Seniorinnen und Senioren fallen immer wieder auf beliebte Maschen von Trickbetrügern wie der Enkeltrick oder jene mit den falschen Polizisten herein. Foto: Stefan Gruber/lettas/stock.adobe
1/1 Seniorinnen und Senioren fallen immer wieder auf beliebte Maschen von Trickbetrügern wie der Enkeltrick oder jene mit den falschen Polizisten herein. Foto: Stefan Gruber/lettas/stock.adobe
13.02.2020 08:00

Die Maschen von Trickbetrügern beschäftigen auch Altersheime und Seniorenverbände

Falsche Polizisten versuchen, Rentnern Geld abzuknöpfen. Die perfide Masche wird aktuell öfter angewandt, leider hin und wieder erfolgreich. Das Altersheim St. Urban und der Winterthurer Seniorenverein sind sich der Problematik bewusst.

Winterthur Ein Schock. Die Tochter hat gerade einen Unfall mit Totalschaden verursacht. Nun benötigt die Polizei 30'000 Franken als Kaution. Doch die 80-jährige Schweizerin, der ein Mann am Telefon diese Geschichte erzählt, wird stutzig. Sie ruft die Stadtpolizei Winterthur an, die der älteren Frau bestätigen kann, dass es sich um einen Trickbetrug handelt. Die Beamten können dank der umsichtigen Reaktion der Seniorin eine 47-jährige Touristin aus Polen verhaften. Passiert ist dies Mitte Januar.

Am Telefon nicht über Geld reden

Dennoch fallen immer wieder Seniorinnen und Senioren auf die beliebte Masche mit den falschen Polizisten herein, bei der Betrüger älteren Menschen Geld abknöpfen wollen. Ende Januar haben Telefonschwindler eine Rentnerin aus dem Bezirk Hinwil um mehrere zehntausend Franken betrogen. Deshalb rät die Kantonspolizei, am Telefon nie Auskunft über die eigenen finanziellen Verhältnisse zu geben. Die Erfahrung zeige, dass sehr viele clevere und bodenständige Personen getäuscht würden. So heisst es in einem Präventionshinweis: «Die Betrüger bauen innerhalb kurzer Zeit grossen psychischen Druck auf und lösen ein Gefühl der Verpflichtung zur Hilfeleistung aus.» Die Macht der Situation dürfe man nie unterschätzen.

Seniorenverband plant Anlass

Diese perfide Maschen beschäftigen auch hiesige Institutionen und Organisationen für Rentnerinnen und Rentner. So plant der Regionale Seniorinnen- und Seniorenverband Winterthur, eine Veranstaltung zu dieser Thematik durchzuführen. Darauf gekommen sei der Verband auf einer Exkursion 2019 ins Kriminalmuseum in Zürich, teilt die Präsidentin Margrit Rupper mit. «Noch ist nichts konkret. Wir sind momentan mit internen Umstrukturierungen im Verband beschäftigt.» Man wolle aber gerne mit anderen Institutionen wie der Pro Senectute oder der städtischen Dachorganisation Altersforum zusammenspannen. Bei Interesse dürfe man sich gerne bei ihr melden.

Bereits einen kurzen Infoanlass mit der Kantonspolizei durchgeführt hat das Altersheim St. Urban in Seen. Dieser fand laut dem Geschäftsführer Marc Basler letzten Dezember statt. Zudem werde das Thema Trickbetrug hin und wieder in der Hauszeitung behandelt. «Die Sensibilisierung unserer Mitarbeitenden ist aber mindestens genauso wichtig wie das Weitergeben von Informationen an die Bewohnenden», so Basler. Die Betreuenden würden regelmässig das Gespräch mit den älteren Menschen suchen, wodurch sie einen guten Zugang zu ihnen hätten. Dadurch falle auch auf, wenn Betrüger einen Bewohnenden angehen würden. «Wir hatten bisher einen Fall, bei dem wir nicht sicher waren, ob es sich um einen Betrugsversuch handelte. Mit den Angehörigen konnten wir die Situation aber abklären. Es stellte sich als unproblematisch heraus.»

Altersheim-Leiter Basler mutmasst, dass Isolation eines der Probleme sein könnte, weshalb Schwindler immer wieder mit ihrer Masche durchkommen. «Alleinstehende Menschen können dann am Telefon nicht auf eine zweite Person zurückgreifen und werden so überrumpelt. Niemand ist stets gegen Trickbetrüger gefeit.»

Michael Hotz