Wie in einer Liebesbeziehung: Wegen ihrer Leidenschaft für Musik hat es zwischen Dabu (r.) und Arts gefunkt. Foto: Steve Wenger
1/1 Wie in einer Liebesbeziehung: Wegen ihrer Leidenschaft für Musik hat es zwischen Dabu (r.) und Arts gefunkt. Foto: Steve Wenger
09.01.2020 08:15

Angetrieben vom Flash: Dabu Fantastic

Mit «Angelina» gelang Dabu Fantastic 2016 der Sprung auf den Schweizer Pop-Olymp. Die Grundlage für ihren Erfolg legten Dabu und Arts aber schon in früheren Jahren im Zürcher Oberland. Und darauf bauen sie analytisch und ehrlich auf.

Winterthur Die Erfolgsgeschichte von Dabu Fantastic beginnt im Zürcher Oberland. Im Gemeinschaftssaal einer Mönchaltorfer Wohnsiedlung spielt David «Dabu» Bucher seine ersten Konzerte und macht mit verschiedenen Rap-Gruppen aus der Szene die Region unsicher. Dabei lernt er auch DJ Arts, mit bürgerlichem Namen Andreas Christen, kennen. Es funkt zwischen den beiden, also gründen sie 2008 eine Band. «Es war wie in einer Liebesbeziehung», sagt Dabu heute dazu. «Arts brachte etwas Neues rein. Das hat mich damals sehr geflasht.»

Dieses flashige Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit. «Wenn du plötzlich jemanden triffst, der ähnlich denkt und arbeitet wie du, dann ist das mega cool», so Arts. Das Duo geht seiner Leidenschaft nach, macht einfach, auch mal drei Mix-Tapes in einem Jahr, egal, ob es jemanden interessiert. Die zwei Kumpels investieren viel Zeit in ihre Band, zelebrieren den jugendlichen Leichtsinn und Wahnsinn. «Weil wir noch keinen Erfolg hatten, konnten wir einfach dem Flash folgen», blickt Arts auf diese Zeit zurück.

Zwei Ehrgeizige fanden sich

Es ist der musikalische Ehrgeiz, der Dabu und Arts zum langsam wachsenden Erfolg verhilft. Sie verbindet nicht nur gemeinsame Interessen, sondern dieser Antrieb, immer mehr zu wollen. «Es war das erste Mal, dass ich auf jemanden traf, der einen ähnlichen Ehrgeiz hatte wie ich», so Dabu. Das bringt sie weiter und fördert 2009 das erste gemeinsame Album, Agglo Disco, zutage. Ein Jahr später folgt Discochugle – und 2011 die dritte CD, Disco Titanic, die Dabu Fantastic die erste Schweizer Chartplatzierung einbringt.

Der Erfolg kommt also graduell, die Schweizer Musikbranche deckt die Mundart-Band mit Auszeichnungen ein. SRF3 kürt sie 2012 zum Best Talent, und an den Swiss Music Awards räumt Dabu Fantastic in der gleichen Kategorie ab. Es folgen eine erste Tour durch die ganze Deutschschweiz und Konzerte an den grossen hiesigen Festivals im Sommer. 2014 wagen Dabu und Arts den grossen Schritt, indem sie ihr eigenes Label, Poolproductions, aufgeben, auf dem sie ihre ersten drei Alben in Eigenregie veröffentlicht haben. Sie wechseln zu Sony Music Entertainment Schweiz und finden ein neues Management. «Da kam vieles aufs Mal. Es war der Moment, um es richtig durchzuziehen. Sonst wären wir wohl verzweifelt oder an der Arbeit zugrunde gegangen», erinnert sich Dabu an diese turbulente Zeit.

