museum schaffen
1/16 museum schaffen
museum schaffen
2/16 museum schaffen
museum schaffen
3/16 museum schaffen
museum schaffen
4/16 museum schaffen
museum schaffen
5/16 museum schaffen
museum schaffen
6/16 museum schaffen
museum schaffen
7/16 museum schaffen
museum schaffen
8/16 museum schaffen
museum schaffen
9/16 museum schaffen
museum schaffen
10/16 museum schaffen
museum schaffen
11/16 museum schaffen
museum schaffen
12/16 museum schaffen
museum schaffen
13/16 museum schaffen
museum schaffen
14/16 museum schaffen
museum schaffen
15/16 museum schaffen
museum schaffen
16/16 museum schaffen
16.05.2019 07:22

Arbeit gestern, heute und morgen im Fokus eines Museum-Pionierprojekts

Am Samstag startete in der Halle Draisine auf dem ehemaligen SLM-Areal das Pionierprojekt «museum schaffen» unter dem Titel Eins, zwei, drei, 4.0. Bis im Oktober setzen sich Ausstellungen, Referate und Workshops mit «Arbeit 4.0» zurück bis zur ersten industriellen Revolution im 18. Jahrhundert auseinander.

Winterthur Das «museum schaffen» ist die Neuausrichtung der Villa Lindengut, welche vom Historischen Verein Winterthur (HVW) getragen wird. Andrea Keller, stellvertretende Leiterin von «museum schaffen» erklärt unter anderem, welche Schwerpunkte zum Thema Arbeit in den kommenden Wochen in der alten Dreherei-Halle der Sulzer gesetzt werden.

Das vom Historischen Verein Winterthur (HVW) geführte Museum Lindengut erlebt dank «museum schaffen» eine Aufbruchstimmung, wie kam es dazu?

Im Jahr 2006 verband die Stadt Winterthur die Erneuerung des Subventionsvertrages an den HVW mit dem Auftrag zur Neukonzeption des Historischen Museums. Einige Vorstandsmitglieder nahmen die Herausforderung an – mit Herzblut und zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus Museumsprofis. Irgendwann stand das Thema: die Arbeit! Und die Vision: Das „museum schaffen“ soll ein Ort der Begegnung sein. Mit Ausstellungen, Bühne, Bar/Bistro und Werkstätten. Spätestens da wurde klar, dass die Villa im Vögelipark nicht der geeignete Schauplatz ist.

 „museum schaffen“ geht in die zweite Sommer/Herbst-Saison. Mit dem Standort „Halle Draisine“ lädt zum zweiten Mal ein neuer Standort ins ehemalige Sulzerareal. Gehört das Weiterziehen zum Konzept oder wird dereinst eine fixe und beheizbare Bleibe gesucht, die auch einen Winterbetrieb ermöglichen würde?

Dass wir als „museum schaffen“ flexibel sind, an unterschiedlichen Orten in Erscheinung treten, ist Teil des Konzeptes – und einzigartig in der Schweizer Museumslandschaft. So entdecken und bespielen wir wunderbare Orte wie die alte SLM-Dreherei, in der wir aktuell zu Gast sind. Aber es ist auch eine verrückte „Büäz“, sich immer wieder neu zu installieren! Und, ja, es wäre toll, im Winter offen zu haben. Eine fixe Bleibe steht also auf dem Wunschzettel. Aber: Auch wenn die gefunden ist, werden wir uns nicht verbarrikadieren. Wir verstehen es als unser Auftrag, nicht nur das Wort Museum aufzubrechen, sondern auch örtlich immer wieder „auszubrechen“ aus dem, was wir kennen. 

Im Zentrum der neuen „Spielzeit“ steht die Ausstellung „Eins, zwei, drei, 4.0“, was steckt dahinter?

Der Titel spielt auf die industriellen Revolutionen an. Aktuell wird viel über „Arbeit 4.0“ diskutiert. Wir thematisieren diese Wendezeit und Thesen wie „Roboter nehmen uns die Arbeit weg!“ oder „Arbeit und Freizeit verschmelzen“, schauen aber auch in den Rückspiegel. Auf einem langen Tisch machen wir eine Auslegeordnung zu den Umbrüchen, welche unsere Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern erlebt haben – mit Texten, Fotos, Videos, Zitaten. Es heisst: Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Das hat was! 

Erhält 4.0 überhaupt Platz in einem Historischen Museum und wenn ja, in welcher Form?

Meines Erachtens ist historisches Material unglaublich spannend – wenn ich begreife, was es mit meinem Leben zu tun hat, mit mir als Mensch. «Arbeit 4.0» ist ein reiz- und sinnvoller Einstieg, die Pforte quasi, durch die wir durchsteigen, um Vergangenem bequem zu begegnen. Danach kann man das, was gerade im eigenen Leben und Umfeld passiert, angereichert betrachten

Wen möchten Sie bis anfangs Oktober ansprechen?

Wir wollen über die Events und unseren Work Lab die unterschiedlichsten Menschen ansprechen; auch solche, die mit Museen oder Geschichte weniger am Hut haben. Es gibt spannende Foto-Zeitreisen, Feierabend-Events mit inspirierenden Keynote-Speakern und Bier, Yoga, Partys von Verein junge Kultur Winterthur, Kunst-Workshops, Design Thinking-Kurse und vieles mehr. Man kann allein kommen, im Rudel, als Firma, im Team. Auch als Familie.

Wie finanziert sich „museum schaffen“?

„museum schaffen“ wird vom Historischen Verein Winterthur getragen. Die Stadt Winterthur, vertreten durch das Departement Kulturelles und Dienste, beteiligt sich an den Betriebskosten mit einer Subvention. Vom Lotteriefonds erhielten wir 2015 einen „Planungsbeitrag zur Erneuerung des Historischen Museums Winterthur“. Unsere Pilotphase wurde zudem von Engagement Migros, dem Förderfonds der Migros-Gruppe, befeuert. Auf Projektebene gibt Stiftungen sowie Sponsoren, die sich beteiligen. Zudem gehen wir Kooperationen ein, vermieten Räume, richten uns auch mit Angeboten an Unternehmen und wir freuen uns über Gönnerschaften.

Behält das Museum Lindengut trotz der Auslagerung überhaupt noch eine Bedeutung?

Die Villa Lindengut gehört zur Geschichte von Winterthur. Sie ist ein Juwel, mit spannenden Objekten – und sie ist der Ort, an dem sich viele Winterthurerinnen und Winterthurer das „Ja“-Wort geben. Tatsächlich stampfen wir jetzt aber da nicht auch noch neue Angebote und Ausstellungen aus dem Boden. Das „museum schaffen“ muss sich zuerst bekannt machen und bewähren. 

Interview: George Stutz