Oliver Winkler ist Co-Leiter des Language Competence Centers sowie des neuen Studiengangs «Sprachliche Integration». duf
1/1 Oliver Winkler ist Co-Leiter des Language Competence Centers sowie des neuen Studiengangs «Sprachliche Integration». duf
07.11.2019 07:30

ZHAW lanciert neues Studium für sprachliche Integration

Oliver Winkler erlebte als Dozent an einer finnischen Universität hautnah, wie wichtig die Sprache im interkulturellen Kontext ist. Im Interview erzählt er, warum er den neuen Studiengang «Sprachliche Integration» der ZHAW mitlanciert hat.

Winterthur Die Eulachstadt ist um einen Bachelorstudiengang reicher. Nebst dem Kommunikations- und Dolmetscherlehrgang können sich an der ZHAW ab kommendem Herbst auch künftige Lehrpersonen ausbilden lassen, die Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache für Erwachsene unterrichten oder in weiteren Berufsfeldern der sprachlichen Integration arbeiten möchten. Co-Studiengangleiter Oliver Winkler erklärt den neuen Lehrgang.

Oliver Winkler, wie entstand die Idee des neuen Studiengangs «Sprachliche Integration»?

In der Schweiz bestehen diverse Angebote für angehende Kommunikationsfachleute, Journalisten oder Dolmetscher. So auch an der ZHAW. Auch Deutschlehrpersonen für die Grundbildung werden an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet. Doch es gibt Arbeitsgebiete, in denen viele verschiedene Kulturen zusammenkommen und anwendungsbezogene Kommunikationskompetenzen gefragt sind. Im Gesundheitsbereich arbeiten beispielsweise oft diverse Kulturen zusammen, die auf unterschiedlichen Deutschniveaus und deshalb auf sprachliche Förderung angewiesen sind. Im Lehrgang werden Spezialisten für eine solche Sprachförderung ausgebildet, denn eine Spezialisierung im Bereich der Sprachförderung fehlte bisher. Diverse Befragungen mit Migranten oder Betroffenen aus den entsprechenden Berufsfeldern sowie eine Marktstudie bestätigten diesen Wunsch nach Professionalisierung.

Sie sind Co-Leiter des Studiengangs. Wie kam es dazu?

Zuerst begann ich mit einem Musikstudium und arbeitete zwischenzeitlich im Inselspital, wo ich die erwähnte fehlende Sprachintegration ein erstes Mal feststellte. Während meinem Germanistik- und Philosophiestudium, reiste ich für ein Austauschjahr nach Finnland. Land und Leute faszinierten mich so, dass ich danach dorthin auswanderte. Während meinen acht Jahren an der Universität von Turku war ich als Dozent für Kommunikation, Linguistik und Germanistik tätig und leitete Seminare für Gesprächsführung. So war ich mitten in diesem interkulturellen Umfeld und erkannte dessen Herausforderungen und Potenziale. Seit meiner Rückkehr vor fünf Jahren und während meiner Tätigkeit als Deutschlehrer und Dozent an der ZHAW konnte die Idee zusammen mit der Forschungsstelle reifen.

Was lernt man im neuen Bachelorlehrgang?

Im dreijährigen Bachelorstudiengang spielt die berufliche und gesellschaftliche Integration durch Sprache eine zentrale Rolle. Ziel ist es, dass Studierende fremdsprachige Erwachsene in der Entwicklung ihrer Deutschkompetenzen unterstützen lernen. Dazu werden linguistische, praktische sowie didaktische Unterrichtsinhalte miteinander verbunden und in verschiedene Kontexte gesetzt. Absolventen sind für Tätigkeiten wie Sprachkursleitung im In- und Ausland, Sprachcoaching im Migrationsbereich und Sprachbildungsmanagement beispielsweise für Behörden, für die Lehrmittelgestaltung oder andere Institutionen qualifiziert.

Der Studiengang startet im nächsten Herbst. Stehen Personal und Studierende schon?

Anfang Jahr werden Kursleitende und Dozierende rekrutiert. Da man sich erst seit 1. November einschreiben kann, haben wir bisher nur wenige Anmeldungen von interessierten Studierenden erhalten. Bis im März die Anmeldefrist abgelaufen ist, rechne ich aber mit etwa 40 Studienplätzen und einem jährlichen Wachstum. Das Konzept wird sich in Winterthur bestimmt etablieren.

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