Patrick und Svenja Hubacher sind dieses Jahr nicht mit den «Eulachschränzern», sondern als «Roboto» und «Mega» unterwegs. Foto: z.V.g.
1/2 Patrick und Svenja Hubacher sind dieses Jahr nicht mit den «Eulachschränzern», sondern als «Roboto» und «Mega» unterwegs. Foto: z.V.g.
Das Sujet des Spende-Pins. Foto: z.V.g.
2/2 Das Sujet des Spende-Pins. Foto: z.V.g.
27.02.2020 11:22

Fasnächtliche Aktion mit Herz vor bewegendem Hintergrund

Seit Jahren sind Patrick und Svenja Hubacher Fasnächtler und Guggenmusiker aus Leidenschaft. Aber ausgerechnet am Winterthurer Fasnachtssamstag vor einem Jahr verloren sie ihre fünf Wochen alte, mit einem Herzfehler geborene Tochter. Aus Dankbarkeit für entgegengebrachte Unterstützung sind sie nun als «Roboto» und «Mega» mit einer Pin-Aktion an der Fasnacht unterwegs.

Winterthur Als Patrick und Svenja Hubacher an der Fasnacht 2018 mit der Winterthurer Guggenmusik Eulachschränzer unterwegs waren, wie bereits rund ein Dutzend Jahre zuvor, konnten sie noch nicht ahnen, dass die für sie bis anhin schönste Jahreszeit künftig eine andere Bedeutung haben würde. Dabei standen die Vorzeichen vorerst gut, dass ein freudiges Ereignis die Fasnachtszeit 2019 beeinflussen könnte. Denn Svenja wurde im Frühling schwanger. Die grosse Vorfreude wurde im Herbst 2018 aber jäh getrübt.

Die niederschmetternde Diagnose

«Es war für uns eine Hiobsbotschaft, als wir erfuhren, dass für unsere ungeborene Tochter im fünften Schwangerschaftsmonat ein schwerer Herzfehler diagnosziert wurde», erinnert sich Patrick Hubacher. Dass sie an einem «Hypolplastischen Linksherzsyndrom» (HLHS) erkrankt war, bedeutete nichts anderes, als dass sich im kleinen Körper nur eine funktionierende rechte Herzhälfte entwickelt hatte. «Im Normalfall würde dies nach der Geburt zum sofortigen Tod führen. Wir mussten uns entscheiden, das Kind überhaupt lebend und mit einer winzig kleinen Überlebenschance zur Welt zu bringen und wenn ja, es danach sofort zu operieren», sagt Svenja Hubacher. Sie entschied sich zusammen mit ihrem Mann für die sogenannte «Norwood Therapie», die im Falle der am 3. Februar 2019 Geborenen zu insgesamt drei Operationen führte. «Dies, weil Komplikationen aufgetreten waren, auch aufgrund der hochdosierten Medikamente, was schliesslich mit zum Tod geführt hatte», so Patrick Hubacher.

Frühzeitige Unterstützung

Bis zum Hinschied der kleinen Emilia Alena hatte das Paar von der Hoffnung gelebt, «und dennoch hatte vor allem ich mich bereits früh mit allen Szenarien auseinandergesetzt», erzählt der 43-Jährige. So wurden die werdenden Eltern schon vor der Geburt von Institutionen, wie «Fontanherzen Schweiz», einem Verein, der sich explizit nur um das Umfeld von Eltern kümmert, deren Kind nur eine Herzkammer hat, unterstützt.

«Space Dream - Look to the Stars» als passendes Motto

Mit dem Verein Herzensbilder stand den Hubachers auch die Organisation von Kerstin Birkeland nah. Die Vereinsgründerin und Präsidentin bietet kostenlos professionelle Fotogeschichten von schwer erkrankten Kindern an und lässt die gefertigten Herzensbilder Botschaften sprechen, die von Verbundenheit, Tapferkeit und Liebe geprägt sind. «Obwohl uns in der schweren Zeit unzählig viele Personen, das Personal des Kinderspitals Zürich und Organisationen betreuten, haben wir uns entschlossen, primär den beiden Vereinen «Herzensbilder» und «Fontanherzen Schweiz» ein Jahr nach dem Tod unserer Tochter etwas zurückzugeben», sagt Patrick Hubacher. Dass sie zumindest diese Jahr in der Guggenmusik aussetzen werden, war dem Paar schon länger klar. Ganz auf die Fasnacht wollten sie dennoch nicht verzichten. «Wir mussten nicht lange nach einer Verbindung eines Fasnachtsmottos mit unserer zu den Sternen zurückgekehrten Tochter suchen, zumal wir einst beide riesige Fans des Winterthurer Erfolgsmusical Space Dream waren», verrät Svenja Hubacher. Unter dem Motto «Space Dream – Look to the Stars» schneiderte die 38-Jährige die zu den beiden Hauptfiguren «Roboto» und «Mega» passenden Kostüme. Gleichzeitig kümmerte sich ihr Partner um die Pins, die sie ab morgen auch an der Winterthurer Fasnacht «zu einem frei zu wählenden Preis irgendwo zwischen 10 und 50 Franken», verkaufen werden. Deren Erlös wird den erwähnten Vereinen überwiesen, «so dass auch in Zukunft Eltern mit ähnlichen Schicksalsschlägen, wie wir einen erlebten, so liebevoll und kompetent unterstützt werden können.» Unterstützung betreffend der Pin-Herstellung erhielten sie denn auch von Alain Bazzotti, einem Guggenmusik-Kollegen und Werbefachmann. 60 Stück hatten sie hergestellt, ein beträchtlicher Teil davon konnten sie an der Schaffhauser Fasnacht, aber auch an närrischen Anlässen in Sirnach und Frauenfeld bereits verkaufen.

Am Guggen- und grossen Umzug

«Unsere Aktion stösst auf grosse Akzeptanz. Nicht nur einmal hörten wir, dass Fasnächtler eben doch nicht nur saufen und dumme Sprüche reissen könnten, sondern auch viel Freude vermitteln, die auch solchen weitergegeben werden soll, die nichts zu lachen haben», freuen sich Patrick und Svenja Hubacher über die positiven Reaktionen und entwarnen auch gleich: «Keine Angst, für alle, die am Winterthurer Guggencorso am Samstag oder am grossen Umzug mit dem Kauf die beiden Vereine unterstützen wollen, werden wir noch genügend Pins dabei haben.»

Und wenn Roboto und Mega in einer Nachtschicht während der Winterthurer Fasnacht im Lichte eines funkelnden Sterns mit Herzblut noch weitere Plaketten nachproduzieren müssen.

George Stutz