Die Stadtharmonie Winterthur-Töss durfte letzten Mittwoch die Generalaudienz von Papst Franziskus musikalisch begleiten. z.V.g
1/3 Die Stadtharmonie Winterthur-Töss durfte letzten Mittwoch die Generalaudienz von Papst Franziskus musikalisch begleiten. z.V.g
Ermöglicht wurde die Reise durch die guten Kontakte zur Schweizer Garde. z.V.g
2/3 Ermöglicht wurde die Reise durch die guten Kontakte zur Schweizer Garde. z.V.g
Die Stadtharmonie Winterthur-Töss durfte letzten Mittwoch die Generalaudienz von Papst Franziskus musikalisch begleiten. z.V.g
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03.10.2018 07:15

Zu Besuch beim Papst: Stadtharmonie Winterthur-Töss spielte im Vatikan

Mit etwas Glück und Durchhaltewillen erfüllte sich die Stadtharmonie Winterthur-Töss einen Traum: Sie begleitete die Generalaudienz des Papsts im Vatikan musikalisch.

Winterthur/Vatikan Manchmal braucht es für gewisse Ideen ein wenig Glück, Eigeninitiative und Vitamin B. Matias Duvaud, Mitglied der Stadtharmonie Winterthur-Töss, hatte von allem ein bisschen. Denn durch seine ehemalige Tätigkeit bei der päpstlichen Schweizergarde verfügte er über beste Kontakte zum Vatikan. «Die Idee stiess im Verein sofort auf Zustimmung und so stand der tatkräftigen Umsetzung nichts mehr im Wege», sagt Vereinspräsidentin Verena Fehr.

So wurde aus der einstigen «Stammtischidee» eine Einladung zur Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Diese findet jeden Mittwochvormittag statt und wird rege besucht. So reiste das 52-köpfige Orchester der Stadtharmonie Winterthur-Töss am 22. September nach Rom. Welche Rolle die Harmonie in während der Audienz vom 26. September übernehmen würde, sei jedoch lange nicht klar gewesen, so Fehr. Dies werde von den Verantwortlichen meist vor Ort entschieden.

Ein geschichtsträchtiger Auftritt

Am besagten Mittwochmorgen habe man sich vorerst schräg unterhalb der Tribüne des Papstes platziert, um für die Pilger zu musizieren. «Nach dem ersten Stück beobachteten wir, wie der Tontechniker des Radio Vatikans, verantwortlich für die Beschallung des Peterplatzes, das Mikrofon neu einstellte.» Es stellte sich später heraus, dass die Verantwortlichen jeweils eine Hörprobe wollen, bevor sie entscheiden, wie weit die Musik verstärkt werden soll. Offenbar fand die Winterthurer Musik auf dem Petersplatz Anklang, denn kurz darauf schloss der Techniker die ganz grossen Verstärker an.

Nun sah sich das Orchester plötzlich vor dem wohl grössten Publikum seines Bestehens spielen: Rund 35'000 Pilger und Kleriker lauschten nun den Klängen der Stadtharmonie. «Die Musik war noch in der ausserhalb des grossen Säulenbogens befindlichen Kaserne der Schweizergarde zu hören», so Fehr. Die positive Reaktion der Zuhörer habe man direkt beobachten können. Die Gruppe von Ordensschwestern auf der Ehrentribüne habe zu «I will follow him» aus Sister Act freudselig mitgetanzt.

Von der Vorgruppe zum Hauptact

Das Highlight des Auftritts sei aber erst noch gekommen. Denn die ursprünglich als Vorgruppe geplante Stadtharmonie avancierte nun zur musikalischen Hauptbegleitung der Generalaudienz des Papsts. Dessen Ankunft wurde mit dem Halleluja von Leonhard Cohen untermalt. «Nach einigen Runden in seinem Papamobil über den Petersplatz schritt er dann zu Karl Jenkins «Palladio» zu seinem Platz empor. Es folgten in sieben Sprachen gesprochene Reden von Geistlichen mit den Gedanken des Papstes zu seiner gerade vergangenen Reise nach Lettland, Litauen und Estland», erinnert sich Fehr.

Der Höhepunkt bestand für die Vereinspräsidentin und den Dirigenten Helmut Hubov dann im persönlichen Treffen mit Papst Franziskus. «Dass wir ihm persönlich die Hand schütteln dürfen, wussten wir erst nicht. Der Moment war unbeschreiblich emotional und machte uns alle sprachlos.» Unter tosendem Applaus der Pilger sei das Orchester dann abmarschiert. «Das Besondere dieser Musikreise war nicht nur die einzigartige Gelegenheit, vor dem Papst und allen Pilgern zu spielen. Es ist auch die Entwicklung einer Einzelinitiative zu einem Gemeinschaftseffort, der allen im Gedächtnis bleiben wird», sagt Fehr begeistert.

duf