Mindestens einer der vier Behindertenparkplätze beim Restaurant Strauss steht Marcel Bodenmann nicht zur Verfügung. Foto: George Stutz
1/2 Mindestens einer der vier Behindertenparkplätze beim Restaurant Strauss steht Marcel Bodenmann nicht zur Verfügung. Foto: George Stutz
Die Behindertenparkplätze sind aufgrund der regen Bautätigkeit vielfach belegt. Foto: George Stutz
2/2 Die Behindertenparkplätze sind aufgrund der regen Bautätigkeit vielfach belegt. Foto: George Stutz
03.10.2019 10:45

Die Strauss-Baustelle nimmt Behinderten Parkplätze weg

Seit 25 Jahren ist Marcel Bodenmann an den Rollstuhl gebunden und daher auf Behinderten-Parkplätze angewiesen. Diese sind für Arztbesuche in Altstadtnähe rar. Dass nun aufgrund der Strauss-Baustelle Parkplätze mit Baumaschinen verperrt sind, ärgert den bekannten Rollstuhlsportler.

Winterthur Als Marcel Bodenmann letzte Woche wie gewohnt sein Fahrzeug auf einem der vier Behinderten-Parkplätze beim Restaurant Strauss parken wollte, um danach in seinem Rollstuhl zu seinem Physiotherapeuten zu fahren, staunte er nicht schlecht. Drei der vier Parkplätze waren besetzt. Richtig geärgert hatte den Pfungemer, der 1994 durch einen Militärunfall zum Paraplegiker wurde, dass das vierte Parkfeld von einem Kleinbagger belegt war.

Jeder der wenigen, zentralen Behinderten-Parkplätze zählt

«In der Stadt hat es ohnehin schon wenig Parkmöglichkeiten für gehbehinderte Personen oder diese sind nur schwierig nutzbar», sagt Bodenmann. Mit Letzterem meint er etwa den neu markierten Behindertenparkplatz auf der Merkurstrasse beim Einkaufzentrum am Stadtgarten, auf dem er danach sein Auto abstellen wollte: «Aufgrund der Einbahnstrasse kann ich nur auf der Trottoirseite aussteigen. Das Einsteigen in den Rollstuhl ist aufgrund des Absatzes kaum möglich, zudem rutschen die Räder zwischen den Gehsteig und mein Auto. Das Gleiche gilt für die Stadthausstrasse, wo ich grundsätzlich parkieren dürfte, aber gegen die Strasse aussteigen müsste. Ich brauche jedoch eineinhalb Meter Platz. Das macht das Unterfangen aufgrund der vielen Busse und Zweiradfahrer sehr gefährlich. Deshalb sind für mich die Parkplätze beim Strauss so wichtig.»

Ein Augenschein vor Ort zeigte, dass sich die Bauarbeiter nicht an die Anordnung halten, sodass zwischenzeitlich auch zwei oder mehr der Parkplätze durch Baumaschinen versperrt waren oder aber Zulieferer ihre Transport entlang den ent

sprechenden Parkfeldern abstellen. Die auf diese Angewiesenen können in solchen Situationen ihre Fahrzeug nicht parken oder müssen froh sein, von dort wieder losfahren zu können.

Departement Bau nimmt Stellung

Matthias Rosskopf vom Departement Bau der Stadt Winterthur zeigt Verständnis für das Anliegen der gehbehinderten Autofahrer: «Dass sie auf frei zugängliche Behinderten-Parkplätze pochen, ist verständlich und ohne Weiteres nachvollziehbar. Bei Baustellen kommt es jedoch zu Einschränkungen, die sich leider nicht immer vollständig vermeiden lassen. Während der Arbeitszeiten kann es allerdings in der Zufahrt für Abladevorgänge von Lastwagen zu Einschränkungen kommen, in denen die Zu- oder Wegfahrt zu den Parkfeldern kurzzeitig nicht möglich ist. Dies lässt sich während der Bauzeit leider nicht ausschliessen.»

Nicht für Baumaschinen gedacht

Grundsätzlich sei der für die Baustelle abgezweigte Behindertenparkplatz nicht für das Abstellen von Baggern und anderen Maschinen gedacht, sondern als Baustellenzufahrt und für den Warenumschlag, so Rosskopf weiter. Der auskunftgebende Mitarbeiter des Departements Bau verneint, dass die Behindertenparkplätze nur deshalb tangiert werden dürfen, weil die Liegenschaft des Restaurants Strauss der Stadt Winterthur gehöre: «Bei der Bewilligung von Bauinstallationsplätzen beurteilt die Stadt immer die Situation vor Ort. Für alle Grundeigentümer, ob Private, Stadt, Kanton oder Bundesstellen, gelten die gleichen Kriterien für die Bewilligungserteilung und die Stadt wägt die verschiedenen Interessen untereinander ab.»

Der ehemalige Spitzensportler im Rollstuhl-Curling (zweifacher WM-Teilnehmer und letztjähriger Athlet an den Paralympics in PyeangChang) ist über seinen grossen Ärger hinweg: «Grundsätzlich bin ich nicht einer, der sofort ausruft, wenn mir Hindernisse in den Weg gestellt werden. Diesmal konnte ich mir dies jedoch nicht verkneifen, weil ich denke, dass es beim Strauss auch anders lösbar wäre oder die Stadt uns beim Oskar Reinhart Museum zumindest einen temporären Ersatzparkplatz hätte zur Verfügung stellen können. Wie gesagt, kann ich mein Auto mit dem schwenkbaren Rollstuhl aus Platzgründen nicht im Parkhaus oder auf normalen Parkfeldern abstellen, um anschliessend aussteigen zu können.»

Bis zum 4. November muss sich Marcel Bodenmann noch gedulden. Danach öffnet das Restaurant Strauss in neuem Glanz. Spätestens dann dürften alle vier begehrten Parkplätze wieder frei sein.

George Stutz