Corina Soncini, Geschäftsführerin der Dimovera AG aus Winterthur, führt regelmässig Vorträge zum Thema «7 Dinge, die Sie vor dem Todesfall vorbereiten sollten» durch. Foto: Michael Hotz
1/1 Corina Soncini, Geschäftsführerin der Dimovera AG aus Winterthur, führt regelmässig Vorträge zum Thema «7 Dinge, die Sie vor dem Todesfall vorbereiten sollten» durch. Foto: Michael Hotz
27.02.2020 11:25

Auch junge Menschen sollten sich mit dem Tod beschäftigen

Corina Soncini spricht oft über den Tod. Nicht über den eigenen, sondern jenen ihrer Kunden. Ihre Winterthurer Firma kümmert sich nämlich um alle Aufgaben rund ums Ableben einer Person. Darüber hält sie regelmässig Vorträge.

Winterthur Der Tod ist auch heutzutage noch ein Tabuthema. Man spricht nicht gerne darüber, sollte es aber dennoch tun, damit möglichst viel bereits vor dem eigenen Ableben geklärt ist. Das Winterthurer Familienunternehmen Dimovera GmbH hat sich auf die Vorsorge zu Lebzeiten und die Unterstützung im Todesfall spezialisiert. Die Geschäftsführerin und Firmengründerin Corina Soncini hält in der Region Vorträge zum Thema «7 Dinge, die Sie vor dem Todesfall vorbereiten sollten», zusammen mit den örtlichen Bestattungsämtern. Für Soncini ist der Tod nichts Negatives, er gehöre zum Leben dazu.

Denken Sie oft über den Tod nach?

Corina Soncini: Mittlerweile nicht mehr so häufig. Früher arbeitete ich in der Pflege. Dort war der Tod fast präsenter, weil es auf einer persönlicheren Ebene war. Hier, in unserem in unserem Unternehmen, sind wir zwar immer mit dem Tod konfrontiert, aber wir wirken eher im Hintergrund.

In Ihrem Büro sind also nicht alle traurig.

Wir sind dazu da, die Angehörigen im Todesfall bei allen organisatorischen und administrativen Aufgaben zu unterstützen. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Überblick bewahren und professionell arbeiten. Für uns ist Herzlichkeit aber sehr wichtig. Häufig werden wir von Alleinstehenden bereits zu Lebzeiten kontaktiert. Sie planen mit uns unter anderem ihre Abdankung. Die Kundinnen und Kunden suchen beispielsweise ihr Kärtchen aus, das verschickt wird, wenn sie nicht mehr da sind. Sie planen das Leidmahl. Dies ist für viele nicht so einfach, deshalb ist von unseren Mitarbeitenden auch viel Fingerspitzengefühl gefordert. Es gibt dennoch immer mal wieder Situationen, in denen auch gelacht wird.

Sie selber haben sich also bereits mit dem eigenen Tod befasst, oder?

Ja, ich habe alles schon vorbereitet. Wenn ich den Zuhörern der Vorträge aufzeige, was sie zu Lebzeiten alles tun sollten, dann muss ich als gutes Beispiel vorangehen (lacht).

Ab wann soll man denn die «7 Dinge» vorbereiten?

Am besten ab der Volljährigkeit. In den Vorträgen geht es ja nicht nur um den Todesfall.

Sondern?

Um allfällige Krankheiten und Unfälle. Da sind eine Patientenverfügung und ein Vorsorgeauftrag beispielsweise entscheidend. Es ist auch als junger Mensch wichtig, dass man diese Verantwortung von Anfang an selber übernimmt und damit seine Angehörigen entlastet.

Was sind denn diese «7 Dinge»?

Nebst der Patientenverfügung und dem Vorsorgeauftrag wird die Wichtigkeit der Betreuungsverfügung aufgezeigt. Hierbei geht es darum, worauf geachtet werden muss, wenn jemand pflegebedürftig wird. Etwa dass diese Person keine Milch verträgt oder regelmässig Termine bei der Podologin wahrnehmen sollte. Auch zeige ich auf, dass Ehepaare sich frühzeitig finanziell absichern sollten. Beim Erstversterben eines Ehepartners kommt es häufig vor, dass gemeinsame Bankkonti gesperrt werden. Der hinterbliebene Ehepartner braucht aber das Geld, um sein Leben weiter bestreiten zu können.

Und sonst?

Auch die Anordnungen für den Todesfall sind wichtig. Beispielsweise welche Grabart gewünscht wird oder ob eine Abdankung durchgeführt werden soll. Auch die Nachlassregelung wird thematisiert. Hier empfehlen wir, dass frühzeitig ein Testament aufgesetzt wird, in welchem ein Willensvollstrecker bestimmt wird, der sich im Todesfall um die Erbteilung kümmert. Die Erbteilung ist im Kanton Zürich immer Sache der Erben. Wenn testamentarisch kein Willensvollstrecker eingesetzt wurde, kann dies im Todesfall zu Streitigkeiten unter den Erben führen. Um die Angehörigen im Todesfall zu entlasten, kann zudem frühzeitig schriftlich festgehalten werden, welche Banken informiert und welche Verträge gekündigt werden müssen. Oder man notiert, welche Schlüssel welche Funktion haben. Oft finden Hinterbliebene bei der verstorbenen Person eine Kiste voll mit Schlüsseln, ohne zu wissen, wo die hingehören.

Haben Sie noch ein weiteres Beispiel für wichtige Listen?

Eine Adressliste könnte man ebenfalls noch erstellen. Damit die Familie allen wichtigen Personen eine Trauerkarte verschicken kann, um über den Todesfall zu informieren und den Zeitpunkt der Abdankung bekannt zu geben. Nach dem Tod ist es für die Hinterbliebenen meist sehr aufwendig, alle Adressen zusammenzutragen.

Wer kommt eigentlich zu Ihnen?

Unsere Kunden sind häufig Alleinstehende. Frau Muster, im Schnitt 70 Jahre alt, kinderlos. Sie will vor ihrem Tod schon alles geregelt haben. Was die Menschen an uns schätzen, ist, wir als Firma im Todesfall alles aus einer Hand erledigen können. Wir melden auf dem Bestattungsamt den Todesfall an, organisieren die Beerdigung, kümmern uns um die Auflösung des Wohnsitzes, das Administrative sowie die Erbteilung. Frau Muster hat vielleicht noch Neffen oder Nichten, will diese mit diesen häufig sehr aufwendigen Aufgaben aber nicht überlasten.

Man will die Hinterbliebenen nicht unnötig belasten.

Ja. Dazu ist es so, dass es im Kanton Zürich kein Amt gibt, das alles regelt, wenn eine alleinstehende Person verstorben ist. Dann kommt niemand, der die Wohnung räumt, die Bank informiert oder das Zeitungsabo kündet. Darum ist es für viele eine gute Erlösung, wenn sie frühzeitig alles in professionelle Hände übergeben.

Interview: Michael Hotz