Mundart-Musiker Bligg ist am Sonntag in der Wintialp zu Besuch.  z.V.g.
1/1 Mundart-Musiker Bligg ist am Sonntag in der Wintialp zu Besuch. z.V.g.
28.11.2019 08:00

«Die Show wird pur, nackt und ehrlich»

Musiker Bligg schlägt ruhigere Töne an. Pünktlich zur Adventszeit hat er sein Album «Unplugged» veröffentlicht und geht damit auf eine kleine, aber feine Tour. In der Wintialp spielt er am Sonntag eine exklusive Hauptprobe.

Winterthur Seine Shows sind üblicherweise energiegeladen, gross und laut. Jetzt zeigt sich Mundart-Musiker Bligg von einer ruhigeren Seite. Für sein Unplugged-Album interpretierte der 43-Jährige seine grössten Hits in neuem Gewand. Ohne Schnickschnack, sondern nur mit einer kleinen Liveband, zwei Sängerinnen und seiner Stimme. Die exklusive Hauptprobe der Tour spielt er am Sonntag in der Wintialp.

Die «WiZe» erlebte einen äusserst gut gelaunten Bligg und sprach mit ihm über die Herausforderungen der aktuellen Tour, seine Liebe zum Winterthurer Salzhaus und seinen vieldiskutierten Schnauz.

Bligg, wie kam es, dass du nach 20 Jahren Business jetzt ruhigere Töne anschlägst?

Das hat diverse Gründe. Im Vordergrund stand anfangs die Idee einer Weihnachtstour. Da wir in den letzten zehn Jahren hauptsächlich auf den grossen Bühnen der Schweiz unterwegs waren und dies aber auch eine gewisse Distanz zu den Fans schafft, empfand ich eine Weihnachtstour im intimen Rahmen als guten Kontrast. Daraus entstand dann die Idee für ein Unplugged-Album, da diese eher ruhigeren Songs perfekt in die Adventszeit passen.

Nach welchem Prinzip hast du die Lieder ausgewählt für die Unplugged-Tour?

Das war das schwierigste Unterfangen am Ganzen. Mittlerweile sind viele Hits in meinem Katalog, ich habe fünf Generationen in meinem Publikum, jeder hat andere Erwartungen, man möchte niemanden enttäuschen. 60 Prozent des Albums sollten Hits von mir sein, die man kennt. Zudem fragte ich mein Publikum per Social Media, welche Songs sie sich als Unplugged-Versionen wünschen würden. Einen Song habe ich gewählt, der zwar kein Hit war, mir persönlich aber sehr am Herzen liegt, da ich ihn für meinen Sohn geschrieben habe und einen brandneuen Song habe ich extra für das Album produziert. Meinen ersten, eigenen Weihnachtssong!

Diese Unplugged-Tour ist zwar kurz, du spielst nur an sieben verschiedenen Orten. Wird sie aber dafür umso intensiver?

Du bringst es auf den Punkt. Wir spielen fast täglich jeden Abend und teils sogar zwei Shows pro Tag. In Zürich und Bern gibt es auch am Nachmittag eine Show. Dies mit dem Sinn, dass auch Familien mit den Kleinen kommen können und diese trotzdem zeitig im Bett sind.

Was sind die Herausforderungen dieser Unplugged-Tour für dich?

Dass ich mich zusammenreissen und ruhig bleiben muss auf der Bühne (lacht). Ich bin ja eher bekannt dafür, energiegeladene Shows zu spielen. Aber ich schaffe das schon! Diese Shows werden total pur, nackt und ehrlich. Dazu gehört auch, dass man jeden Fehler hört, sollte einer passieren. Umgekehrt wird das Publikum aber auch jeden Spass mitbekommen, den wir machen auf der Bühne. Meine Performance steht ausgestellter da, als von grösseren Produktionen gewohnt.

In einem Interview sagtest du kürzlich, du überlegst dir, deine Fans zu bitten, die Handys während des Konzertes auszuschalten. Aus welchem Grund?

In dieser Zeit, in der wir leben, halten wir ständig jeden Moment fest. Ich beobachtete an meinen Shows auch Leute, die das halbe Konzert nur durch das Handy schauen. Ich kann das natürlich schon nachvollziehen. Für diese Unplugged-Tour fände ich es aber schön, würde man auch einfach mal den Moment geniessen und in eine Welt eintauchen, in der man von all dem absieht. Wie früher, bevor uns diese technische Revolution an diesen Punkt gebracht hat. Ob ich das aber durchziehen, und überhaupt von den Leuten verlangen kann, weiss ich nicht. Das war einfach mal ein Gedanke, der im Raum stand.

Du hast dir für den Release deines neuen Albums den Bart rasiert. Wie kamst du auf diese Idee?

Ich habe ein Unplugged-Album gemacht, auf dem die Musik sehr reduziert daher kommt, daher musste auch der Bart, den ich seit 20 Jahren trage, auf einen Schnauz reduziert werden (lacht). Das war aber eigentlich die Idee meines Grafikers. Es passt gut zu diesem Unplugged-Ding, ist aber natürlich mehr ein Joke.

Bligg kennt man sonst nur mit Bart – wie waren die Reaktionen?

Kreuz und quer natürlich. Gewisse fanden es lustig, andere meinten, ich solle den Bart sofort wieder wachsen lassen, das gehe ja gar nicht. Mein Sohn meinte: «Papi du siehst aus wie Super Mario» (lacht). Ein riesen Ding, nur wegen diesem Schnauz! Ende Dezember ist das dann aber auch wieder vorbei und der Bart wieder dran.

Wie kam der Auftritt in der Wintialp zustande?

Der Auftritt in der Wintialp ist keine offizielle Show der Tour, sondern mehr eine letzte Hauptprobe, einfach öffentlich. Die Initianten der Wintialp sind gute Kollegen von mir. Wir wollten vor Tourbeginn eine Probe mit Publikum machen und so kam das zustande.

Du leidest unter Platzangst – wird es dir in der Wintialp nicht zu eng?

Das werden wir dann sehen (lacht). Ich war privat schon ein paar mal in der Wintialp essen und dort war es zum Glück kein Problem.

Wird das dein wohl kleinstes/intimstes Konzert seit langem?

Oh ja. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einem solch kleinen Setup gespielt habe. Aber ich freue mich extrem darauf.

Früher kamst du auf deinen Tourneen jeweils noch ins Salzhaus nach Winterthur, warum heute nicht mehr?

Das ist jetzt aber eine gemeine Frage (lacht)! Ich wurde mit solchen Locations wie dem Salzhaus gross. Im Salzhaus zu spielen, war für mich zu Beginn meiner Karriere ein riesen Highlight. Dann wurde das Ganze grösser und grösser - meine Band hätte heute auf dieser Bühne wohl keinen Platz mehr. Du triffst da bei mir aber gerade einen wunden Punkt, weil ich es wirklich immer sehr geliebt habe, im Salzhaus zu spielen.

Abgesehen vom Salzhaus - welche Verbindung hast du sonst noch zu Winterthur?

Sehr viele! Ich wohne in der Nähe, bin regelmässig in der Region unterwegs. Mein Sohn liebt das Wunderland oder den Skillspark und ich gehe oft mit ihm ins Technorama. Mittlerweile habe ich viele Freunde, die in Winterthur wohnen, mein Sohn kam in Winterthur zur Welt, ich habe meine Autoprüfung und meine Lehrabschlussprüfungen in Winterthur gemacht und ich habe mein Sprunggelenk in Winterthur gebrochen und operiert (lacht). Die Liste wäre endlos!

Marina Persano