Via Dating-Apps lernte der Mann seine Opfer kennen.  Symbolbild/ fotolia
1/1 Via Dating-Apps lernte der Mann seine Opfer kennen. Symbolbild/ fotolia
09.05.2019 07:35

Falscher Modelagent soll sich mehrfach an jungen Frauen und Mädchen vergangen haben

Ein Mann stellte mehreren jungen, teils minderjährigen Frauen einen Modelvertrag in Aussicht. Bei den Treffen soll er sich an ihnen vergangen und ein Opfer sogar vergewaltigt haben. Am Donnerstag wurde er vor Bezirksgericht verurteilt.

Winterthur Er nutzte den Wunsch vieler Frauen zu modeln als Druckmittel: Ein knapp 40-Jähriger aus der Region Winterthur lernte immer wieder junge Frauen, teils sogar im Schutzalter, via Dating-Apps kennen und gaukelte ihnen vor, über Kontakte zu verfügen, die ihnen zu einer Modelkarriere verhelfen würden. So auch bei seinem ersten Opfer, das T.* im September 2014 kennenlernte.

«Diese Masche kam gut an und ich konnte damit bluffen», sagte er gestern vor Gericht. Mehrere Male soll er mit der Minderjährigen in einen Wald gefahren sein und sie dort zu Sex gezwungen haben. Dafür soll er sie jeweils mit immer höheren Geldbeträgen von 500 bis 2000 Franken bezahlt haben. Der Beschuldigte zeigte sich geständig, betonte jedoch, dass es lediglich zu Oralsex gekommen und dieser nicht erzwungen gewesen sei.

Macht ausgenutzt

Bei einem weiteren Vorfall, der sich am Weihnachtsabend im gleichen Jahr abgespielt hat, soll der Angeklagte eine junge Frau in seinem Auto ebenfalls zu Oralsex gezwungen und sie drei Tage später in einem Hotelzimmer vergewaltigt haben. «Der Verkehr war einvernehmlich und abgemacht. Es war eine Art Sexbeziehung», beteuerte der Familienvater vor Gericht. Bei anderen Opfern soll er nebst dem verlangten Geschlechtsverkehr auch Nacktbilder und Videos gefordert haben, die sie beim Sex zeigen. In den Chatverläufen mit den Frauen schilderte er zudem seine Fantasien, in denen es um sexuelle Handlungen mit fiktiven Kindern oder Angehörigen seiner Opfer ging. Insgesamt waren elf Frauen in über 20 Fällen betroffen.

Dabei nutzte er stets den Vorwand der Modelkarriere als Machtausübung. Offenbar teilweise so sehr, dass sich gewisse Opfer nicht zu einer Anzeige durchringen konnten. Denn wie vor Gericht bekannt wurde, stiess die Polizei und Staatsanwaltschaft erst im Zuge der Ermittlungen auf gewisse Geschädigte. «Ich hatte häufig meinen Verstand ausgeschaltet und begriff erst danach, was ich getan hatte und wie jung die Frauen waren», sagte der aus einem Nachbarland stammende T.

Narzisstisch veranlagt

Obwohl er schon einmal verhaftet und sein Handy beschlagnahmt wurde, setzte er seine Masche mit seinem Geschäftstelefon fort. «Ich war in einem Rausch. Es war eine Sucht und Krankheit zugleich», sagte T. dem Richter. Jedoch habe er niemanden zu etwas gezwungen. Zudem habe seine Ehe in einer Krise gesteckt. Auch der psychiatrische Gutachter kam zum Schluss, dass T. einen Hang zu Narzissmus, eine leichte Persönlichkeits- sowie eine schwergradige sexuelle Störung hat. Seit Februar 2018 sitzt T. nun in Haft und besucht zudem eine Therapie. Sein Verteidiger forderte unter anderem, diese Behandlung anstelle der drohenden Freiheitsstrafe fortzuführen.

Die Staatsanwaltschaft hielt jedoch an ihrer Forderung fest, T. unter anderem wegen mehrfacher Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Pornografie sowie sexuellen Handlungen mit Minderjährigen zu verurteilen. Ihm drohen sechs Jahre Haft, eine ambulante Therapie sowie die Kostenübernahme. Das Urteil fiel am Donnerstagabend.

Strafe milder ausgefallen

Der Richter folgte mehrheitlich den Forderungen der Staatsanwaltschaft und verurteilte T. wegen einfacher Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung, sexuellen Handlungen mit einem Kind und Minderjährigen gegen Entgelt sowie Pornographie. «Auch wenn Sie mit diesen Frauen intim gechattet haben, ist das noch kein Freipass für reale sexuelle Handlungen», sagte der Richter. Der Geschlechtsverkehr im Hotel sei als Vergewaltigung zu werten, da sich die Frau klar dagegen ausgesprochen habe und somit gegen ihren Willen zum Sex gezwungen worden sei. In einem zweiten Fall seien jedoch die sexuellen Handlungen im vorangehenden Chat geplant worden, weshalb dieser nicht als Vergewaltigung gewürdigt wurde. Zudem könne die sexuelle Nötigung in einigen Fällen nicht erstellt werden, da sich für die Opfer (abgesehen vom Nichtzustandekommen der versprochenen Modelverträge) keine Nachteile ergeben hätten, wären sie den Forderungen von T. nicht nachgekommen. Auch dass T. einsichtig gewesen sei und keine grobe Gewalt angewandt hätte, habe sich strafmildernd ausgewirkt.

So reduzierte sich die Freiheitsstrafe auf 56 Monate, von denen der Beschuldigte 442 Tage bereits abgesessen hat. Dazu muss er seinen Opfern rund 30'000 Franken Genugtuung zahlen sowie einen Grossteil der Gerichtskosten und die Entscheidgebühr von mehreren tausend Franken übernehmen. Auch die ambulante Behandlung wurde angeordnet, dank derer das Gericht von einer günstigen Prognose am Ende des Strafvollzugs ausgeht. Von einem Landesverweis sah der Richter ab: «Sie sind ein klassischer Härtefall, da Sie hier aufgewachsen und verwurzelt sind», sagte der Richter.

*Name der Redaktion bekannt

Fabrice Dubler