Neues Projekt ausgeheckt: Patrick Bengondo organisiert den ersten Afro Winti Cup. Foto: Michael Hotz
1/1 Neues Projekt ausgeheckt: Patrick Bengondo organisiert den ersten Afro Winti Cup. Foto: Michael Hotz
06.02.2020 08:00

«Bengo» holt afrikanische Fussballstars für Hallenturnier nach Winterthur

Kamerunische und ivorische Fussballgrössen geben sich am 29. Februar ein Stelldichein in der Axa-Arena. Der Ex-FCW-Stürmer Patrick Bengondo trommelt die Stars für ein Hallengrümpi zusammen, an dem auch Amateure kicken dürfen.

Winterthur Immer wieder hat es ihn nach Winterthur verschlagen. Insgesamt dreimal war der FCW der Arbeitgeber des jetzigen Fussballrentners Patrick Bengondo, der damals auf der Schützenwiese schnell zum Fanliebling avancierte. Hier fühlt er sich wohl. Und der Kameruner gibt gerne etwas zurück. Seit 2016 führt Bengondo ziemlich erfolgreich das Bengo Campo, ein Fussballcamp für Kinder, durch. Jetzt hat er ein neues Projekt ausgeheckt: den Afro Winti Cup, der am 29. Februar in der Axa-Arena stattfindet.

Ex-ManU-Spieler ist grösster Star

Dabei handelt es sich um ein Fussballturnier für Plauschteams (siehe Box). Ausser Konkurrenz spielen als Höhepunkt eine kamerunische und eine ivorische Auswahl von Altstars sowie «Bengo & Friends» gegeneinander. Mit dabei sind afrikanische Ex-Nationalspieler, die hierzulande eher nur Kennern ein Begriff sind, in ihren Heimatländern aber den Status von Helden haben. «Als ich kürzlich in einer afrikanischen Bar erzählte, wer alles am Afro Winti Cup teilnimmt, ist ein Gast für Vorfreude in Tränen ausgebrochen», so Bengondo. Der namhafteste Spieler ist wohl Éric Djemba-Djemba, der 20-mal fürs grosse Manchester United aufgelaufen ist und 2002 mit Kamerun den Afrika Cup gewonnen hat. Ausgewiesenen Experten der Nationalliga A wird allenfalls auch der Name Pierre Njanka etwas sagen. Der Verteidiger lancierte 1999 seine Fussballkarriere in Europas Ligen in Neuenburg bei Xamax, für das er 24 Partien absolvierte.

Selber wird Bengondo auch nochmals die Fussballschuhe beziehungsweise die Hallenschuhe schnüren. «Ich möchte meinen Fans zeigen, dass ich es noch drauf habe. Der Krieger Bengo ist noch da», sagt er mit einem Augenzwinkern. Für sein eigenes Team trommelt er ehemalige Weggefährten zusammen, etwa den jetzigen FC-Aarau-Sportchef Sandro Burki, mit dem «Bengo» auf dem Brügglifeld zusammen spielte. Als Spieler mit FCW-Vergangenheit sind am Afro Winti Cup unter anderem der griechische Hüne Savvas Exouzidis, der brasilianische Goalie Christian Leite und der portugiesische Knipser João Paiva mit dabei.

Inspiration aus Hamburg

Die Idee mit dem Hallengrümpelturnier hatte Bengondo bereits während seiner aktiven Laufbahn als Fussballer. 2007 spielte er mit dem FC Aarau am Schweinske-Cup, einem Hallenturnier in Hamburg. Der Kameruner erinnert sich: «Ich war beeindruckt von der Stimmung dort. Seitdem habe ich davon geträumt, so ein Turnier für Amateure zu organisieren. Die sollen auch einmal eine solche Atmosphäre erleben dürfen.» Das Vorhaben behielt er über die Jahre immer in seinem Hinterkopf. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um das Projekt umzusetzen, so Bengondo.

Mit dem Afro Winti Cup hegt der Initiator das Ziel, Menschen und Kulturen an einem Event mit Fussball, Musik, Stars und Spezialitäten zusammenzubringen. Afrikanische Beats liefern DJam Fugitif aus Kamerun und DJ Patio von der Elfenbeinküste. Als Verpflegung gibt es Spezialitäten aus nigerianischer, kamerunischer, ivorischer und senegalesischer Küche. «Das Turnier passt gut zu Winterthur, denn es ist eine multikulturelle Stadt. Die Menschen hier schätzen solche Initiativen, wo mehrere Welten aufeinandertreffen», führt Bengondo aus und fügt lachend an: «Jetzt muss ich den Stars nur noch beibringen, wie man Winterthur korrekt ausspricht.» In ihren Videobotschaften tun sich die afrikanischen Fussballer schwer mit dem Namen der Eulachstadt.

Brücke zwischen den Heimaten

Nicht nur über seine Fussballerfreunde, die er teils aus seiner Zeit im Nationalteam Kameruns kennt, hat Bengondo noch Verbindungen in sein Geburtsland. Er besucht seine Familie in Afrika etwa zweimal pro Jahr. Nur als sein Sohn noch jung war, reiste er für einige Jahre nicht nach Akonolinga, wo er aufgewachsen ist. «Er weinte immer fürchterlich, wenn ich ihm sagte, dass ich nach Kamerun gehe. Er hatte solche Angst um mich, also blieb ich zuhause», erklärt Bengondo. Und mit «zuhause» meint er die Schweiz und Winterthur. Denn anders als zu seiner Anfangszeit als Fussballer im kalten Europa, in der er sein Kamerun oft vermisst hat, geht es ihm mittlerweile andersherum. «Ich liebe meine ursprüngliche Heimat immer noch, aber nach zwei Wochen dort zieht es mich wieder in die Schweiz.» Mit dem Afro Winti Cup schafft er nun eine Brücke zwischen diesen beiden Welten, seiner Herkunft Afrika und seinem neuen Daheim hier in Winterthur.

Michael Hotz

Afro Winti Cup

Am ersten Afro Winti Cup am 29. Februar in der Axa-Arena treten 16 Amateur-Mannschaften à sieben Spielern in vier Gruppen gegeneinander an. Interessierte Teams können sich direkt auf der Webseite des Events bis spätestens 23. Februar anmelden. Für die Gewinner winkt der Hauptpreis von 1500 Franken. Der Eintritt für Besucher beträgt fünf Franken (Kinder unter 10 Jahren gratis). Weitere Infos gibt es auf der Webseite des Afro Winti Cups.

Michael Hotz