Seitens Kantonales Steueramt Zürich entschuldigt man sich beim Winterthurer D. H. für den begangenen Fehler. Foto: Michael Hotz
1/2 Seitens Kantonales Steueramt Zürich entschuldigt man sich beim Winterthurer D. H. für den begangenen Fehler. Foto: Michael Hotz
D. H. öffnet den Brief vom Strassenverkehrsamt – und «erfährt»: Er sei tot. Symbolfoto: Fabrice Dubler
2/2 D. H. öffnet den Brief vom Strassenverkehrsamt – und «erfährt»: Er sei tot. Symbolfoto: Fabrice Dubler
28.11.2019 08:00

Amt erklärt Winterthurer fälschlicherweise für tot

Dem Kantonalen Steueramt unterläuft ein makabrer Fehler. Es verwechselt Personendaten und eröffnet eine Todesfallmeldung für die falsche Person. Der betroffene D. H. ist empört. Das Amt entschuldigt sich beim Winterthurer. Er kann mittlerweile über den Fauxpas lachen.

Winterthur Wie fühlt man sich, wenn man von einem Amt für tot erklärt wird? «Ich war zuerst richtig wütend», sagt D. H.* darüber. Denn dem Winterthurer ist genau das passiert. Mitte November entdeckt er zuhause einen noch ungeöffneten Brief vom Strassenversamt des Kantons Zürich, adressiert an seine Frau. «Sicher eine Busse», denkt sich H. und öffnet den Brief. Nachdem er die ersten paar Zeilen gelesen hat, muss er sich zuerst setzen.

Im Schreiben heisst es im ersten Satz, das Kantonale Steueramt habe dem Strassenverkehrsamt mitgeteilt, dass D. H. am 24. Mai verstorben sei. «Wir sprechen unser Beileid aus.» Im Brief geht es dann weiter darum, welche Möglichkeiten es für das Kontrollschild, das auf H. eingelöst ist, gibt. Die Autonummer einer verstorbenen Person muss übertragen oder deponiert werden.

«Das ist makaber»

Doch das ist alles hinfällig. Der 68-Jährige lebt – und ist empört: «Das ist makaber und darf doch nicht passieren.» Er ruft beim Strassenverkehrsamt an, um sich über den Brief zu beschweren. Gleich am nächsten Tag erhalten H. und seine Frau wieder Post aus Zürich, diesmal vom Kantonalen Steueramt: ein Entschuldigungsschreiben von Dominique Daniel Chappuis, dem Leiter der Dienstabteilung Inventarkontrolle und Erbschaftssteuer. Er habe nach intensiven Recherchen feststellen müssen, dass eine andere Person mit dem gleichen Namen wie H. am 24. Mai verstorben sei. Danach sei es dann zu einer Vermischung der Personendaten gekommen. «Als Sofortmassnahme habe ich eine Korrektur der entsprechenden Datenbank veranlasst», schreibt Chappuis. Und zum Schluss: «Ich möchte mich in aller Form für diesen Fehler entschuldigen und wünsche Ihnen weiterhin gute Gesundheit.»

Gleich zwei Fehler begangen

Auf Anfrage entschuldigt sich auch der Kommunikationsleiter der Zürcher Finanzdirektion, Roger Keller, nochmals für den Fauxpas des Steueramts: «Es ist ein ärgerlicher Fehler passiert, den wir ausserordentlich bedauern.» Gemäss Keller hat sich Folgendes abgespielt: Das Steueramt erhielt eine Testament-eröffnung eines Bezirksgerichtes, bei dem es um einen in Winterthur verstorbenen Namensvetter von H. ging. Eine Mitarbeiterin übersah dann, dass in diesem Fall die Stadt Winterthur nur der Todesort, aber nicht der Wohnort des Verstorbenen war. Diese nahm drauf irrtümlich eine Todesfalleröffnung für D. H. vor. Denn einer Liste mit Steuerpflichtigen hatte sie entnommen, dass in Winterthur nur eine Person mit diesem Namen wohnhaft ist.

Die betroffene Mitarbeiterin leistete sich mit diesem Vorgehen noch einen weiteren Fehler. Sprecher Keller betont: «Sie hätte eine solche Todesfalleröffnung allein aufgrund einer Testamenteröffnung nicht vornehmen dürfen, tat es mit guter Absicht aber trotzdem. Solche Eröffnungen dürfen nur anhand eines amtlichen Sterberapports vorgenommen werden.» Sterberapporte fertigt das zuständige Zivilstandsamt einer Gemeinde bei einem Todesfall an. Diese gehen dann ans Gemeindesteueramt, das die Rapporte ans Kantonale Steueramt weiterleitet, wo der steuerliche Fall dazu eröffnet wird. Die Todesfallmeldung leitet das Steueramt schliesslich ans Strassenverkehrsamt weiter. «Das Strassenverkehrsamt ist die einzige Stelle, die eine solche Meldung vom Steueramt bekommt», versichert Keller. Der fehlerhafte Datenbank-Eintrag zu D. H. dürfte sich also nicht vervielfältigt haben.

Keine weitere ähnliche Fälle

Weil es sich also um einen menschlichen und keinen systemischen Fehler handelt, sieht Keller keine Notwendigkeit für prozessuale Sofortmassnahmen. «Das Steueramt prüft dennoch, ob weitere technische Anpassungen möglich sind, um solche menschlichen Fehler auszuschliessen.» Ihm sei kein anderer Fall aus den letzten Jahren bekannt, bei dem eine ähnliche falsche Meldung an Zürcher Steuerpflichtige verschickt worden sei.

Direkte Konsequenzen hat das fehlerhafte Vorgehen für die Mitarbeiterin keine. Dazu sagt Keller: «Der Fehler wurde selbstverständlich mit ihr eingehend besprochen. Es wurde ihr klar gemacht, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholen dürfe.» Ihr selber tue sehr Leid, was sie damit ausgelöst habe.

Bei H. ist der Ärger mittlerweile verflogen: «Meine Frau und ich können nun über diesen Fehler lachen. Ich bin ganz einfach froh, dass ich noch lebe.»

Michael Hotz

*Name der Redaktion bekannt.