Kaspar Bopp (SP) hat im «Goldenberg» ein erstes Resumee gezogen. Foto: Michael Hotz
1/1 Kaspar Bopp (SP) hat im «Goldenberg» ein erstes Resumee gezogen. Foto: Michael Hotz
13.02.2020 08:00

Finanzvorsteher Kaspar Bopp versprüht viel Optimismus

Gut 100 Tage ist Kaspar Bopp nun Winterthurer Finanzstadtrat. Sein erstes Resümee fällt sehr positiv aus. Das drohende Finanzloch war nur am Rande Thema seiner Ausführungen.

Winterthur Seit die zurückgetretene Finanzstadträtin Yvonne Beutler (SP) im Oktober das Budget 2020 und mit ihm den Finanz- und Aufgabenplan präsentiert hat, schwebt das drohende Finanzloch wie ein Damoklesschwert über der Stadt. Denn Winterthur kommen wohl finanziell düstere Zeiten zu. Für 2023 wird ein Defizit von rund 50 Millionen Franken prognostiziert, für die Vorjahre sind die Aussichten ebenfalls nicht gut, wenn auch nicht ganz so dunkel. Kaspar Bopp, der das Finanzdepartement von seiner Parteikollegin Anfang November übernahm, hatte an der Medienorientierung im Oktober über Beutler ausrichten lassen, dass er wisse, worauf er sich einlasse, und sich trotzdem freue.

Sparen als Winterthurer Identität

Seinen Optimismus hat der Finanzvorsteher bis jetzt nicht verloren. Auf die befürchteten Verluste in den kommenden Jahren ging Bopp beim traditionellen Zwischenfazit nach 100 Tagen nur zu Beginn seiner Ausführungen vor den Medien ein: «Von Bekannten von ausserhalb der Stadt werde ich oft nur auf zwei Dinge angesprochen. Wie ich gestartet sei, und wie es um die Finanzen stehe.» Was er davon hält, beantwortete er dann gleich, indem er anfügte: «Es ist schade, dass Sparen für Winterthur so zur Identität geworden ist.» Die Stadt habe doch viel mehr zu bieten als das Finanzloch. «Warum werde ich nicht zur lebendigen Steinberggasse mit dem Wochenmarkt, befragt? Oder den Kurzfilmtagen? Oder den Musikfestwochen?», fragte er rhetorisch. Und befand dann gleich, dass der Stadtrat den Reichtum von Winterthur besser nach aussen tragen müsse.

Kaspar Bopp strich dann auch noch heraus, dass es für ihn ein grosses Privileg sei, als Stadtrat zu wirken. Von seinem Stab sei er sehr gut aufgenommen worden. Man sei im Team mittlerweile eingespielt, die Abläufe seien klar. «Darüber bin ich sehr, sehr glücklich.» Dies ist nicht ganz so selbstverständlich, so musste der Finanzvorsteher bei Amtsantritt die beiden Positionen der Stadtratsassistenz ersetzen, weil die vorherigen zwei Mitarbeitenden das Departement verlassen hatten. Weiterhin vakant ist der Posten der Finanzamtsleitung. Reto Stuppan verlässt die Stadt Ende Februar nach nur einem Jahr im Amt. Das Bewerbungsverfahren für seine Nachfolge laufe, sagte Bopp dazu.

Klar, grün und sozial

Seine weiteren Ausführungen teilte er in die drei Versprechen seines Wahlkampfs ein: klar, grün und sozial. Klarheit fordert Bopp in der Kommunikation: «Wir leben eine offene Gesprächskultur. Was ich sage, denke ich auch.» Um schnellere, automatischere und flexiblere – sprich bessere – Reportings liefern zu können, sollen die veralteten Finanzsysteme durch moderne ersetzt werden. Dies erlaube aussagekräftigere Berichte zuhanden der Verwaltung und des Gemeinderats, so der studierte Informatiker.

«Grün» kommt hauptsächlich bei den Immobilien zum Zug, die vom Finanzdepartement verwaltet werden. Die städtischen Liegenschaften werden möglichst energetisch saniert, um den Energieverbrauch beim Heizen zu minimieren. Als Beispiel nennt Bopp etwa die neue Pelletheizung in der Mörsburg. Bei der städtischen Fahrzeugflotte, die ebenfalls sein Departement zur Verfügung stellt, setzt Bopp stärker auf Elektrowagen. «Drei von vier Fahrzeugen sind elektronisch.» Zudem hob der Finanzvorsteher hervor, dass der Bauernhof Eschenberg auf bio umgestellt habe. Damit ist die Hälfte der sechs städtischen Landwirtschaftsbetriebe Biohöfe.

Auch den sozialen Teil seines Wahlslogans habe er umsetzen können. Nämlich, indem Bopp bereits acht der möglichen zehn Millionen Franken an zinsfreiem Darlehen an Genossenschaften gewährt hat. «Die ausstehenden zwei Millionen sind bereits aufgegleist», fügte er an.

Fürsprecher des Personals

Wie bereits im Wahlkampf gab sich Bopp bei seinem 100-Tage-Resümee mehr als verständnisvoller Leader seiner Mitarbeitenden denn als Befehlshaber der alten Schule. So bezeichnete er die vom Gemeinderat zusammengekürzten Lohnerhöhungen fürs Stadtpersonal als erlittenen Einbruch, den er bedauere. «Die Budgetdebatte im Parlament schlägt bei den Angestellten jeweils auf die Stimmung.» Dennoch seien die Mitarbeitenden hochmotiviert und gut qualifiziert. Doch es fehle manchmal am Mut: «Sie wollen und können, aber beim Dürfen muss ich sie noch etwas unterstützen.»

Michael Hotz