Bekommt einen neuen Besitzenden: die «Erb-Villa» an der Wolfensbergstrasse 165. Foto: z.V.g.
1/1 Bekommt einen neuen Besitzenden: die «Erb-Villa» an der Wolfensbergstrasse 165. Foto: z.V.g.
20.02.2020 08:00

Die «Erb-Villa» kommt heute unter den Hammer

Das Konkursverfahren Erb findet heute seinen Abschluss, wenn die Villa Schoellhorn im Casinotheater versteigert wird. Simeon Bertschinger, der die Gant leiten wird, erklärt alles Wissenswerte dazu.

Winterthur Im Casinotheater kommt es heute Donnerstagnachmittag um 14 Uhr zum letzten Akt im 15-jährigen Konkursverfahren Rolf Erb. Das Jugendhaus des verstorbenen Rolf Erb, die Villa Schoellhorn am Wolfensberg, kommt unter den Hammer. Das Konkursamt Wülflingen-Winterthur organisiert die Versteigerung. Simeon Bertschinger, der dort seit Anfang 2018 das Amt des Notar-Stellvertreters innehat, wird die Gant leiten. Für ihn ist es als Versteigerungsleiter die zweite Gant von Grundstücken in seinen 20 Jahren auf diesem Beruf. Seit 2013 ist Bertschinger als Notar-Stellvertreter tätig. Er erklärt, was man über die heutige Versteigerung wissen muss.

Was wird alles versteigert?

Total kann für drei Grundstücke geboten werden. Zuerst werden ein Waldstück zum Schätzwert von knapp 14'000 Franken sowie ein landwirtschaftliches Grundstück versteigert, das knapp 9000 Franken wert ist. Als Filetstück kommt zum Schluss die «Erb-Villa» unter den Hammer. Das Haus, in dem der Auto-Unternehmer Hugo Erb bis fast zu seinem Tod gelebt hat, steht seit 2003 leer. Laut einer ausseramtlichen Schätzung liegt der Wert der Villa mit 500 Quadratmetern Wohnfläche und 13 Zimmern bei 2,2 Millionen Franken. Nötige Sanierungskosten werden auf über drei Millionen Franken geschätzt. Ein zweites Gutachten wertet das Wohnhaus gar als Abbruchsobjekt.

Wie läuft die Versteigerung ab?

Im Casinotheater wird eine Eingangskontrolle durchgeführt. Dabei nehmen die Mitarbeitenden des Konkursamts schon einmal die Personalien der anwesenden Personen auf. «Die Versteigerung ist öffentlich, grundsätzlich darf jeder teilnehmen», erklärt Gant-Leiter Bertschinger. Anschliessend informiert er die Anwesenden, um was es geht. Vor den drei Versteigerungen gibt er nochmals die genauen Bedingungen bekannt, die bereits auf der Webseite des Konkursamts aufgeschaltet sind. «Ich bin um einen seriösen Ablauf bemüht, die Versteigerung ist keine Show», betont Bertschinger.

Was sind die genauen Regeln?

Ein Mindestgebot existiert jeweils nicht. Steigerungsleiter Bertschinger startet jedoch mit einem Richtpreis, dessen Höhe an der Gant bekannt gegeben wird. «So wollen wir einen Heraufschaukelzirkus verhindern.» Als weitere Massnahme muss jedes Gebot 10'000 Franken höher liegen als das vorangehende. Auch schriftliche Gebote sind möglich, sie werden zu Beginn verlesen. Den Zuschlag erhält jener Bieter, dessen Gebot dreimal aufgerufen worden ist. Anschliessend muss dieser direkt vor Ort eine Anzahlung von 100'000 Franken leisten.

Was passiert, wenn der Höchstbietende nicht zahlen kann?

Den Restbetrag muss innert 30 Tagen ans Konkursamt Thurgau, das für das Konkursverfahren zuständig ist und das Konkursamt Wülflingen mit der Versteigerung beauftragt hat, überwiesen werden. Ansonsten wird auf Kosten des Ersteigerers eine neue Gant angesetzt. «Die Anzahlung von 100'000 Franken dient als Sicherheitsleistung dafür», führt Bertschinger aus. Eine neue Versteigerung nötig wird etwa auch, wenn der Zuschlag an einen ausländischen Bieter ohne Schweizer Wohnsitz geht und dieser die dadurch nötige Spezialbewilligung nicht erhält.

Fortgesetzt beim gültigen zweithöchsten Gebot wird die Versteigerung laut Bertschinger, wenn der Höchstbietende gewisse Bedingungen nicht erfüllt. Etwa wenn dieser sich nicht ausweisen kann oder die 100'000 Franken weder bar, noch mit einem Bankcheck der ZKB oder durch ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen einer anerkannten Bank leisten kann. Sollte aus irgendwelchen Gründen niemand für eines der drei Grundstücke bieten, muss das weitere Vorgehen mit dem Konkursamt Thurgau abgesprochen werden. Gant-Leiter Bertschinger meint dazu: «Davon gehen wir aber nicht aus. Geboten wird sicher, die Frage ist nur, wie viel.»

Michael Hotz