Hofft, dass ihr neustes, vollendetes Buch ihrem verstorbenen Mann gefallen würde: Roswitha Kuhn, Autorin der Tösstal-Krimis.
1/1 Hofft, dass ihr neustes, vollendetes Buch ihrem verstorbenen Mann gefallen würde: Roswitha Kuhn, Autorin der Tösstal-Krimis.
07.08.2019 15:04

Krimiautorin Roswitha Kuhn: «Ich wusste bis zum Schluss selber nicht, wer der Mörder ist»

Der vierte Band des beliebten Tösstal-Krimis ist im Druck. Roswitha Kuhn hat mit diesem Buch den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes Jacques Kuhn erfüllt.

Rikon Roswitha Kuhn sitzt im Wintergarten ihres Hauses in Rikon und nippt an ihrem Tee. Sie sei ein bisschen nervös, verrät sie. Das sei ungewöhnlich. Bei den Veröffentlichungen der ersten drei Bücher – das erste erschien 2013 – sei sie nie nervös gewesen.

Damals stand ihr noch ihr Mann Jacques Kuhn, Patron der Pfannenfabrik Rikon, zur Seite. Ende Dezember 2016 verstarb er 97-jährig. Mit ihm gemeinsam schrieb Roswitha Kuhn die ersten drei Bände des Tösstal-Krimis. Vor seinem Tod bat Kuhn seine Frau, den bereits begonnenen vierten Krimi zu beenden. Bei den ersten 100 Seiten konnte er sie noch unterstützen. Danach war Roswitha Kuhn auf sich allein gestellt.

Komplizierter Mord und unbekannter Täter

Über 400 Seiten allein zu schreiben war eine «üble Angelegenheit», schmunzelt Roswitha Kuhn. Sie hätte früher nie geglaubt, welch Knochenarbeit es sei, einen Krimi zu schreiben. Zudem wäre der Mord im aktuellen Fall dermassen kompliziert, dass ihr ehemaliger Hausarzt ihr mit ausgedehnten Recherchen helfen musste. Auch hätte sie bis zum Schluss selber nicht gewusst, wer der Mörder eigentlich ist. Sie zuckt mit den Schultern und lächelt. «Ich bin fast verzweifelt. Das war aber auch schon bei den vorherigen Büchern so. Jacques und ich hatten jeweils hitzige Diskussionen darüber, wer zum Schluss der Täter sein könnte.» Während den allabendlichen Spaziergängen im Tösstal entstanden immer wieder neue Ideen. Meist war sich das Paar einig, häufig hätten sie sich aber auch heftig gefetzt, wie sich Roswitha Kuhn lächelnd erinnert. «Diese Unterhaltungen führten jedoch zu einem lebhaften Krimi. Sie gaben neue Impulse.» Genau diese hätten ihr beim Schreiben im Alleingang gefehlt. Auch das Korrekturlesen – die mühseligste Arbeit am Ganzen – gestaltete sich schwierig. «Das Lektorat achtet auf ganz andere Sachen, als Jacques es tat. Ich habe ein wenig Bammel, dass der rote Faden nicht sauber durchgezogen ist.»

«Er fehlt mir unglaublich»

Bald drei Jahre ist es her, seit Jacques Kuhn nach einem kurzen Spitalaufenthalt für immer einschlief. Sein Tod hat in Roswitha Kuhns Leben eine grosse Lücke hinterlassen. «Er fehlt mir unglaublich. Je länger je mehr.» Auf die Frage, ob ihr Mann mit ihrer vollendeten Arbeit zufrieden wäre, überlegt sie einen Moment. Sie umfasst ihre Teetasse enger, blickt nachdenklich hinein. Dann lächelt sie. «Das ist wohl der Grund, warum ich so nervös bin vor der Veröffentlichung. Ich frage mich oft, was er zum Buch sagen würde. Ich war immer viel schneller zufriedenzustellen als Jacques es war.»

Das 5. Buch steht in den Sternen

Die ersten drei Tösstal-Krimis verkauften sich gut. Der erste ist bereits in der fünften, die beiden anderen in der zweiten und dritten Auflage erschienen. Fünf Bücher sollten es insgesamt werden, beschlossen Roswitha Kuhn und ihr Mann damals, als sie ihre Idee vor rund 10 Jahren in die Tat umsetzten. «Wir waren wie kleine Kinder», Roswitha Kuhns Augen beginnen wie immer zu leuchten, wenn sie sich an die gemeinsame Zeit erinnert. «Nie hätten wir gedacht, dass wir das wirklich durchziehen.» Warum genau fünf? «Krimiserien werden nicht besser je länger sie sind. Lieber lässt man es sein, als dass man immer weiter macht bis man sich und die Leser langweilt.» Zudem würden die Protagonisten des Tösstal-Krimis immer älter, die Kinder langsam erwachsen. «Wir hatten bereits Mühe, uns in einen 17-jährigen hineinzudenken.»

Ob das fünfte und letzte Buch irgendwann erscheinen wird, steht noch in den Sternen. Dieses Versprechen wollte Jacques Kuhn seiner Frau kurz vor seinem Tod zwar auch noch abnehmen. «Er hat aber dann verstanden, dass dies zu viel verlangt war», sagt sie. Dennoch sind die ersten 60 Seiten bereits geschrieben. «Mir ist kürzlich eine Idee gekommen, die meinem Mann bestimmt gefallen würde», ihr Blick wird weich. Dann aber muss sie lachen. «Wenn ich dieses Buch wirklich schreiben sollte - dann nur mit einem ganz unkomplizierten, sauberen Mord.»

«Mondnackt – Noldi Oberholzers vierter Fall» erscheint am 14. August 2019.

Marina Persano