Florian Meier, Leiter der Winterthurer Adler Apotheke, hatte am Dienstagnachmittag noch exakt eine Atemmaske anzubieten. Foto: George Stutz
1/3 Florian Meier, Leiter der Winterthurer Adler Apotheke, hatte am Dienstagnachmittag noch exakt eine Atemmaske anzubieten. Foto: George Stutz
Im «China-Garden» haben Touristen aus China aktuell keinen Zutritt. Foto: z.V.g.
2/3 Im «China-Garden» haben Touristen aus China aktuell keinen Zutritt. Foto: z.V.g.
Im Park Hotel Winterthur sind chinesische Gäste weiterhin willkommen. Foto: z.V.g.
3/3 Im Park Hotel Winterthur sind chinesische Gäste weiterhin willkommen. Foto: z.V.g.
30.01.2020 09:37

Auch die Winterthurer kaufen Atemmasken-Bestände leer

Bis auf zwei Verdachtsfälle im Zürcher Triemli-Spital gibt es noch keine konkreten Hinweise auf Corona-Infizierte in der Schweiz. Und trotzdem kam es etwa in der Winterthurer Adler Apotheke zum beinahe schon panikartigen Ausverkauf von Gesichtsmasken.

Winterthur Der im chinesischen Wuhan ausgebrochene Coronavirus dominiert zunehmend die Nachrichten. Spätestens seit die ersten Verdachtsfälle in Paris und zuletzt in Zürich aufgetaucht sind, ist auch hierzulande eine gewisse Histerie spürbar. So verkaufte etwa die Winterthurer Adler Apotheke bis am letzten Samstag ihren gesamten Bestand an Gesichtsmasken, wie Geschäftsleiter Florian Meier bestätigte: «Wir hatten einen kleineren Ansturm. Dabei ging es aber vielen nicht nur darum, sich für eine erhöhte Ansteckungssituation in Winterthur vorzubereiten. So hatten wir einige Kunden und Kundinnen, die sich vor einer Auslandreise mit einer Maske eindecken wollten.» Meier und sein Team konnten auf Dienstag zwar 50 weitere Masken ordern, innert weniger Stunden waren aber auch diese zu Fr. 16.50 das Stück ausverkauft.

Ein Stop für Touristen aus China

Eine eigene Strategie legen sich auch Geschäftsinhaber zu. So sagte Kinh Hung Tran, Inhaber des Restaurants China-Garden in der Steinberggasse auf Anfrage, dass er chinesischen Touristengruppen zurzeit den Eintritt in sein Restaurant verwehren würde. «Allerdings haben wir ohnehin nur selten Touristen bei uns», so Tran.

In immer kürzeren Abständen geben auch Behörden neue Massnahmen bekannt. So hat am Montagabend die Zürcher Gesundheitsdirektion unter anderem auf den engen Austausch mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und seit letzter Woche geltende, zweistündige Meldepflicht für Zürcher Bezirksärzte und infektiologischen Abteilungen unter anderem auch des Kantonspitals Winterthur (KSW) hingewiesen.

Das KSW ist vorbereitet

Wie Dr. med. Urs Karrer, Chefarzt Infektiolgie/Spitalhygiene am Kantonsspital Winterthur bestätigt, ist das KSW jederzeit bereit, Patientinnen und Patienten mit viralen Erkrankungen zu behandeln: «Das gilt auch bei einer Infektion mit einem neuartigen Erreger. In der aktuellen Situation einer möglicherweise raschen Ausbreitung des neuen Coronavirus nach Europa werden die notwendigen Massnahmen vom BAG und der kantonalen Gesundheitsdirektion koordiniert und am KSW von der Infektiologie/Spitalhygiene umgesetzt.» Dr. med. Urs Karrer empfiehlt, Personen, die aufgrund der BAG-Kriterien eine Coronavirusinfektion befürchten, zuerst telefonisch mit dem Hausarzt oder einem Gesundheitszentrum Kontakt aufznehmen. «Ausserdem werden dadurch keine anderen Personen gefährdet, wenn tatsächlich eine ansteckende Krankheit vorliegen sollte. Zuerst wird telefonisch erfragt, ob die grundsätzlichen Kriterien für einen Verdachtsfall überhaupt vorliegen. Etwa nach einem kürzlichen Aufenthalt in China und Symptomen einer Atemwegsinfektion.

Keine Infizierte im KSW

Falls dies der Fall ist, wird die Person unter Einhaltung der notwendigen Hygienemassnahmen auf der Notfallstation weiter abgeklärt. Nur wenn diese Abklärungen den Verdachtsfall bestätigen und keine andere Ursache wie beispielsweise eine Grippe gefunden wird, werden Proben ins Referenzlabor nach Genf geschickt. Innerhalb von rund 24 Stunden kann dann eine Infektion mit dem Coronavirus ausgeschlossen oder bestätigt werden», sagt Dr. med. Urs Kramer und ergänzt in seiner Stellungnahme von gestern Mittwoch: «Bis heute gibt es am KSW keinen Patienten, bei dem der Virus positiv nachgewiesen worden ist.»

Tourismus noch nicht betroffen

Noch keine Tourismus-Auswirkungen der Epidemie in China spürt derzeit House of Winterthur, wie Michael Domeisen sagt: «Unter anderem auch deshalb, da chinesische Reisegruppen vor allem erst ab Frühling gebucht sind.» Gemäss Domeisen betrafen im letzten Jahr 6000 Übernachtungen in Winterthur Besucher aus China, dies entspricht einem Marktanteil von 1,5 Prozent und einem Wachstum gegenüber 2018 von 10 Prozent. «Stärker betroffen sind die Betriebe in Zürich mit total rund 250'000 Übernachtungen von chinesischen Gästen», so Domeisen.

Aufgrund der erwähnten, relativ kleinen Anzahl chinesischer Touristen verspürt auch das Park Hotel Winterthur momentan keine Auswirkungen, wie Julia Meyer vom Front Office bestätigt und ergänzt: «Selbstverständlich beherbergen wir Gäste aus China ebenso herzlich, zuvorkommend und freundlich wie unsere anderen Gäste. Besondere Massnahmen haben wir bisher keine getroffen.»

Geschäftsreiseverbot bei Sulzer

Während Rieter das Ende der Neujahrsferien in China abwartet, um über allfällige Massnahmen zu entscheiden, hat Sulzer ein Geschäftsreiseverbot von und nach China verhängt. Ausnahmen von diesem Verbot müssen vom entsprechenden Divisionsleiter bewilligt werden. In China würden zudem die Sulzer-Teams die Einzelheiten direkt mit den Mitarbeitern absprechen und sich nach den Anweisungen der zuständigen örtlichen Behörden richten, wie Domenico Truncellito, Head External Communications von Sulzer Management Ltd erklärt.

George Stutz