2016 traf der FC Seuzach im Schweizer Cup auf den GCZ. Bis auf ein paar Pyros blieben die Fans friedlich. mpe
1/2 2016 traf der FC Seuzach im Schweizer Cup auf den GCZ. Bis auf ein paar Pyros blieben die Fans friedlich. mpe
Andraes Mösli und Martin Freuler
2/2 Andraes Mösli und Martin Freuler
07.11.2019 07:01

Kein Platz für Fan-Gewalt beim erwarteten Fussballfest

Am kommenden Freitagabend empfängt der FC Winterthur in der 14. Runde der Challenge League die Grasshoppers. Auch wenn gewaltbereite Anhänger der Stadtzürcher in der Vergangenheit immer wieder für negative Schlagzeilen sorgten, so freut man sich beim FCW primär auf ein Fussballfest.

Winterthur Seit gut zwei Jahren ist Martin Freuler Fanverantwortlicher beim FC Winterthur. Die Fankultur des Vereins geniesst einen guten Ruf, was in erster Linie dem positiven Verhalten des FCW-Anhangs zu verdanken ist. Freuler versucht mit seinem Team, mit präventiver Arbeit seinen Beitrag dazu zu leisten. Das hat beim FCW Tradition. «Schon unsere Vorgänger haben hervorragende Arbeit geleistet», sagt er. Dass die fruchtbare Fanarbeit nun gegen die Grasshoppers infrage gestellt werden könnte und etwa gegenseitige Provokationen zu Ausschreitungen im Stadion führen, glaubt Freuler nicht: «Es gibt keine Rivalität zwischen FCW- und GC-Fans, wie sie etwa zwischen den beiden Zürcher Clubs besteht. Unsere Fans respektieren jene der Grasshoppers, und deren Anhänger kommen gerne auf die Schützenwiese.» Zudem würden die beiden Fangruppen im Winterthurer Stadion so voneinander getrennt, dass Zusammenstösse beinahe ausgeschlossen werden könnten, sagt Freuler. Er steht mit dem Fanarbeiter der Grasshoppers im Austausch, «so wie wir dies jeweils auch mit jenen anderer Clubs sind, egal, ob jetzt GC, Schaffhausen, Wil oder Vaduz».

Der erwartete Grossaufmarsch ist die grössere Herausforderung

Martin Freuler wird den Match in der Bierkurve und auf der Gegentribüne verfolgen. Er wird sich so platzieren, dass er mit seinen Leuten reagieren kann, falls es einen Vorfall gibt. So wie er es im Cup-Match gegen den FC St. Gallen tat, als die FCW-Fans Getränkebecher auf das Spielfeld warfen und einen Spielabbruch riskierten. Freuler befreite zusammen mit anderen Helfern das Spielfeld von den Bechern. Neben den Fanarbeitern ist am Freitagabend auch der ebenfalls dem FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli unterstellte Sicherheitsdienst gefordert. «Wir gehen davon aus, dass auch die Sicherheitsleute mehr mit der Masse von über 8000 erwarteten Fans beschäftigt sein werden, um etwa Stichkontrollen an den Eingängen durchzuführen oder Notausgänge frei zu halten, als bei Fan-Ausschreitungen zu intervenieren», so Mösli. Sie würden auch in enger Zusammenarbeit mit der Polizei alles unternehmen, um die Sicherheit im Stadion zu gewährleisten, sagt Mösli: «Wichtig ist sicher, dass wir mit den GC-Fans mit Respekt umgehen, zumal jene, die im Stadion sind, zumeist in erster Linie des Fussballspiels wegen nach Winterthur reisen.»

Respekt zahlt sich aus

Faire Preise an Getränkeständen im Gästesektor, genügend Toiletten und einen freundlichen Umgang zählt er ebenso dazu, wie auch den Umstand, dass die gegnerischen Fans nicht wie in anderen Stadien in die Ecken gezwängt werden, sondern hinter dem Tor beste Sicht auf das Spielfeld geniessen. Dass sowohl auf Winterthurer als auch auf der GC-Seite mit Pyros zu rechnen ist, sei gemäss Mösli kaum vermeidbar: «Das gehört nun mal für einen Teil der Fans zu den Choreografien oder Ritualen dazu. Nicht toleriert werden aber Petarden, die auch für Unbeteiligte oder die Spieler zur Gefahr werden könnten und das Werfen von Pyros.» Dass bei Gewalttätigkeiten von Gesetztes wegen die jeweiligen Aggressoren nicht aus dem Verkehr gezogen oder zumindest nicht genug hart bestraft werden können, lässt Andreas Mösli so nicht stehen: «Das Problem ist, dass Anzeigen erfolgen müssen, erst dann kann gegen die Täter vorgegangen werden. Geschieht dies wie in häufigen Fällen jedoch nicht, kann gegen sie kaum mit rechtlichen Schritten vorgegangen werden.» Auf die Frage, ob ein Familienvater, der am Freitagabend mit seinen Kindern auf die Schützenwiese gehen möchte, Sicherheitsbedenken haben müsste, sagt der FCW-Geschäftsführer: «Die Wahrscheinlichkeit, dass den Kindern im Strassenverkehr etwas zustösst, ist statistisch gesehen grösser. Wenn in unserem Fall von einem Risikospiel gesprochen wird, dann geht es vor allem um mögliche Auseinandersetzungen ausserhalb des Stadions» Mösli als auch Martin Freuler empfehlen, um das Stadion herum den Weisungen der Polizei Rechnung zu tragen.

Keine unnötigen Provokationen

«Im FCW-Dress die gegnerischen Fans am Bahnhof zu provozieren, käme umgekehrt auch bei unseren Anhängern sicher nicht gut an», erklärt Mösli. Allgemein ist davon auszugehen, dass Scharmützel oder tätliche Auseinandersetzungen, wenn schon, vor oder nach dem Match ausserhalb des Stadions stattfinden könnten. Und dort ist die Stadtpolizei und auf dem Bahnhofsareal die Kantonspolizei zuständig. «Das Spiel ist vergleichbar mit anderen Begegnungen, die auch schon in Winterthur stattgefunden haben, wie beispielsweise gegen Basel. Wir sind entsprechend auf den Anlass vorbereitet und führen regelmässig eine Lagebeurteilung durch», sagt Stadtpolizeisprecher Adrian Feubli zur Ausgangslage am Freitagabend.

Vermehrt Angriffe auf die Polizei

Er bestätigt, dass wie etwa in Deutschland oder England auch, die Polizei nicht immer nur zwischen den Fangruppen vermitteln und dazwischen gehen muss, sondern auch immer wieder gezielt angegriffen wird: «Es kommt leider immer wieder vor, dass die Polizei als ‹Ersatzgegner› wahrgenommen und entsprechend angegangen wird – und das nicht nur bei Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Fangruppierungen. Dieser Problematik sind sich unsere Polizistinnen und Polizisten bewusst und sie wird auch im Rahmen der Ausbildung thematisiert.» Bleibt zu hoffen, dass der Spitzenkampf des viertklassierten FC Winterthur gegen den Tabellenzweiten Grasshoppers, primär auf dem Rasen für Spektakel sorgen wird.