Marcel Werner auf seiner selbst umgebauten Harley Davidson Sportster aus dem Jahr 1974.
1/1 Marcel Werner auf seiner selbst umgebauten Harley Davidson Sportster aus dem Jahr 1974.
20.02.2020 07:00

Kein gewöhnlicher Motorradfahrer

Marcel Werner aus Winterthur pflegt in seiner Freizeit eine spezielle Leidenschaft. Er schraubt gerne an Motorrädern herum, bis er mit seinem Modell gar zur Swiss Moto Messe eingeladen wird. Schon bei der letzten Messe erreichte er mit seiner umgebauten Harley Davidson den 4. Platz.

Winterthur Alles, was er sich in den Kopf setzt, möchte er umsetzten. Egal, wie verrückt die Ideen sind. So beschreibt sich der 43-jährige Familienvater zweier Kinder selbst gerne. Beim Umbau seines Motorrads ist es ihm gelungen. Wie schon sein Grossvater, ist auch Marcel Werner ein richtiger «Chlütteri». «In unserer Familie wurde dieses Gen irgendwie weitergegeben. Etwas zusammenzubasteln oder zusammenzuschweissen macht einfach Spass und ich sehe das Ergebnis.» Das Wissen, das der heutige Verkaufsingenieur sich über die Jahre angeeignet hat, hat bereits in seiner Kindheit beim «Töffliflicken» mit seinem Vater Wurzeln geschlagen und liess ihn nie mehr los.

Endlich ein Ort zum Rum-schrauben

Es riecht nach Farbe und Lack. Und da steht sie, die schwarz glänzende Maschine. Das umgebaute Einzelstück, eine Harley Sportster XLCH 1000 aus dem Jahr 1974. Das Original des Models ist nicht mehr erkennbar. Zu viele Dinge hat Marcel Werner daran geändert. Ob der Auspuff, der Lenker, die Reifen oder der kleine Ledersitz. Alles hat Werner an dieser Maschine selbst angebracht, zusammengeschraubt und zusammengeschweisst, die an der Swiss Moto Messe vielleicht den Sieg erringen wird. «Ich mache mir da nicht zu viele Hoffnungen. Es gibt viel zu verrückte Sachen, also solch verrückte Maschinen, dass meine schon fast nicht mehr auffällt», so der eingefleischte Harley-Fan. Obwohl Marcel Werner von sich sagt, dass er es auf der Strasse lieber schnell hätte. Deshalb besitzt er auch noch zwei Strassenmaschinen, eine Aprilia und eine KTM.

Lange hat Marcel Werner in der Garage zuhause an seiner Maschine rumgeschraubt, bis er durch alte Bekannte die Möglichkeit hatte, sich in einer Werkstatthalle in Wängi TG einzumieten, in der ihm ein kleiner Teil von ein paar Quadratmetern völlig ausreicht. «Zuhause war das nicht so angenehm. Im Winter wird die Garage jeweils eisig kalt und im Sommer herrschen da drin gefühlte 50 Grad.»

Nun kann er an seiner Harley, die es so nur einmal auf der ganzen Welt gibt, zu jederzeit herumschrauben. «Ich kann auch bis tief in die Nacht arbeiten, das stört hier niemanden.» Natürlich muss er sich bei seinem «Customizing» auch an Richtlinien halten. «Allein für das Vorführen des Lenkers habe ich bestimmt 400 Franken hingelegt.» Bei den Auspüffen müsse er es nicht so extrem haben, wie andere. «Mit dem Strassenverkehrsamt oder der Polizei kann man da schnell Probleme bekommen, obwohl Harley-Fahrer ja eher als gemütliche Typen einzuordnen sind.» Mit seinen Strassenmaschinen ist Werner weitaus schneller unterwegs und will mit den Knien auch den Boden berühren, wie er selbst sagt.

Wie im Beruf, so auch bei den Maschinen gespalten

Wie bei seinen Motorrädern, so bewegt sich Marcel Werner auch im Beruf gerne in zwei Welten. Wenn er im Aussendienst tätig ist, trägt er Schlips und Anzug und kann aus seiner Zeit als Servicetechniker bei Honeywell aber auch mit den Händen anpacken. Ein Anzugträger, der keine zwei linken Hände hat. «Ich liebe diese Abwechslung, mal so und mal so.» Das Wissen, das er sich als Junge beim «Chlüttern», aber auch später im Bereich der Haustechnik aneignete, hilft ihm heute bei seinen Motorrädern. Denn wer die bis ins kleinste Detail verarbeitete Maschine von Marcel Werner sieht, könnte meinen, dass er ein Töff Mechaniker oder Harley-Davidson Fachmann ist. Und mit genau dieser Maschine möchte er an der diesjährigen Swiss Moto Messe ab dem 20. Februar im Bereich von Harley-Davidson Maschinen gross auftrumpfen. «Wenn ich nicht gewinne, ist mir das völlig egal. Auch als Verlierer werde ich sehr viele Rückmeldungen bekommen.» Zudem seien es wohl hunderte Augen, die während der Messe seine Maschine erblicken, was ihm schon Ehre genug sei.

Nicht nur Motorräder im Kopf

Wenn Marcel Werner nicht bei seinen Motorrädern oder bei seiner Familie ist, geht er auch gerne joggen und wandern. Mit Kumpels unternimmt er auch Skitouren. In jeder Hinsicht will er stets in Bewegung und aktiv bleiben. «Ich glaube deswegen habe ich auch eine positive Lebenseinstellung. Wer nur sitzt, bleibt auch im Kopf sitzen.»

Luca Da Rugna