Renata Tschudi (l.) und Rosmarie Peter forderten bereits Ende März 2019, dass die betroffenen Tössemer Quartiere mehr vom Lärm der A1 geschützt werden und das Dättnau besser ans Stadtzentrum angebunden wird. Foto: Michael Hotz
1/1 Renata Tschudi (l.) und Rosmarie Peter forderten bereits Ende März 2019, dass die betroffenen Tössemer Quartiere mehr vom Lärm der A1 geschützt werden und das Dättnau besser ans Stadtzentrum angebunden wird. Foto: Michael Hotz
13.02.2020 08:00

Die A1 soll zwischen Töss und Wülflingen in den Berg

Die A1 schneidet die Steig und das Dättnau vom Rest der Stadt ab und ist in Töss ungeliebte Lärmquelle. Die vom Gemeinderat eingebrachte Idee eines Tunnels kommt deshalb bei den Quartiervereinen gut an.

Winterthur Ein gespaltenes Dorf. Die A2 trennt die Tessiner Gemeinde Bissone in den historischen Dorfkern am Luganersee und die neuen Wohnquartiere am Berghang. Eine Verbindung stellen nur eine Strassenunterführung und eine Fussgängerbrücke her.

So dramatisch ist die Situation in Winterthur natürlich nicht. Dennoch fühlen sich die Dättnauer durch die A1 vom Rest der Stadt abgeschnitten, die Tössemer beschweren sich über den Lärm. Seit Jahren machen dortige Bewohner darauf aufmerksam. Durch den geplanten Autobahnausbau rund um Winterthur wird der Missstand noch akzentuiert, wird in den Quartieren befürchtet. So kommt es für sie einem Befreiungsschlag gleich, mit was die GLP-Gemeinderätin Annetta Steiner zusammen mit sechs Parlamentskollegen mittels schriftlicher Anfrage an den Stadtrat gelangt. Sie fordern, dass sich dieser für einen sechsspurigen, rund 3,5 Kilometer langen Tunnel beim Bund einsetzt. Die A1 soll ab der Einmündung der Kempt in die Töss am Fuss der Steig bis zur Wespimühle in Wülflingen in den Berg.

Quartiervereine sind für Tunnel

Im generellen Projekt des Bundesamts für Strassen, für das mit 1,232 Milliarden Franken (plus/minus 20 Prozent) gerechnet wird, ist aktuell eine 270 Meter lange Überdeckung in Wülflingen sowie eine Halbüberdeckung auf 400 Metern Länge im Schlosstal vorgesehen. Von einem Tunnel ist nicht die Rede. Den Tössemer Quartierorganisationen geht das zu wenig weit. Rosmarie Peter, Präsidentin des Quartiervereins Töss-Dorf und Leiterin der Arbeitsgruppe Verkehr der Tösslobby, monierte bereits Ende März 2019 in dieser Zeitung: «Wir leiden schon seit Jahren unter dem enormen Autobahnlärm.» Und Renata Tschudi, Präsidentin des Quartiervereins Dättnau-Steig, warnte damals: «Falls die Anbindung von Dättnau und der Steig nicht im Zuge des Spurausbaus verbessert wird, dürfte die nicht zufriedenstellende Situation für Jahrzehnte zementiert sein.»

Entsprechend nehmen die beiden Präsidentinnen die Idee eines A1-Tunnels äusserst positiv auf. «Es ist super, wenn weitere Optionen geprüft werden, um die Lärmimmissionen und vor allem die Anbindung von Dättnau-Steig an die Stadt in den Griff zu kriegen. Jetzt besteht die letzte Chance, um die früher begangenen Sünden rückgängig zu machen», betont Tschudi auf Anfrage. Von einem möglichen Befreiungsschlag spricht Peter: «Die Quartiere würden so endlich nicht mehr beschallt.»

Den Quartiervertreterinnen geht es nun darum, die Kräfte zu bündeln und zusammenzuarbeiten. Darum ist auch der Tössemer Gemeinderat Felix Helg (FDP) bemüht, der die Anfrage mitunterzeichnet und schon mehrere Vorstösse für mehr Lärmschutz lanciert hat. In der Tösslobby, der er auch angehöre, würden nun Absprachen zur Mobilisierung stattfinden.

Einigkeit erhöht den Druck

Vieles hängt dann davon ab, wie der Stadtrat auf den Vorstoss reagiert. Zwar ist die schriftliche Anfrage ein eher schwaches parlamentarisches Mittel, weil sie mit der städträtlichen Antwort grundsätzlich erledigt ist. Dennoch baut die Einigkeit des Gemeinderats gewissen Druck auf die Winterthurer Regierung auf. Angehörige aller Fraktionen – von Grüne/AL bis SVP/Piraten – tragen den Vorstoss mit. Und die Zeit drängt: In diesem Jahr läuft die Vernehmlassung, bei der die betroffenen Gemeinden, der Kanton Zürich und anschliessend die Bundesämter Stellung nehmen können zum generellen Projekt. 2021 befasst sich dann der Bundesrat damit. Darum fordert die Vorstoss-Initiantin Steiner vom Stadtrat, dass er das vertrete, was die Bevölkerung will. Aus Sicht der Grünliberalen wäre das eben der A1-Tunnel.

Bis anhin ist dieser aber eher eine Vision. Weder eine Kostenschätzung noch ein Zeitplan besteht. Gehandelt werden müsse aber trotzdem, wie Steiner findet: «Die Quartiere sind besorgt und nicht zufrieden. Aus dieser Ohnmacht gilt es auszubrechen.»

Michael Hotz