Zum dritten Mal findet die Jungkunst nun in der Halle 53 statt. Foto: Michael Hotz
1/1 Zum dritten Mal findet die Jungkunst nun in der Halle 53 statt. Foto: Michael Hotz
24.10.2019 06:50

Jungkunst ist so welsch wie noch nie

Ab heute Donnerstag ist in der Halle 53 vier Tage lang Jungkunst. Der Event zieht immer mehr Kunstschaffende aus der Romandie an, aber auch ein Einheimischer stellt aus.

Winterthur Die Jungkunst wird mittlerweile als schweizweiter Event wahrgenommen. Kunstschaffende aus allen Landesteilen wollen am viertägigen Anlass in der Halle 53 teilnehmen. So waren unter den 220 Bewerbungen für die diesjährige Ausgabe von heute Donnerstag bis Sonntag viele Eingaben aus der Romandie, wie die Co-Präsidentin Katja Baumhoff am Pre-Opening letzten Montag offenbarte: «Dort gibt es starke Kunsthochschulen.» Das spiegelt auch die nun getroffene Auswahl der Künstlerinnen und Künstler wider. 9 von 23 Kunstschaffenden stammen aus der Welschschweiz.

Für das vierköpfige Kurationsteam bedeutete dies lange Zugreisen. Denn die Mitglieder der Jury besuchten alle der rund 40 Kunstschaffenden, die es in eine erste Auswahl geschafft hatten, in ihren Ateliers. In erster Linie wird dann gemäss Co-Präsident Martin Landolt auf die Qualität der Kunst geschaut. Die Vielfalt an verschiedenen Kunstwerken sei eher ein sekundäres Kriterium.

Kunst als Spiegel der Gesellschaft

Verstärkt vertreten sei an der Jungkunst 2019 wieder die Malerei, so Landolt. Aber auch trendige Darstellungsformen wie Installationen und Performances sind zu finden. Wobei die Grenzen bei einzelnen Kunstwerken verschwinden, oft werden mehrere Sparten angeschnitten, wie Baumhoff am Montag anmerkte. «Die Kunst ist immer ein Spiegel der Gesellschaft.»

Gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen auch Luca Harlacher in seinem Schaffen. Der einzige Winterthurer Vertreter an der Jungkunst stellt optisch überladene Bilder und Objekte aus, die schnell eine Reizüberflutung suggerieren. «Ich fühle mich täglich damit konfrontiert. Wenn ich diese Überflutung nicht überwinden kann, dann will ich wenigstens dazu tanzen», sagt Harlacher. Sein künstlerisches Wirken sei gewissermassen ein therapeutischer Prozess.

Jungkunst ist ein Happening

Die diesjährige Jungkunst rundet wie üblich ein üppiges Rahmenprogramm ab. Die Stadtzürcher Rockband Tim Freitag spielt am Donnerstag, am Freitag hat die hiesige Rapperin Big Zis ihren Auftritt. Der Berner Act King Pepe & The Queens gibt am Samstag ein Konzert. Das Duo Badumts, eine Legende der Winterthurer Impro-Szene, zeigt an allen vier Tagen Theatersport. Täglich performen zudem der St. Galler Mirko Kircher und der Berner Moritz Tobler als «Sonicdream». Samstag und Sonntag ist das lokale Radio Stadtfilter mit einer Live-Sendung vor Ort.

Diese Fülle an vielfältiger Kunst in ungewöhnlichem Rahmen ist für Co-Präsident Landolt auch das Erfolgsrezept des Happenings Jungkunst: «Wir legen viel Wert auf die Atmosphäre. Kunst muss nicht immer nur steif an einer weissen Wand hängen.» Im Zentrum stehe das Gesamterlebnis, dieses beginne schon im Eingangsbereich. Dieses Jahr werden die Besucher von in Blautönen gehaltenen Erdmännchen empfangen.

Michael Hotz