Urs Kerker malt futuristische Bilder, wie die Stadt Winterthur in 30 Jahren aussehen könnte. Foto: Michael Hotz
1/1 Urs Kerker malt futuristische Bilder, wie die Stadt Winterthur in 30 Jahren aussehen könnte. Foto: Michael Hotz
09.01.2020 08:00

Künstlerische Visionen von Winterthur im 2050

Der Maler Urs Kerker aus Hettlingen arbeitet an Bildern, die Winterthur in 30 Jahren zeigen. Dafür hat er sich mit Firmenpatron Hans-Jörg Hüppi über ihre Zukunftsvorstellungen für die Stadt ausgetauscht.

Winterthur/Hettlingen Neben dem Altstadtschulhaus befindet sich unter der Stadthausstrasse ein Parkhaus für Velos und Elektroautos. Von dort führt ein unterirdischer Zugang zur Marktgasse. Ein Café in einem rondellartigen Glashaus thront über der Parkhauszufahrt. Darüber verkehren zwei Schwebebahnen und verlaufen zwei Verbindungswege. Vor dem Café stehen zwei kleine Elektrogefährte, Passanten spazieren gemütlich daran vorbei.

Visionen auf Bildern visualisieren

So stellt sich der Hettlinger Maler Urs Kerker die Stadthausstrasse im Jahr 2050 vor. Die oben beschriebene Szenerie hat er entsprechend in einem Bild festgehalten. Die Idee dazu stammt vom bisherigen Firmenpatron der Hüppi AG, Hans-Jörg Hüppi, der mit Kerker befreundet ist. Die beiden haben sich vor einiger Zeit zusammengesetzt, um sich über ihre Visionen für die Zukunft auszutauschen und diese bildlich festzuhalten. «Das Ziel muss sein, CO₂-freie Zonen zu schaffen, die Luft, Wasser und Pflanzen zusammenbringen», fasst Hüppi die Diskussionen zusammen. In der aktuellen Klimadebatte, die ein unbestrittenes Problem aufzeige, ginge es zu oft um Verbote, statt um Lösungen und Anreize. Sowohl der ehemalige Gemeinderat Hüppi als auch der Künstler Kerker beteuern jedoch, dass die perspektivischen Kunstwerke eher spielerische Anregungen und Gedankenspiele, denn wirkliche Lösungsvorschläge sind. «Ich bin kein Politiker und arbeite lieber hier zuhause im Atelier», sagt Kerker dazu.

Eindrücke aus anderen Städten

Insgesamt zwölf Bilder sollen es am Ende sein. Drei davon hat der Maler bei sich daheim in Hettlingen schon umgesetzt: den Bahnhofplatz, die Ecke Steinberggasse/Obergasse sowie eben die Stadthausstrasse. Für die konkrete Visualisierung dieser Visionen ist der Maler alleine verantwortlich, Ideengeber Hüppi merkt allenfalls noch kleine Verbesserungsvorschläge an. Rund eine Woche braucht Kerker für ein Bild. «Es sind Werke mit vielen Details, das braucht schon seine Zeit», sagt er. Inspirationen geben Kerker Eindrücke aus anderen Städten der Welt, die er teils auch bereist hat. Er denkt dabei etwa an die hängenden Gärten im Häusermeer Singapurs. Oder an die europäischen Metropolen Hamburg («Die machen verrückte Sachen») und Marseille («Dort haben sie eine ganz neue Welt geschaffen»). Solch grosszügigeres Denken wünscht sich der in Hettlingen beheimatete Maler auch von Winterthur. «Ich finde, man könnte die Gedanken noch zukunftsorientierter öffnen.»

Die gesammelten Eindrücke kombiniert Kerker dann zu einem Quasi-Modell eines künftigen Winterthurs. Er besteht aber auf seinen künstlerischen Freiheiten. Ob die abgebildeten Ideen auch tatsächlich umsetzbar seien, spiele für ihn keine übergeordnete Rolle. «Mir macht es einfach Spass, Sachen zu malen, die so gar nicht möglich sind. Ich tauche gerne von einem ordentlich strukturierten Konzept in eine Fantasiewelt ein», so Kerker. Er visualisiere sich das Bild zuerst vor dem inneren Auge. «Wenn ich es dann im Kopf habe, setze ich es einfach um.»

2021 soll ein Kalender erscheinen

Als nächstes nimmt sich Kerker das Salzhaus vor. Welche weiteren Orte noch dazukommen sollen, muss noch bestimmt werden. Denkbar seien etwa die Zürcherstrasse, das Sulzer-Hochhaus und die Marktgasse. Neue Ideen für die Visualisierung habe er bereits, so der kreative Maler. Für 2021 ist dann geplant, aus den zwölf Malereien einen Kalender zu gestalten. Die Bilder selber kauft Hüppi: «Was ich mit ihnen machen werde, weiss ich noch nicht so genau.»

Michael Hotz