Olga Titus und Fabian Stamm laden während der Dezember-Ausstellung auch in ihr Atelier an der Paulstrasse 13 ein. Foto: Michael Hotz
1/1 Olga Titus und Fabian Stamm laden während der Dezember-Ausstellung auch in ihr Atelier an der Paulstrasse 13 ein. Foto: Michael Hotz
28.11.2019 08:00

Künstlerisches Stelldichein lokaler Kunstschaffenden im Dezember

Olga Titus und Fabian Stamm sind Teil der Dezember-Ausstellung 2019, die am Sonntag beginnt. Mit der Kunstkollegin Mia Diener öffnen sie zudem am 7. Dezember ihr Atelier.

Winterthur Den letzten Monat des Jahres nutzt die Künstlergruppe Winterthur traditionell für ein künstlerisches Stelldichein von lokalen Kunstschaffenden. Die Dezember-Ausstellung 2019 vom 1. Dezember bis 5. Januar bietet in der Kunsthalle Winterthur und im Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus vertiefte Einblicke in die Arbeit von 29 ausgewählten hiesigen Künstlerinnen und Künstlern.

Rocklegende in einem Fischerdorf

Teil der diesjährigen Dezember-Ausstellung sind Olga Titus und Fabian Stamm, die sich zusammen mit Mia Diener und Coralie Wenger ein zweistöckiges Atelier an der Paulstrasse 13 teilen. Der in Schaffhausen aufgewachsene Fotograf zeigt seine Arbeit «Sons of Jimi», eine drei auf sechs Meter grosse Wandinstallation mit Porträtfotos von marokkanischen Imitatoren des Musikers Jimi Hendrix. Das Werk behandelt den Mythos, wonach der US-amerikanische Gitarrenvirtuose 1968 die Hafenstadt Essaouira an Marokkos Atlantikküste besucht haben soll. «Diese Geschichte hat sich dort kultiviert und dient nun als Touristenmagnet», erzählt Fabian Stamm. Er sei an diesen Mythos herangetreten und habe dort zwei Monate Recherche betrieben.

Vor Ort sprach er mit älteren Einheimischen. «Sie haben mir in der typisch arabischen Erzählweise ausgeschmückte Geschichten berichtet», so der Künstler mit Studienabschluss als journalistischer Fotograf. Die Tonspur der Interviews ergänzt die Fotografien auf einer akustischen Ebene und macht «Sons of Jimi» zur multimedialen Installation. «Mich fasziniert der Einfluss der Hippies auf die Kultur dieses konservativen Fischerdörfchens, und welche neue Situation sich daraus ergeben hat», begründet Fabian Stamm seine Motivation für die Arbeit.

Fiktive Welt von Hybriden

Seine Künstlerkollegin Olga Titus knüpft mit «Fountain of Existence» an ihre Videoarbeit «Hybrids» von 2014 an. Den neuen, rund vierminütigen Kurzfilm, bei dem sie das erste Mal selber hinter der Kamera stand, drehte die Videokünstlerin beim Vulkankomplex Ijen auf der indonesischen Insel Java. Entstanden ist eine Videoarbeit, die sich ans Science-Fiction-Filmgenre anlehnt und imitiert. «Dieser Genre-Mix stülpt sich wie ein Kostüm über den Inhalt», sagt Titus dazu. Das Video thematisiert das Leben auf einem fiktiven Planeten, wo eben diese «Hybrids» zuhause sind. Eine Off-Stimme kommentiert das Geschehen und stellt so die Abgrenzungsfrage, ob sie zum Zuschauenden oder den Hybrid-Wesen spricht.

«Fountain of Existence» ist nach «Hybrids» nun ein zweiter Teil eines Grossprojektes, das Olga Titus schon länger begleitet. «Es ist ein Traum von mir, eine Art fiktive Forschungsplattform mit Pseudo-Fundstücken von diesem Hybriden-Planeten zu erschaffen», sagt die Künstlerin, die an der Kunst- und Designschule Luzern studiert hat.

Offenes Atelier am 7. Dezember

Wie 16 weitere Kunstschaffende der Künstlergruppe Winterthur öffnen auch Olga Titus, Fabian Stamm und Mia Diener während der Dezember-Ausstellung ihr gemeinsames Atelier in einem Hinterhaus neben dem AXA-Gebäude an der Paulstrasse. Das Ziel des offenen Ateliers am Samstag, 7. Dezember, ist der Austausch über Arbeit und Leben mit an Kunst interessierten Menschen. «Aus solchen Gesprächen können wir viel mitnehmen», sagt Titus dazu. Und Stamm fügt an: «Als Künstler, der aus der dokumentarischen Fotografie kommt, war es für mich schon immer ein relevanter Faktor, zu erklären, wie eine Arbeit entstanden ist.»

Michael Hotz