Nebst den Schauspielern hat auch Roboter "Pepper" am Samstag seinen grossen Auftritt.
1/2 Nebst den Schauspielern hat auch Roboter "Pepper" am Samstag seinen grossen Auftritt.
Theater- und Filmautor Domenico Blass.
2/2 Theater- und Filmautor Domenico Blass.
29.08.2019 07:00

Ein Roboter wird zum Schauspieler

Ab Samstag steht neben den menschlichen Schauspielern auch ein echter Roboter auf der Bühne des Casinotheaters. Die neue Eigenproduktion «Robocare» feiert dann Premiere.

Winterthur Es ist ein etwas anderes Bild, das ab Samstagabend im Casinotheater zu sehen sein wird. Neben Esther Gemsch, Charles Nguela und Ruth Schwegler steht auch Pepper, ein Roboter, auf der Bühne. Er arbeitet im Stück «Robocare» als Altenpfleger. Was es damit auf sich hat, erklärt der Theater- und Filmautor Domenico Blass im Interview.

Herr Blass, wie kamen Sie auf die Idee, ein Theaterstück mit einem echten Roboter zu schreiben?

Roboter habe ich immer nur von ferne gesehen, aber so viel darüber gelesen, dass ich Lust darauf bekam, dieses Thema in einem Theaterstück zu verhandeln. Denn ich bin überzeugt davon, dass wir in unserem Alltag in den nächsten Jahren immer mehr mit Robotern zu tun haben werden.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit einem Roboter vorstellen?

Unser Roboter ist noch nicht so intelligent, dass er sich einmischt. Er macht noch schön brav, was die Programmierer ihm sagen. So brav, wie Computer das halt in der Regel tun. Also nicht immer.

Wo also liegen hierbei die Herausforderungen, im Umgang mit Pepper?

Jeder Satz, den der Roboter sagt, und jeder Schritt, den er macht, muss programmiert werden. Das ist für alle, die mit ihm arbeiten, eine grosse Herausforderung. Für mich als Autor hingegen ist es anders: Noch nie hat ein Schauspieler so genau gesagt, was ich für ihn geschrieben habe!

Was genau fasziniert Sie an Robotern?

Die unglaubliche Datenmenge, die sie in kürzester Zeit verarbeiten – und die Geduld, mit der sie dieses Wissen an uns weitergeben können. So lange wir bestimmen können, wo die Grenzen liegen, werden Roboter uns von grossem Nutzen sein.

Wie wird Pepper programmiert?

Die Programmierung ist eine aufwendige Sache, die in den Händen der Profis von RaumCode liegt, die sich für dieses unkonventionelle Projekt mit grosser Leidenschaft ins Zeug legen. Ich selber habe es auch schon probiert: Es läuft über eine Webseite, wo man eingeben kann, was der Roboter tun oder sagen soll.

Wie ist Ihre Beziehung zu Pepper?

Ich mag ihn! Pepper ist so knuddelig, dass man rasch eine Beziehung zu ihm aufbaut. Wie zu einem Haustier. Nur kann ein Haustier nicht reden.

Am Samstag ist Premiere: Gibt es Ihrerseits noch Zweifel, dass alles klappt und funktioniert?

Ja, klar. Die gibt es immer. Inhaltlich und technisch. Aber das Gute ist: Was heute nicht klappt, können wir morgen schon besser machen.

In den letzten Wochen wurde für das Stück viel geprobt. Könnte es dennoch sein, dass wegen Pepper von den Schauspielern Improvisation gefragt ist?

Natürlich. Pepper ist zwar ein Roboter. Aber wir kennen das ja von Computern: Die machen auch nicht immer genau das, was wir von ihnen wollen. Und dann gilt die goldene Regel: Bitte das Gerät nicht zum Fenster hinauswerfen!

Wie hoch sind die Chancen, dass Pepper während den Vorstellungen etwas Falsches sagt oder tut?

Da ich bei den Proben nicht dabei war, kann ich das nicht genau beantworten. Aber ich würde mal sagen: Die Chance ist intakt.

Ist es für Sie tatsächlich denkbar, dass Pflegepersonen in naher Zukunft durch Roboter ersetzt werden könnten?

Ersetzt vielleicht nicht, aber ergänzt bestimmt – vor allem bei einfachen, wiederkehrenden Aufgaben. Aber sie sind auch sehr gut darin, Patienten Gesellschaft zu leisten oder sie zu unterhalten, wie mehrere Einsätze auch in der Schweiz bereits bewiesen haben.

Marina Persano

«Robocare» feiert am Samstag, 31. August im Casinotheater Premiere. Weitere Termine bis am 28. September. Alle Infos und Tickets gibt es unter: www.casinotheater.ch