Benjamin Signer des Institur für Ernährungsdiagnostik hilft mir, mich in der veganen Welt zurechtzufinden.
1/2 Benjamin Signer des Institur für Ernährungsdiagnostik hilft mir, mich in der veganen Welt zurechtzufinden.
Marina
2/2 Marina
09.05.2019 07:30

Kein Fleisch, keine Milch, keine Eier: Einen Monat vegan - der Selbsttest

Pflanzen statt Fleisch, Früchte statt Kuchen? Unsere Redaktorin Marina wagt den Selbsttest: Einen Monat lang ernährt sie sich vegan. Zuvor wird sie jedoch vom Experten auf Herz und Nieren geprüft.

In eigener Sache Veganer haben ja oftmals keinen so guten Ruf. Sie werden für Spinner, Spassverderber, Ökofreaks oder anstrengende Besserwisser gehalten. Man sagt Veganern nach, sie wollen ihre Mitmenschen bekehren, ihre Lebens- oder Ernährungsweise zu übernehmen. Und dies nicht unbedingt unaufdringlich. Ich muss zugeben, auch ich habe mich schon das ein oder andere Mal von diesen Vorurteilen blenden lassen. Mich vegan zu ernähren, wäre mir niemals in den Sinn gekommen. Auf Fleisch könnte ich ganz gut verzichten. Aber keinen Schoggikuchen mehr? Kein Mozzarella? Kein Parmesan über den Spaghettis und keine Sushis? Viel zu viel Einschränkung für mich.

Das Thema Veganismus drängt sich jedoch immer mehr in den Vordergrund. Das Angebot in den Geschäften nimmt stetig zu, die Medien berichten über den veganen Lifestyle und vegane Blogger auf Socialmedia gibt es heute wie Sand am Meer. Ob ich nun wollte oder nicht - an mir ging dieses Thema nicht spurlos vorbei. Ich begann, mir Gedanken über diese Ernährungsweise zu machen.

Grosses Herz für Tiere

Obwohl ich selber nicht oft Fleisch esse, würde ich mich keineswegs als Vegetarier bezeichnen. Eher als «bewusster Fleischesser» oder wie man so schön sagt, als «Flexitarier». Die Tiere, die ich esse, sollten immerhin ein schönes Leben gehabt haben. Das riesige Leid jedoch, das Nutztiere auch für unsere Milchprodukte erfahren, und die brutale Massentierhaltung habe ich jeweils erfolgreich verdrängt.

Irgendwie lässt sich dieses Verhalten aber nicht mit meiner Liebe zu Tieren vereinbaren. Deshalb kam irgendwann auch bei mir der Punkt, an dem ich nicht mehr wegschauen konnte - und wollte.

Der Selbsttest nimmt Form an

Aus einem anfänglichen Hirngespinst wurde irgendwann und irgendwie ein Projekt. Ich mache es jetzt einfach und wage den Selbsttest. Ich werde mich einen Monat lang komplett vegan ernähren. Die Reaktionen meiner Arbeitskollegen nach meiner euphorischen Verkündung sprachen Bände. Mit hochgezogenen Augenbrauen sahen sie mich an: «Du weisst aber schon, dass Schoggi und Kuchen nicht vegan sind?» Jaja. Einen Monat werde ich wohl darauf verzichten können. Die zweifelnden Blicke der Jungs lösen bei mir Ehrgeiz aus. Denen werde ich es zeigen!

Damit ich das Experiment auch kompetent umsetzen kann, hole ich mir Hilfe vom Experten: Benjamin Signer, auch «Mr. Veg» genannt, ist Ernährungsdiagnostiker beim Erpse-Institut in Winterthur und führt mich ein, in die Welt der veganen Ernährung.

Die Batterien sind bald leer

Anhand diverser Tests analysiert Benjamin meinen psychologischen und physiologischen Zustand. Die Methode des Erpse-Institut verfügt über einen ganzheitlichen Ansatz und bildet die modernste Form der Ernährungsberatung. Natürlich nicht nur für Veganer. Die Mitarbeitenden der Erpse kennen sich in allen Bereichen der Ernährung bestens aus. Denn die richtige Ernährung trüge massiv zu unserem Wohlbefinden und unserer Lebensqualität bei, meint Benjamin. Eigentlich nichts Neues für mich, dennoch gerät dieses Wissen immer wieder in den Hintergrund - vor allem dann, wenn der Bauch knurrt.

Nach der Aufnahme der Anamnese bemisst Benjamin meinen Körperfettanteil und die allgemeine Zusammensetzung meines Körpers. Anhand eines Fragebogens wird mein Stresslevel eruiert und anschliessend verkabelt mich Benjamin an eine Maschine, die den Zustand meiner Zellen verrät. Und die sehen gar nicht gut aus. Ich muss zugeben, ein bisschen geschockt war ich ob dieser Diagnose schon. «Ich würde sagen, du funktionierst eher wie eine Migros Budget-Batterie, statt wie ein Duracell-Häsli», meint Benjamin scherzend. Obwohl ich meinte, mich eigentlich nicht allzu ungesund zu ernähren, machte ich anscheinend dennoch etwas falsch. Laut Benjamin würde ich wohl zu wenig essen. Und zur falschen Zeit. Morgens zu wenig, abends zu viel - das übliche Problem vieler.

Gemeinsam besprechen wir nun den veganen Ernährungsplan, den Benjamin für mich zusammengestellt hat. In den nächsten vier Wochen werde ich also nicht nur vegan, sondern auch mehr essen müssen.

Alles eine Frage der Disziplin

Mit dem Ziel, meine Zellen wieder hüpfen zu lassen wie das «Duracell-Häsli» starte ich nun motiviert in meinen veganen Monat. Bestimmt wird meine Disziplin das ein oder andere Mal auf die Probe gestellt, doch ich bin diesen Deal mit mir selber nun eingegangen, jetzt hab ich den Salat - wortwörtlich.

In einem Monat werde ich mich erneut in Benjamins Hände begeben, um zu schauen, ob und was sich verändert hat. Und wie ich mich bis dahin schlage, lesen Sie in den nächsten Ausgaben der Winterthurer Zeitung.

Marina Persano