Ganz oben ist es anstrengend

Unter dem neuen Label bringt Dabu Fantastic die Platten Hallo Hund (2014) und Drinks (2016) heraus, für die die Band Andi Hug und Disu Gmünder von Patent Ochsner ins Boot holen. Damit gelingt den Mundart-Musikern der definitive Sprung in den Schweizer Pop-Olymp. Hallo Hund klettert bis auf Platz 3 der Schweizer Albumcharts. Der Song Angelina aus dem Album Drinks ist 2016 der meistverkaufte Schweizer Song und wird mit einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet. Es gibt für Dabu Fantastic nur eine Richtung: nach oben.

Wer in solchen Höhen schwebt, der kommt vielleicht der Sonne zu nahe – und stürzt deshalb ab. Was Ikarus passiert ist, soll aber nicht für Dabu Fantastic gelten. Denn die beiden Bandleader sind sich dieser Gefahr bewusst. «Je weiter nach oben man kommt auf der Erfolgsskala, umso anstrengender wird der nächste Schritt. Da muss man aufpassen, dass das einen nicht kaputt macht. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem du anstehst. Mit dem muss man lernen umzugehen», sagt Arts. Und Dabu malt das Gleichnis eines Hochgebirges: «Du hast zwar nicht mehr so viele Leute, die mit dir wandern, denn die meisten sind bereits irgendwo in einer Hütte, es sind nur noch die Angefressenen unterwegs, aber es wird immer anstrengender. Das spüren wir.»

Analytisch und mutig

Es ist dieses Reflektierende, das auch in den Liedern von Dabu Fantastic zum Ausdruck kommt. Die Texte, für die Dabu zuständig ist, sind in Geschichten verpackt, oft unterzogen mit einer gewissen Gesellschaftskritik, die er teils direkt, teils eher subtil und metaphorisch äussert. Die Songs sind mal angeregt heiter wie das im Februar erschienene Frisch Usem Ei, dann wieder balladenmässig sentimental wie Miin Ort, gerne auch gefühlsmässig vermischt in einem Lied. Getragen werden die Songs von eingängigen Melodien, die sich schnell ins Gedächtnis einbrennen. Prägendes Merkmal der Band ist der Mundart-Stil im perfekten Zürichdeutsch.

Lieder von Dabu Fantastic sind sehr analytisch und mutig, wenn auch manchmal versehen mit dem Kleid von Unspektakulärem, wie es auch Mani Matter so unnachahmlich verstand. Erst beim zweiten Hören wird so der tiefere Sinn erkannt. Das gibt der Band ein ganz eigenes Profil. «Ich finde schon, dass du deine Haltung auch nach aussen tragen solltest und nicht aus Opportunitätsgedanken darauf verzichtest, nur um niemandem vor den Kopf zu stossen. Das wäre sonst feige», betont Arts. Die Folge davon ist eine aufrichtige Nähe zum Hörer und zum Fan, was für Dabu essenziell ist: «Für Schweizer Acts ist es wichtiger geworden, ehrlicher zu sein im Showgeschäft, weil sie sich so auch abheben können vom Rest.»

Wie ehrlich Dabu Fantastic 2020 daher kommen, werden ihr neues Album Schlaf us, das im Februar erscheint, anschliessend ihre im März beginnende Club-Tour und nicht zuletzt unser Showcase am 29. Januar im Restaurant Bloom zeigen.

Michael Hotz

BÜHNE FREI

Seien Sie dabei an der ersten BÜHNE FREI in Winterthur und lassen Sie sich von Dabu Fantastic verzaubern. In einem privaten Rahmen im Restaurant Bloom geniessen Sie am Mittwoch, 29. Januar, um 18 Uhr das Showcase mit dem Schweizer Mundart-Duo Dabu Fantastic, inklusive kleiner Verpflegung.

Tickets kann man nicht kaufen, sondern nur exklusiv bei uns gewinnen. Um an der Verlosung teilzunehmen, schreiben Sie uns eine Mail mit dem Betreff «Dabu Fantastic» bis Sonntag, 26. Januar, um 24 Uhr an: wettbewerb@winterthurer-zeitung.ch