Für die Aufnahme in die Hettlinger Kindertagesstätte Lundy besteht schon seit Jahren eine Warteliste. Foto: Michael Hotz
1/1 Für die Aufnahme in die Hettlinger Kindertagesstätte Lundy besteht schon seit Jahren eine Warteliste. Foto: Michael Hotz
23.05.2019 08:00

Hettlingens Kita und Hort fehlen seit Jahren Plätze

Seit längerem bestehen für die Kinderbetreuung in Hettlingen Wartelisten. Darum fordert eine neugegründete IG eine fortschrittlichere Familienpolitik von der Gemeinde. Lösungen soll ein Gesamtkonzept liefern.

Hettlingen Ein Beitrag in der «Hettlinger Zytig» von Schulpräsident Markus Nef im November 2018 brachte den Stein ins Rollen. Unzufriedene Hettlinger antworteten im März mit einem Leserbrief im Dorfblatt, unterzeichnet von 53 Personen. Sie sind der Meinung: Hettlingen ist nicht so familienfreundlich, wie sich die Gemeinde gibt. In der gleichen Zeit gründete sich die Interessengemeinschaft Pro*Hettlingen, in der sich Familien vernetzen, um das Thema Familienpolitik zu unterstützen und gemeinsam voranzutreiben. 56 Personen gehören ihr an.

Auslöser für dieses Engagement ist, dass seit einigen Jahren zu wenige Betreuungsplätze in Kita und Hort der Primarschule bestehen. Martina Vogt, Leiterin der privaten Kindertagesstätte Lundy und eine der vier Hauptinitiatorinnen der IG, sagt: «Auf unserer Warteliste stehen im Schnitt zehn Familien pro Jahr.» Sie erhalte immer wieder Anrufe von möglichen Neuzuzügern, die sich nach einem Kita-Platz erkundigen würden. «Wenn ich ihnen keine Garantie geben kann, ziehen sie auch nicht nach Hettlingen.» IG-Mitinitiatorin Jane Wakefield kritisiert diesen Umstand: «Man kann nicht die Attraktivität des Dorfs steigern und gleichzeitig die Infrastruktur nicht dafür bereitstellen.» Das Problem bestünde schon länger und werde künftig wohl noch grösser. Laut Martina Vogt haben bereits vor einigen Jahren Gespräche wegen zu wenig Betreuungsplätzen mit dem Gemeinderat stattgefunden. «Sie sind aber wieder versandet.»

Evaluation ergab keine Lösungen

Gemeindepräsident Bruno Kräuchi bestätigt diesen Austausch: «An der Zukunftskonferenz 2017 hat sich aus den damaligen Schwerpunkten die gebildete Arbeitsgruppe Zukunftsorientierte Schule/Betreuung aufgelöst respektive den Prozess nicht bestritten.» In der Arbeitsgruppe seien auch Unterzeichner des Leserbriefs gewesen. Weil auch für den Gemeinderat die Situation mit den Wartelisten in der Tagesstruktur keine neue sei, habe die Schulpflege eine Schulraumevaluation in Auftrag gegeben und verschiedene Umsetzungsvarianten geprüft.

Verhältnismässige Lösungen in der bestehenden Infrastruktur wurden noch keine gefunden. Deshalb wurde die Prüfung weitergehender Ausbauvarianten Ende 2018 in Auftrag gegeben. Gemäss Bruno Kräuchi ist eine der Schwierigkeiten, dass sich der Platzbedarf nur schwer abschätzen lässt. «Er verhält sich nicht linear zu den Geburten- und Schülerzahlen oder zu Zu- und Wegzügen von Kindern. Der Platzbedarf ist von Familienstrukturen abhängig und unterliegt den gesellschaftlichen Veränderungen.» Auch würden Kinder teilweise ausserhalb Hettlingens betreut. Dazu kommt: «Ein politischer Prozess bedingt einen Austausch mit der Bevölkerung», so Bruno Kräuchi. Konkret: Ein Dialog brauche seine Zeit.

Neuer Anlauf mit Gesamtkonzept

Auf Austausch setzt der Gemeinderat auch in nächster Zeit. Er hat Mitte Mai einen Kredit über 57'000 Franken genehmigt, mit dem ein Gesamtkonzept Kita/Tagesstruktur erstellt werden soll. Das Ziel ist gemäss aktuellem Verhandlungsbericht eine «allgemeinverträgliche, tragbare und verhältnismässige Lösung für alle Organisationen».

Dafür wird eine Steuergruppe mit Personen aus Behörde, Primarschule, Tagesstrukturen, Kita und der IG Pro*Hettlingen eingesetzt, die von Zürcher Planungsunternehmen Basler & Hoffmann begleitet wird. Gemäss dem Gemeindepräsidenten findet deren erste von insgesamt vier Sitzungen Anfang Juni statt. Der Schlussbericht wird im Herbst erwartet.

Idee einer Tagesschule

Bis dahin sind also keine kurzfristigen Lösungen absehbar. Martina Vogt und Jane Wakefield werten die Genehmigung des Gesamtkonzepts dennoch als ersten Teilerfolg. «Wir haben dafür gesorgt und werden dies weiter tun, dass dieses Thema oben auf der Prioritätenliste bleibt», sagt die Kita-Leiterin. Die IG werde sich weiter für die Vereinbarung von Familie und Beruf einsetzen. Dafür haben die beiden Hauptinitiatorinnen schon konkrete Vorschläge. «Unsere Idealvorstellung ist eine Kita und und Tagesschule unter einem Dach. Oder künftig gar eine Tages schule», nennt Jane Wakefield ein Beispiel. Martina Vogt begründet: «So könnten viele Synergien genutzt werden. Etwa bräuchte es dann nur einen Koch, der für alle Kinder kocht.» Bruno Kräuchi will auf diesen Vorschlag noch nicht eingehen: «Das ist Gegenstand der Prüfung durch die eingesetzte Steuergruppe», so der Gemeindepräsident.

Auf die Gemeinde Hettlingen und ihre Bevölkerung kommen also noch einige Gespräche über das Angebot für die Kinderbetreuung zu.

Michael Hotz