Kranken und beeinträchtigten Kindern eine Freude machen und Herzenswünsche erfüllen - dafür lebt Stiftungsgründerin der Wunderlampe, Karin Haug-Bleuler.
1/1 Kranken und beeinträchtigten Kindern eine Freude machen und Herzenswünsche erfüllen - dafür lebt Stiftungsgründerin der Wunderlampe, Karin Haug-Bleuler.
20.03.2020 09:41

Die Stiftung Wunderlampe macht Unmögliches möglich

Als die Winterthurer Stiftung Wunderlampe im Jahr 2001 den ersten Herzenswunsch erfüllte, hatte sie sich zum Ziel gesetzt, dem schwer kranken Kind ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis zu ermöglichen. Diesem Ziel geht die Stiftung auch heute, 19 Jahre später, noch nach. Kürzlich verwirklichte sie den 2000. Wunschtraum.

Winterthur Good News in schwierigen Zeiten: Die Winterthurer Stiftung Wunderlampe erfüllt Herzenswünsche von kranken oder beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen. Kürzlich durfte das Stiftungs-Team den 2000. Wunsch in die Tat umsetzen. Stiftungsgründerin Karin Haug-Bleuler spricht im Interview über aussergewöhnliche Wünsche, strahlende Kinderaugen, aber auch über die aktuelle Notlage, die zum Umdenken anregen kann.

Frau Haug-Bleuler, was wünschen sich die Kinder und Jugendlichen am häufigsten? 

Die Wünsche sind sehr unterschiedlich und zeugen von einer grossen Vielfalt. Jeden einzelnen Wunsch erfüllen wir individuell und ganz auf das Wunschkind, seine Krankheit oder Beeinträchtigung und seine Familie zugeschnitten. Grob kann man sie in drei Kategorien einteilen: 1. Treffen mit bekannten Persönlichkeiten wie Sportlern, Musikern, Schauspielern oder Comedians. 2. Erlebnisse im technischen Bereich mit Helikoptern, Baumaschinen, Sportwagen, Feuerwehr oder Müllabfuhr. 3. Spezielle Wünsche wie das Begleiten eines Brückenbauers, Berufsfischers, Besuch eines Sattlers, Konditors oder Ähnliches.

Was war der erste Herzenswunsch, den ihr im Jahr 2001 ermöglicht habt? 

Ein Mädchen mit einem Gendefekt wünschte sich sehnlichst, einen Nachmittag mit Schimpansenbabys zu verbringen.

Was war der bisher aussergewöhnlichste oder aufwendigste Wunsch, den ihr erfüllt habt? 

Wir ermöglichten zwei schwer körperlich beeinträchtigten Geschwistern, die beide mit demselben sehr seltenen Chromosomenfehler zur Welt kamen, ein Treffen mit dem Papst. Dieses Erlebnis hat der ganzen Familie sehr viel Kraft und neue Energie gespendet, um den weiteren schwierigen Lebensweg zu bewältigen.

Gibt es einen Wunsch, an den Sie sich besonders gut erinnern? 

Ich erinnere mich an jeden einzelnen Wunsch, denn alle sind etwas ganz Besonderes für jedes Wunschkind und seine Familien sowie für uns alle von der Wunderlampe. 

Ihr erfüllt jeden einzelnen, eingegangenen Herzenswunsch. Ist das wirklich möglich? 

Ja, das ist möglich. Vor allem aber dank unserem jahrelang aufgebauten Beziehungsnetz, den vielen helfenden Händen, den treuen Spenderinnen und Spendern und allen ehrenamtlich tätigen Traumteam-Mitgliedern und Wunschbegleitern. Und natürlich auch dank den vielen Partnern, die an einer Wunscherfüllung beteiligt sind, und die sich ebenfalls mit viel Herzblut ins Zeug legen, um manchmal zu Beginn unmöglich Erscheinendes möglich zu machen. Sie alle tragen dazu bei, Herzenswünsche zu erfüllen.

Inwiefern ist die Stiftung Wunderlampe von der aktuellen Corona-Krise betroffen?

Wir sind ebenso von der aktuellen Notlage betroffen wie alle anderen. Schon lange vor den Beschlüssen des Bundesrates haben wir Ende Februar entschieden, alle Wunscherfüllungen auszusetzen, um die Wunschkinder, die mitunter zu den gefährdetsten Bevölkerungsgruppen gehören, zu schützen.

Was bedeutet das für die Stiftung?

Gerade in dieser schwierigen Situation, in der wir momentan alle leben, können wohl viel mehr Menschen nachvollziehen, wie es für beeinträchtigte oder kranke Kinder ist, von der Gesellschaft isoliert zu leben. Ein Herzenswunsch in Form eines besonderen Erlebnisses kann da sehr viel Gutes bewirken. Deshalb hoffen wir auch, dass die Solidarität, die wir bisher erlebt haben, nicht nachlässt und uns weiterhin viele Menschen unterstützen werden. Ganz viele kleine Spenden können ebenfalls Grosses bewirken. 

Aus welcher Motivation entstand die Stiftung Wunderlampe damals, vor 19 Jahren? 

Aus rein persönlicher Motivation und der Erfahrung mit Familien, die es aufgrund eines kranken und beeinträchtigten Kindes nicht immer leicht haben. Dann auch durch die Erkenntnis, dass Lachen oft die beste Medizin ist und ein positives Erlebnis so viel bewirken kann. Es ist unglaublich mitzuerleben, wie viel Lebenskraft, Zuversicht und Freude die Erfüllung eines lang gehegten Herzenswunsches vermitteln kann. Mit dieser Motivation gehen wir auch heute noch, nach fast zwei Jahrzehnten Wunderlampe-Tätigkeit, täglich unsere Arbeit an.

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf? 

Menschen Freude schenken können. Strahlende Kinderaugen sehen zu dürfen. Mitten im Leben zwischen Freude, Schicksal und Tod leben und arbeiten zu können.

Marina Persano