Rund 1000 Arbeitsstunden investierten die Erfinder Markus Keller (l.) und Andi Bühlmann in den Bau ihrer mittelalterlich anmutenden Hebebühne.
1/1 Rund 1000 Arbeitsstunden investierten die Erfinder Markus Keller (l.) und Andi Bühlmann in den Bau ihrer mittelalterlich anmutenden Hebebühne.
05.09.2019 08:00

Durch die Kirche schweben

Die berühmten Wandmalereien in der Kirche St. Arbogast in Oberwinterthur können einen Monat lang aus nächster Nähe betrachtet werden. Hinauf zu den Malereien führt eine ganz spezielle Holzkonstruktion.

Winterthur Was sich Markus Keller und Andi Bühlmann ausgedacht haben, könnte durchaus dem Kopf Leonardo da Vincis entsprungen sein. Ihre mittelalterlich anmutende Hebebühne, die von einem Tretrad angetrieben wird, ist aber ziemlich sicher einzigartig. In rund 1000 Arbeitsstunden erbauten der frühere Oberwinterthurer Kirchenpflegepräsident Keller und der pensionierte Lehrer Bühlmann eine Art Lift, mit dem bis zu zwei erwachsene Personen auf vier Meter Höhe gebracht werden können. Über die Holzkonstruktion erreicht man ein Baugerüst, das ebenfalls aufgebaut worden ist. Und zwar in der reformierten Kirche St. Arbogast in Oberwinterthur.

Hinauf zu den Wandmalereien

Wer das Baugerüst betritt, hat so die Möglichkeit, die berühmten Seccomalereien an der südlichen Seitenwand der Kirche aus nächster Nähe zu betrachten. In der Ausstellung «Vom Werden und Vergehen der Bilder» werden im Zwingli-Jahr 2019 die Wandmalereien und ihre bewegte Geschichte dem Betrachter auf Augenhöhe zugänglich gemacht. Die Malereien aus dem 14. Jahrhundert haben einiges mitgemacht. Mit der Reformation wurden sie verputzt, dann wieder freigelegt, dabei etwas zerstört, später wieder übertüncht und nochmals freigelegt. 1932 wurden sie ein erstes Mal restauriert. Eine halbstündige multimediale Schau zeichnet die Entstehung der Bilder und ihr Schicksal nach. In Führungen wird die Tonbildschau einen Monat lang vorgeführt (siehe Box).

Andere Perspektive dank Lift

Ist die Hebebühne für die Ausstellung denn nötig? Diese Frage stellte auch die Frau eines befreundeten Pfarrers Markus Keller. «Sie war zuerst nicht so begeistert von unserem Werk.» Schnell habe sie ihre Meinung aber revidiert. «Ihre Tochter erzählte ihr, dass sie sich lebhaft daran erinnere, wie sie einmal ein Gerüst in der Wülflinger Kirche begehen durfte.» Das Fazit der Pfarrersfrau: «Ihr müsst den Lift unbedingt machen.» Eine bleibende Erinnerung soll die Fahrt mit dem «Mittelalter-Lift» also sein. Den Eindruck der ersten Fahrt beschreibt Keller so: «Man schwebt durch die Kirche und sieht den Kirchenraum aus anderer Perspektive.»

Michael Hotz