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08.08.2019 07:07

«En Schwarze ligge laa» – auf Kosten der Anwohner

Anwohner der Kronaustrasse leiden unter teils nächtlichen Kavalierstarts und überlauten Auspuffgeräuschen PS-starker Fahrzeuge. Übersetzte Geschwindigkeiten gefährden mitunter auch Besucher des Lokals der Mobilen Jugendarbeit Winterthur (Mojawi).

Winterthur Die Kulturbaracke (KuBa21) an der Kronaustrasse hat eine bewegte Geschichte. In den 70er-Jahren hiess der Treffpunkt Pegasus, später Brainticket. Heute wird das Lokal unter anderen von Mojawi genutzt. Daneben sind jedoch auch andere Räume vermietet. Im Zuge eines der Mieter treffen sich in unregelmässigen Abständen auch immer wieder Lenker von PS-starken, teils aufgemotzten Autos bei den mit Graffity bemalten Baracken. «Einige Autofreaks parken ihren Wagen auch nur kurz vor der kunstvoll besprayten Fabrikhallenmauer der Firma Bryner für ein Foto, diese fahren denn auch mit angepasster Geschwindigkeit durch die Kronaustrasse, mit diesen haben wir auch keine Probleme», sagt H.B., der in der Nähe wohnt.

Wegzüge aufgrund des Lärms

Den eigentlichen Ärger verursacht ein halbes Dutzend Autofahrer, die immer wieder mit überhöhtem Tempo die Gerade der Kronaustrasse durchfahren, oder aber mit laut aufheulendem Motor einen «Schwarzen» auf den Teer legen. Die entsprechenden Gummispuren sind überall ersichtlich. Die Lärmgeschädigten haben einerseits den Kontakt zur Stadtpolizei gesucht, aber auch schon einmal eine Kamera mehr zur Abschreckung aufgestellt. «Als die betreffenden Auto-Rowdies dies bemerkten, fuhren sie bis auf Höhe der Kamera anständig, um danach Vollgas zu geben, dies teils mitten in der Nacht, so H.B. Er weiss von Anwohnern, die aufgrund der enormen Nachtruhestörung bereits ausgezogen sind.

Es besteht auch Unfallgefahr

Mühe bereitet die Situation auch der Mobilen Jugendarbeit Mojawi, wie Mireille Stauffer, Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Winterthur betont: «Die Mojawi betreibt im Hauptraum der KuBa21 zum Teil einen Jugendtreff und macht manchmal Schülerpartys. Sonst hat es dort halbautonome Cliquenräume für Jugendliche. Die Jugendlichen kennen die Raser zum Teil, sie sind aber ein Stück jünger als diese. Die Raser kommen nicht wegen den Jugendlichen sondern weil sich der Ort für ihre Raserspielchen eignet.»

Nicht nur sei die Lärmbelästigung ein Problem, sondern auch das Unfallrisiko. Die Mojawi habe schon mehrmals versucht, mit den jungen Erwachsenen das Gespräch zu suchen, wie Mireille Stauffer versichert: «Der Einfluss ist jedoch klein, weil die Raser oft von auswärts kommen und keine Identifikation mit dem Ort und keine Beziehung zum Team besteht. Sie haben nichts zu verlieren, die Leidtragenden sind Anwohner und die Jugendlichen, die dort eigentlich ihren Freiraum hätten.»

Problem ist der Polizei bekannt

Die Stadtpolizei Winterthur hat erst vor zwei Wochen an noralgischen Punkten kontrolliert und vier fehlbare Lenker zur Anzeige gebracht.

Ob sich unter den kontrollierten Abschnitten auch die Kronaustrasse befand, will der Sprecher der Stadtpolizei, Adrian Feubli «aus polizeitaktischen Gründen» nicht sagen. Gut möglich aber, dass dort auch eine in der entsprechenden Polizeimeldung aufgeführte Anzeige wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeuges erfolgte. Dieses kann etwa vorliegen, wenn ein Lenker seine Räder durchdrehen lässt. Anwohner H.B. ist zumindest aufgefallen, dass es in den letzten Tagen auf der Kronaustrasse ruhiger war: «Es ist jedoch auch Ferienzeit, ich nehme an, die Szene wird zurückkehren.»

Grundsätzlich Gespräch suchen

Auch anderswo auf Stadtgebiet sorgen lärmende und stark beschleunigende Fahrzeuge immer wieder für Ärger. Vielfach sind jedoch von den Autolenkern willkürlich gewählte Durchgangsstrassen davon betroffen. Trifft die Polizei aufgrund eines Anrufes ein, sind die Lärmverursacher dort längst wieder weg. Dort, wo sich eine eigentliche Szene bildet, empfiehlt die Stadtpolizei den Anwohnern, grundsätzlich erst einmal das Gespräch mit den Ruhestörern zu suchen. Stapo-Sprecher Adrian Feubli bezweifelt jedoch, ob in konkreten Fällen, wie an der Kronaustrasse dies Besserung bringt: «In solchen Fällen die Polizei zu informieren, respektive zu alarmieren, ist sicher gut. Nicht immer kann die Patrouille dann aber rechtzeitig vor Ort sein und oder die Verursacher sind bereits weg. Gerade bei Durchgangsstrassen kommt zudem die Problematik dazu, dass es sich immer wieder um andere Verursacher handelt.»

George Stutz