Solo (2.v.r.) stammt aus Kantchari und hofft auf Entschärfung der Situation in seinem Dorf.
1/2 Solo (2.v.r.) stammt aus Kantchari und hofft auf Entschärfung der Situation in seinem Dorf.
So sieht der Krankenwagen in Kantchari aktuell aus.
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28.11.2019 10:44

Einen Krankenwagen aus Winterthur für Burkina Faso

Immer wieder sterben Menschen der Gemeinde Kantchari in Burkina Faso auf den Weg in das 400 Kilometer weit entfernte Spital, aufgrund eines fehlenden zuverlässigen Krankentransports. Der Winterthurer Verein «Menschen helfen heute» startete deshalb eine Crowdfunding-Aktion.

Kantchari ist eine Gemeinde in Burkina Faso. Sie besteht aus 29 Dörfern und dem Zentrum Kantchari. Sie ist mit rund 3’500 Quadratkilometer doppelt so gross wie der Kanton Zürich, hat jedoch nur 86’000 Einwohner, die weit verstreut leben. Im gesamten Land ist die medizinische Versorgung nicht flächendeckend gewährleistet und oft ist das nächste Krankenhaus mehr als 400 Kilometer entfernt. Bei einem Notfall fragen die Bewohner bei Familie, Freunden oder Nachbarn nach einer Transportmöglichkeit oder nehmen den öffentlichen Bus, für den es keine festen Fahrzeiten gibt.

Zwar ist ein staatlicher Krankenwagen für mehrere Gemeinden vorhanden, trifft jedoch meist mit Tagen Verspätung oder gar nicht ein, weil er kaputt ist und das Geld für die Reparatur fehlt. Wegen dieser Infrastrukturmängel verlieren die Menschen regelmässig ihre Liebsten.

Dem will der Winterthurer Verein «Menschen helfen heute» entgegenwirken. Ein Rettungswagen, um den sich die Bewohner der Gemeinden selber kümmern, würde diese Situation entschärfen.

Hilferuf aus Kantchari

Die Anfrage an den Verein kam Anfang 2019. Solo, der in Kantchari aufwuchs, erzählte den Initianten sein Schicksal und bat um Unterstützung: Mit 6 Jahren hat er seinen Vater verloren, mit 9 Jahren seine Mutter. Diese starb auf dem Transportweg zum Krankenhaus, sie hatte zu viel Blut verloren. Es gab keinen Krankenwagen, der sie hätte unverzüglich ins Spital bringen können. Deshalb wurde Solo von seinen Verwandten grossgezogen. Nach seinem Schulabschuss konnte er mit einem Stipendium in Deutschland studieren.

Beim letzten Besuch in der Heimat hat er mit Familie, Freunden, und dem Ältestenrat seines Heimatdorfes am Lagerfeuer über die Leidensgeschichten der Familien gesprochen, die auch heute noch ihre Angehörigen verlieren, wie er damals seine Mutter verloren hat.

Die Burkinaben fragten ihn, ob und wie er ihnen helfen könne, um für die Region eine Verbesserung der Krankentransporte zu erreichen. So entstand die Idee, einen Krankenwagen zu organisieren, der von den Dorfbewohnern gemeinschaftlich betrieben werden wird: Einsatzplanung, Versorgung, Instandhaltung, Reparatur, Verwaltung. Alles in Selbstorganisation der Gemeinde und der Bewohner.

Ganz so einfach umzusetzen ist dieses Projekt jedoch nicht. Der Verein «Menschen helfen heute» möchte dazu einen gut erhaltenen Occasion-Krankenwagen kaufen und diesen nach Burkina Faso transportieren. «Schon die Transportkosten sind hoch. Viele Strassen sind in Kantchari noch unbefestigt, und damit die Fahrer auch zu den abgelegensten Häusern kommen, brauchen sie ein stabiles Fahrzeug», meint Sonja Maria Herzog-Lang, Vorstandsvorsitzende von «Menschen helfen heute». Ausserdem müsse das Auto von den Bewohnern selber repariert und gewartet werden können, «und die Ersatzteile müssen im Land verfügbar sein.»

Aufwendiger Transport

Ein passendes Modell wurde nun aber gefunden. «Wir haben uns nach Einsicht in die Gegebenheiten der Strasse, Ersatzteilrekrutierung und der Ressourcenmöglichkeiten für eventuelle Reparaturen für einen gebrauchtes Modell mit Gangschaltung entschieden, weil in Afrika Schaltgetriebe mehr genutzt werden können und dieses einfacher zu reparieren sind», so Herzog-Lang.

Sollte genug Geld zusammenkommen, um das Projekt in die Tat umzusetzen, würde ein aufwendiger Transport bevorstehen. Ein Mitglied des Vereins soll den Wagen nach Antwerpen bringen, direkt zur Verschiffung. Der Transport ginge dann über den Hafen Lomé nach Ouagadougou. Dort wäre anschliessend das Zollverfahren für Burkina Faso zu absolvieren. Hier müssten Abgaben und Zölle bezahlt werden. «Diesen Prozess würde der Bürgermeister von Kantchari übernehmen.»

Crowdfunding läuft bis Sonntag

Der Verein schätzt die Kosten auf rund 18'500 Franken. Auf diesen Betrag haben sie ein Crowdfunding angesetzt, wovon bisher knapp 12'000 Franken bereits erreicht wurden. Noch bis am Sonntag läuft die Aktion. Doch nach dem Projekt ist vor dem Projekt, wie Herzog-Lang abschliessend meint: «Der Verein trackt das Projekt die nächsten 5 Jahre! Wir brauchen also immer wieder weitere Unterstützungen und sind um jede Spende dankbar.»

Wollen Sie das Projekt «Krankenwagen für Kantchari» unterstützen? Alle Infos unter:

www.wemakeit.com/projects/krankenwagen-fuer-kantchari