Das Restaurant Bären wurde nach einer Lebensmittelkontrolle sofort geschlossen.  gs
1/2 Das Restaurant Bären wurde nach einer Lebensmittelkontrolle sofort geschlossen. gs
Potenzielle Bären-Gäste werden an der Eingangstüre auf den Juni vertröstet.  gs
2/2 Potenzielle Bären-Gäste werden an der Eingangstüre auf den Juni vertröstet. gs
09.05.2019 07:15

Ex-Bären-Mitarbeiterin: «Ich hatte kein gutes Gefühl»

Wie wir in der letzten Ausgabe berichteten, musste das Restaurant Bären in Wülflingen aufgrund hygienischer Mängel am 29. April schliessen. Laut einer ehemaligen Mitarbeiterin bahnte sich das Unheil schon vor Jahren an. Trotz neuen Pächters ist noch unklar, wann der «Bären» wieder öffnet.

Winterthur-Wülflingen Verdorbene Lebensmittel, eine defekte Kühlanlage und weitere hygienische Mängel waren der Grund für die Schliessung des Restaurants Bären in Wülflingen letzte Woche. Die Kantonspolizei Zürich deckte die Mängel, darunter 100 Kilogramm abgelaufenes Fleisch, bei einer Grosskontrolle am 26. April auf.

Drei Tage später stiess das Lebensmittelinspektorat der Stadt Winterthur bei ihrer Nachkontrolle auf keine ausreichenden Verbesserungen der Zustände und ordnete eine sofortige Schliessung an (wir berichteten). Der Besitzer Karl Sax erhob schwere Vorwürfe gegen den verantwortlichen Pächter J.*, der bereits einmal Konkurs ging, und gemäss ihm «ungeeignet und beratungsresistent» gewesen sei.

Missstände zeichneten sich ab

Auch die ehemalige Mitarbeiterin M.*, die jahrelang im «Bären» als Serviceangestellte tätig war, lässt kein gutes Haar an Wirt und Pächter J. «Es hatte schon angefangen, als ich noch im Bären angestellt war. J. begann, Produkte einzeln bei Billig-Discountern einzukaufen.» Dazu habe auch Fleisch gehört.

Ob er auch abgelaufene Lebensmittel an Gäste verkauft habe, kann sie nicht sagen, da sie lediglich bei der Zubereitung von Sandwiches direkt mit den Esswaren konfrontiert gewesen sei. «Diese Produkte waren immer einwandfrei, sonst hätte ich mich geweigert, sie zu verkaufen.» Dennoch habe sie sich mehr und mehr gefragt, wie man so ein Restaurant führen könne. «Ich hatte nie ein gutes Gefühl bei ihm.»

Pächter schweigt zu Vowürfen

Dass der «Bären» nun zu ist, erstaunt M. deshalb nicht. «Der Wirt ging ja schon mal Konkurs. Dass aber die Zustände derart desolat sind, hat mich dann aber doch schockiert.» Auch zwischenmenschlich sei sie mit J. nie zurecht gekommen. «Irgendwann musste aus dem Nichts eine Mitarbeiterin gehen. Auch ich konnte es nie gut mit ihm, weshalb ich vor drei Jahren kündigte.»

Der Wirt hätte vieles, was im Hintergrund lief, vertuschen können und habe gute Miene zum bösen Spiel gemacht. «Er hatte ein gutes Auftreten und war stets freundlich und generös gegenüber Gästen. Doch das alleine reicht eben nicht, um eine Beiz gut zu führen.» Wirt J. wollte sich auf Anfrage der «Winterthurer Zeitung» nicht zu den Vorwürfen äussern. Er möge nicht mehr darüber sprechen, liess er verlauten.

Eklat und Chance zugleich

Auch für Thomas Wolf, Präsident von Gastro Winterthur sowie Wirt des Restaurants Bahnhöfli Wülflingen, kam die Schliessung nicht überraschend. «Nach dem Konkurs war es schwierig, das Restaurant wieder auf Kurs zu bringen. Einige Stammgäste und gute Lieferanten sind danach abgesprungen», weiss Wolf. Daran, dass im Kanton Zürich ohne Patent gewirtet werden kann, stört sich auch er. «Eine gute Ausbildung wäre schon wünschenswert. Genau so wichtig ist es aber, das Gelernte dann auch richtig umzusetzen und bei Verstössen die Konsequenzen zu tragen», sagt Wolf. Dass die Behörden den Betrieb sofort geschlossen haben, zeige, dass die Kontrollmechanismen greifen würden.

Wie stark der «Fall Bären» Einfluss auf die Restaurantszene in Winterthur hat, kann Wolf schwer abschätzen. «Solche Vorkommnisse sorgen immer für Gerede, stellen die generelle Hygiene in Küchen infrage und schaden somit der Gastroszene. Es kann aber auch eine Chance sein für gute Betriebe, sich abzuheben und zu zeigen, wie man es richtig macht.» Der Gastroverbandspräsident hat aber noch Hoffnung für den «Bären». «Früher war es ein gutes Lokal. Unter den kürzlichen Umständen sollte man aber keinesfalls weiter wirten. Es gilt jetzt, das Restaurant erst wieder zu öffnen, wenn es umfassend saniert und ein neuer vertrauenswürdiger Pächter gefunden worden ist.»

Neuer Pächter in Aussicht

Wie Eigentümer Karl Sax auf Anfrage sagt, ist dies bereits passiert. «Dem alten Pächter habe ich gekündigt und ein neuer ist gefunden.» Da aber noch nichts unterschrieben sei, wolle er sich dazu noch nicht genauer äussern. Auch dazu, was effektiv saniert wird im Restaurant, schweigt Sax noch. Das Kühlaggregat, das offenbar defekt und für das vergammelte Fleisch mitverantwortlich war, habe Sax erst vor ein paar Jahren neu installiert.

Auch wann der «Bären» mit dem neuen Pächter wieder eröffnet wird und welche sonstigen personellen Veränderungen damit verbunden sind, ist noch unklar: «Wir werden zum gegebenen Zeitpunkt informieren», so Besitzer Sax. Im Mai wird die Beiz laut Aushang an der Eingangstüre jedenfalls noch geschlossen bleiben.

*Namen der Redaktion bekannt

Fabrice Dubler