglichst hohen Hygienestandard zu erreichen.» Zur Stellenwert der Hygiene im KSW meint Dr. Michael Baumann: «Auf der Notfallstation werden Patienten mit verschiedensten Erkrankungen und Verletzungen behandelt und gepflegt. Oberste Priorität hat neben der Hygiene auch die richtige Priorisierung der eintretenden Patienten, die rasche Beurteilung und darauf beruhend die richtige Behandlung der einzelnen Patienten mit schweren, mittelschweren und leichten Erkrankungen und Verletzungen. Die Hygiene hat im Spital immer oberste Priorität.»

George Stutz