Beim Podium kamen verschiedene Ansätze zur Sprache.  duf
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Wie die Altstadt attraktiv und belebt bleibt, stand im Fokus der Podiumsdiskussion.  duf
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31.10.2019 08:00

Gewerbe debattierte über die Zukunft der Innenstadt

Wie eine Befragung der Gewerbler zeigt, sind die Winterthurer Ladenbesitzer grundsätzlich zufrieden. Dennoch stellen sich ihnen einige künftige Herausforderungen, für die es keine Patentlösungen gibt. An einem Podium wurden diese am Dienstag diskutiert.

Winterthur Wie bleibt die Altstadt attraktiv? Wie verhindert man leere Ladenflächen? Und wie kann das Kleingewerbe in Nebengassen der Abwanderung in den Online-Handel begegnen? Solche und ähnliche Fragen diskutierten am Dienstagabend Grundeigentümer, Detailhändler, Anwohner und Vertreter aus Politik, Standortförderung und Immobilienbranche in der alten Kaserne. Basis dafür war eine Umfrage bei 73 Detailhändlern und 100 Grundeigentümern der Altstadt, welche die City Vereinigung zusammen mit dem House of Winterthur vor den Sommerferien in Auftrag gegeben hatte.

Positive Grundeinstellung

Vor allem die Vielfalt der Altstadt wird beidseitig geschätzt. Gleichwohl sehen Detailhändler wie auch Grundeigentümer diese Vielfalt durch den Einzug grosser Ladenketten in Gefahr. Uneinigkeit herrschte hingegen bei den Zahlen: Während einige Detailhändler eher tiefere Umsätze und steigende Mieten befürchten, glaubt die Mehrheit der Grundeigentümer an eine Senkung der Mietpreise. Auch beim Thema Verkehrsanbindung und Begrünung der Fussgängerzonen schieden sich die Geister einmal mehr. Der Grundtenor der Befragten vermittelte jedoch ein positives Gesamtbild.

Auch im eingespielten Film, der Werbevideo-Charakter aufwies, sprachen die befragten Altstadtladenbesitzer von einem erfolgreichen Jahr und einer positiven Zukunft. Dass die Situation in Winterthur durchaus stabil ist, bestätigte auch Immobilienspezialist Fredy Hasenmaile. Obwohl in den letzten drei Jahren jeder fünfte Grundeigentümer einen durchschnittlich neunmonatigen Leerstand zu verzeichnen hatte, steht Winterthur diesbezüglich gut da: «Das ist wenig und es gibt aktuell kaum Leerstände in der Altstadt. Die Mieten werden künftig eher sinken.» Gleichzeitig dürfe der Druck des Online-Handels nicht unterschätzt werden. Nur rund zehn Prozent der Detailhändler in der Altstadt machen zurzeit ihre Umsätze im Internet. Dass die Angst vor Einbussen aufgrund des Internet-Shoppings real ist, bestätigte auch ein Ladenbesitzer im Publikum.

Exklusivität der Altstadt wahren

Zur Debatte stand zudem, wie die Attraktivität auch für die etwas tief frequentierteren Ladengeschäfte in Nebengassen gesteigert werden kann. «Indem Märkte und andere Events genau in solchen Zwischengassen stattfinden, wird dem Rechnung getragen», sagte Stadtpräsident Michael Künzle dazu. Eine Umleitung der Fussgänger von der Marktgasse wäre hingegen vermessen. Eine Patentlösung für die kommenden Herausforderungen gebe es ohnehin nicht, war man sich einig.

Konflikte und Wandel gab es immer und würde es immer geben, so Künzle weiter. Wo ein Einkaufscenter steht, werden Leute angelockt. Gleichzeitig aber auch Altstadtgeschäfte konkurrenziert. «Deshalb muss man abschätzen, wie viele solcher Center die Stadt noch verkraftet. Die Innenstadt sollte verteidigt werden und eine gewisse Exklusivität geniessen», warnte Paul Hasler von Netzwerk Altstadt.

Kundenbindung dank Innovationen

Doch auch Ansätze wurden diskutiert. Sich abheben, dem Kunden ein exklusives Erlebnis bieten, lauteten etwa die Zauberwörter. «Es braucht Innovationen, die sich an die Bedürfnisse der Kunden anpassen und die sie online nicht befriedigen können», meinte Ökonom Hasenmaile. Gerade in Winterthur, wo kaum Konkurrenzdenken spürbar sei, müssten die Ladenbesitzer zusammenspannen und Synergien nutzen.

So lancierte etwa die Stadt St.Gallen den City Messenger, eine App, mit welcher die Altstadtgeschäfte Aktionen und Events bewerben und so potenzielle Käufer in die Stadt locken sollen. Auch Winterthur plant mit dem Online-Marktplatz eine ähnliche Plattform. Geschäfte, die kaum auf eine Online-Präsenz setzen können, sollen so unterstützt werden. Der Widerspruch, dass man mit der geplanten Online-Bestellung und Heimlieferung Kunden wiederum vom Einkauf in der Altstadt fernhält, wollte Remo Cozzio, Präsident der Jungen Altstadt, noch nicht kommentieren. «Das Projekt ist noch nicht definitiv. Wir wollen den Mitgliedern bei der digitalen Präsenz unter die Arme greifen. Wie dies dann genutzt wird und ankommt, wird sich zeigen.»

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