Erst nach einer Verfolgungsjagd konnte die Polizei den Mann stellen.  Symbolbild / Kapo
1/1 Erst nach einer Verfolgungsjagd konnte die Polizei den Mann stellen. Symbolbild / Kapo
30.01.2020 08:00

Autofahrer flüchtet benebelt vor Polizei

Mit einer spektakulären Fluchtfahrt probierte ein Mann einer Polizeikontrolle zu entgehen. Dabei beging er gleich mehrere Delikte. Gestern wurde er vor Gericht verurteilt.

Winterthur Gleich wegen acht verschiedener Delikte musste sich ein eingebürgerter Schweizer gestern vor Bezirksgericht Winterthur verantworten. Hauptanklagepunkt war eine Verfolgungsjagd, die sich im Oktober 2018 zugetragen hatte. Der 25-Jährige aus Winterthur lenkte damals seinen Alfa Romeo mit zwei Beifahrern von Kemptthal nach Winterthur. Weil einer seiner Beifahrer polizeilich bereits observiert wurde, kontrollierte die Polizei das Trio kurze Zeit später.

Mit 70 durch die 30-Zone

So legten die Beamten bei der Ausfahrt Wülflingen Nagelgurte aus, um das gesichtete Fahrzeug zu stoppen. Das Haltezeichen der Polizisten ignorierte der Beschuldigte jedoch und fuhr über die Nagelsperre hinaus. Via Salomon-Hirzel-Strasse startete so eine rasante Verfolgungsjagd. Dass bei der Fluchtfahrt niemand zu Schaden kam, ist nur viel Glück und ausweichenden Autofahrern zu verdanken. Denn der Angeklagte bretterte mit fast 100 Stundenkilometern im Feierabendverkehr über die Wülflingerstrasse und mit rund 70 km/h durch eine Tempo-30-Zone. Zudem soll er achtlos mehrere Kreuzungen überfahren haben.

Im Rausch gefahren

Vor Gericht beteuerte der Beschuldigte, nicht gewusst zu haben, dass sein Beifahrer polizeilich gesucht wurde. «Ich war über die Kontrolle mit Nagelgurten geschockt», begründete er seine Fluchtfahrt. Dabei wusste er, was ihm blühte, hatte er doch weder einen Führerausweis, noch war sein Fahrzeug mit der obligatorischen Haftpflichtversicherung eingelöst. Die verwendeten Kontrollschilder galten ausserdem als gestohlen, der Angeklagte kaufte diese einige Tage zuvor auf dem Schwarzmarkt. Wie sich später herausstellte, stand er während seiner Fluchtfahrt zudem unter Drogen- sowie Alkoholeinfluss. Aufgrund seiner Blutwerte konnten ihm der Konsum von Kokain und Cannabis nachgewiesen werden. Letzteres führte er sogar noch mit sich. Weil der 25-Jährige dann im letzten Frühling noch mehrere Mobiltelefone weiterverkauft haben soll, die aus verschiedenen Garderoben von Winterthurer Sportvereinen gestohlen wurden, wird ihm auch Hehlerei zur Last gelegt. Zudem sitzt er inzwischen wegen weiterer Delikte erneut in Untersuchungshaft.

Mildes Urteil

Vor Gericht zeigte er sich fast vollumfänglich geständig. Die Staatsanwältin befand sein Verhalten als egoistisch und rücksichtslos. Sie forderte eine 36-monatige unbedingte Freiheits- sowie eine Geldstrafe. Die Verteidigerin machte eine schwierige familiäre Situation und psychische Probleme ihres Mandanten geltend. Eine Therapie sei aussichtsreicher als ins Gefängnis zu müssen. Das Gericht verhängte nebst einer bedingten Geldstrafe und einer Busse eine 28-monatige Freiheitsstrafe, davon zehn vollzogen. Diese kann der Beschuldigte je nach Möglichkeit in Halbgefangenschaft absitzen, um wieder auf Arbeitssuche zu gehen.

duf