Im Bahnhof-Umfeld müssten E-Trottis wie die Velos in den Ständern parkiert werden. Foto: Michael Hotz
1/1 Im Bahnhof-Umfeld müssten E-Trottis wie die Velos in den Ständern parkiert werden. Foto: Michael Hotz
08.08.2019 08:00

Anbieter, Stadt und Polizei sind zufrieden mit dem Start der E-Scooter

Anfang Juni starteten Anbieter mit dem Verleih von E-Trottinetts in Winterthur. Bisher kam es gemäss Stadtpolizei zu drei Selbstunfällen. Alles in allem seien die aber Erfahrungen positiv. Ein Anbieter hofft, mehr E-Scooter aufstellen zu dürfen.

Winterthur App starten, Code scannen, Start drücken und los geht's. Seit rund zwei Monaten sind in Winterthur 400 Elektro-Trottinetts von verschiedenen Anbietern über die Stadt verteilt. Für die E-Scooter-Nutzer gelten die gleichen Verkehrsregeln wie für Velofahrer. So ist die Fahrt auf Trottoirs verboten. Dies ist auch die Regel, die gemäss Stapo-Sprecher Adrian Feubli am meisten nicht befolgt wird, oft aus Unwissen. Er betont jedoch: «Wir stellen fest, dass die Regeln mehrheitlich eingehalten werden.» Die Wissenslücken hätten grösstenteils geschlossen werden können, dank aktiver Kommunikation und Berichterstattung in den Medien. Die Stadtpolizei hat etwa ein Erklär-Video geschaffen, das im Internet einsehbar ist.

Fehlbare werden nun gebüsst

Zu Beginn war die Stadtpolizei laut Feubli zurückhaltend mit dem Ausstellen von Bussen und beliess es oft bei einer Belehrung. «Mittlerweile werden Fehlbare aber normal gebüsst», so der Stapo-Sprecher. Eine Statistik über die häufigsten Verstösse führt die Stadtpolizei nicht, weil Ordnungsbussen nicht registriert werden. Die Bussenhöhe ist gleich wie bei den Velos. So wird das Befahren von Trottoirs beispielsweise mit 40 Franken gebüsst.

Registriert wurden bisher drei Unfälle. «Es handelt sich dabei um Selbstunfälle, bei denen sich die Lenkerinnen und Lenker verletzten», konkretisiert Feubli. Alles in allem seien die Erfahrungen mit den E-Scootern positiv. «Es ist nur zu vereinzelten Beschwerden und Verzeigungen gekommen. Und die Zusammenarbeit mit den Anbietern funktioniert gut.» Auch der städtische Verkehrsplaner Christoph Oetiker zieht ein positives Fazit zum E-Trottinett-Start: «Ich sehe keinen dringlichen Handlungsbedarf.» Verbesserungspotenzial sieht er jedoch, wo die E-Scooter abgestellt werden – gerade rund um den Bahnhof. «Sie müssen dort wie Velos in die Ständer parkiert werden», erklärt Oetiker. Das klappe noch nicht so gut. Allzu lange stehen die E-Scooter aber nicht herum, weil die Anbieter die E-Scooter regelmässig einsammeln lassen, um die Akkus zu laden.

Nur positives Feedback

Einer der vier Winterthurer Anbieter ist die schwedische Firma VOI, die in 33 Städten und 10 Ländern in Europa präsent ist. Claus Unterkircher, General Manager für die Schweiz, Deutschland und Österreich, gibt sich sehr zufrieden mit der Lancierung der E-Scooter in der Eulachstadt. «Das Interesse an alternativen Mobilitätsangeboten ist auch in der Schweiz gross.» Inzwischen habe VOI auch erstes Feedback von den Nutzern bekommen. «Das war durch die Bank positiv», so Unterkircher. Aus Erfahrung lasse sich sagen, dass die Nachfrage nach ihrem Angebot mit der Zeit noch zunehme. «Das liegt daran, dass die lokale Bevölkerung nachhaltige Elektromobilität immer mehr in ihre Alltagswege aufnimmt.»

Seitens VOI stehe man regelmässig im Austausch mit seinen Nutzern, um das Angebot noch zu verbessern. «Wir möchten natürlich unsere E-Tretroller da einsetzen wo sie am meisten gebraucht werden», konkretisiert Unterkircher. Dazu würde man gerne noch mehr Menschen Zugang zu leistbarer Elektromobilität verschaffen. «Dafür bräuchten wir aber mehr als die 100 von der Stadt genehmigten Trottis», lautet seine Forderung an die Stadt.

Obergrenze soll bleiben

Verkehrsplaner Christoph Oetiker hat für dieses Anliegen Verständnis: «Die Obergrenze von 400 veloähnlichen Sharing-Fahrzeugen, dürfte aber vorerst nicht angepasst werden. Dafür bräuchte es einen Stadtratsbeschluss.»

Michael Hotz