Seit Jahren im Rechtsstreit: Heinrich Schifferle, Robert und Günter Heuberger (v.l).  Archiv
1/1 Seit Jahren im Rechtsstreit: Heinrich Schifferle, Robert und Günter Heuberger (v.l). Archiv
03.10.2019 08:00

Fall Siska gegen Schifferle am Bezirksgericht Winterthur verhandelt

Nach jahrelangem Rechtsstreit steht Heinrich Schifferle vor Gericht. Er soll sich während seiner Tätigkeit als Geschäftsführer bei der Siska Immobilien AG auf Kosten der Firma bereichert haben.

Winterthur Jahrelang schoben sich Heinrich Schifferle und Siska-Präsident Günter Heuberger den schwarzen Peter zu. Nun wird der Fall seit gestern bis und mit heute vor Gericht verhandelt. Schifferle, der Präsident der Schweizer Fussballliga, der bis vor fünf Jahren die Siska Immobilien AG führte und dann von Heuberger entlassen wurde, soll sich über Jahre auf Geschäftskosten bereichert haben. Unter anderem soll er seine Mitgliedschaft in einem Golfclub im Wert von über 25'000 Franken über die Siska abgerechnet haben. Laut Anklageschrift wird ihm zudem zur Last gelegt, Benzinbezüge, eine Autohülle, private Restaurantbesuche und Motorfahrzeugversicherungsbeiträge durch die Firma bezahlt zu haben.

Ausserdem soll Schifferle die Buchhaltung eines Zahnarztes in Winterthur erledigt und im Gegenzug von diesem Zahnbehandlungen erhalten haben. Auch einen Siska-Mitarbeitenden sei von Schifferle für die Buchhaltung beauftragt worden - auf Firmenkosten. Vom Umbau eines Privathauses, das Schifferle mit Firmengeldern mitfinanziert haben soll, und einem ausbezahlten Bonus an eine Baufirma, ist ebenfalls die Rede.

Privatbezüge durch Firma entkräftet

Vor Gericht bestritt Schifferle gestern die meisten Vorwürfe. Die Golfclubgelder seien mit Firmenpatron Robert Heuberger abgesprochen gewesen, da die dortige Mitgliedschaft auch der Pflege von Geschäftsbeziehungen gedient hätte. Auch bezüglich den Treibstoffbezügen gab er an, diese nur für geschäftliche Fahrten von ihm und seiner damaligen Frau getätigt zu haben, verstrickte sich aber gleichzeitig in seinen Aussagen über seine verschiedenen Fahrzeuge und Tankkarten, die er einst besessen hatte.

«Es war alles abgesprochen, nie bereicherte ich mich privat auf Geschäftskosten», sagte Schifferle auch zu den restlichen Vorwürfen. So habe er beispielsweise den Auftrag gehabt, im von ihm betreuten Hotel Banana City zur Qualitätskontrolle regelmässig essen zu gehen. Einzig bei der Bezahlung der Motorfahrzeugversicherung sowie des Autocovers räumte der Beschuldigte ein, dass ihm diese entgangen und irrtümlich von der Siska bezahlt worden sei. «Das hätte nicht passieren dürfen, weshalb ich mich für diesen Fehler entschuldige. Es war aber keine Absicht dahinter», sagte Schifferle der Richterin.

Staatsanwaltschaft fordert mehrheitlich Freisprüche

Die Staatsanwaltschaft fordert zwar in fünf von acht Anklagepunkten einen Freispruch, erhebt aber dennoch Anklage, um den Fall richterlich beurteilen zu lassen. Gefordert ist eine bedingte Freiheitsstrafe von 270 Tagessätzen à 720 Franken sowie eine Busse von 7200 Franken.

Die somit insgesamt 194'400 Franken müsste Fussballliga-Präsident Schifferle also nur bei einer erneuten Straftat bezahlen. Die Siska Immobilien AG fordert ausserdem einen Schadenersatz von 21'109 Franken. Wann das Urteil gefällt wird, war gestern noch nicht bekannt.

Fabrice Dubler