Rico und Marina de los Santos feiern dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum.
1/1 Rico und Marina de los Santos feiern dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum.
13.02.2020 08:00

«Meine Stadt der Liebe ist definitiv Winterthur!»

Was wäre das Leben ohne die Liebe? Liebe ist Hoffnung, Liebe ist Glück, Liebe ist Freiheit. Und dass die Liebe manchmal auch Geduld erfordert, zeigt die Lovestory von unserer Leserin Marina de los Santos. Zum morgigen Valentinstag hat uns die Winterthurerin ihre spannende und wunderschöne Geschichte erzählt.

Winterthur In der Oberstufe im Mattenbach - es war im Jahr 2000 - hat mir einer besonders gut gefallen. Ich hatte damals ein kleines Büchlein, in das ich die Namen deren hineinschrieb, in welche ich schonmal verliebt war und sie unterstrich, wenn daraus mehr wurde. Dort stand auch bald der Name «Rico».

Ich spielte jedoch nicht in seiner Liga mit. Er gehörte zu den coolen Jungs und ich eher zu den Gemobbten. Und ja, einige Sprüche gingen auch auf sein Konto. Als dann die Schulzeit zu Ende war, begann ich im Jahr 2002 ein Praktikum in einer Kinderkrippe. Und eines Tages im Garten sah ich, wie Rico mit dem Velo hinten durchfährt. Beim nächsten Mal, als ich ihn sah, rief ich «Hallo Rico!». Sichtlich überrascht und freundlich grüsste er mich zurück. In diesem Praktikumsjahr haben wir uns so ein paar mal gegrüsst, immer nur im Vorbeifahren ein einfaches «Hallo». Nach jedem Wiedersehen war ich beflügelt.  

Drei Jahre später, es war das Jahr 2005, pendelte ich für meine Lehrstelle fast täglich nach Uster mit Umsteigen in Stettbach. Ich sass im Zug und schaute gedankenversunken aus den Fenster. Als die S12 wieder weiterfuhr, blickte ich direkt in Rico's Gesicht hinter der Scheibe. Es war für beide gerade noch Zeit, um die Hand zu heben.

Zwei weitere Jahre vergingen. Es war 2007, Musikfestwochen in Winterthur. Wieder einmal traf ich zufällig auf ihn, und wow, das erste Mal hatten wir sogar Zeit, etwas zu plaudern. Mit der Lautstärke und dem fortgeschrittenen Festlaunepegel blieb unser Gespräch aber leider eher flach, und mein Interesse an meinem langjährigen Schwarm flachte plötzlich ab.

Doch ein Jahr später, im 2008, schlenderte ich mit meiner Mama durch den Martinimärt, als ich Rico an einem Stand erblickte. So offen wie ich bin, habe ich ihn wieder begrüsst und wir konnten sogar ein «Wie geht's?» austauschen. Zum Glück machte er für mich einen besseren Eindruck, als noch damals, an den Musikfestwochen.

Im Frühling 2009 kreuzten sich unsere Wege auf unseren Velos auf der Weberstrasse im Mattenbachquartier. Es hat geregnet. Im letzten Moment haben wir uns noch erkannt und wieder einmal «Hallo» gerufen.

Schon aneinander vorbeigefahren, hörte ich hinter mir ein «Wart schnäll!» rufen. Ich bremste sofort ab, drehte mich um und sah, wie er auf mich zufuhr.

«Mir chöntet ja eigentlich mal Nummere ustuusche, denn chöntemer mal chli länger schwätze, als immer nur es Hallo», sagte er zu mir. Ja sehr gern! Ich konnte mein Glück kaum fassen! Gespannt wartete ich auf die erste Nachricht und tatsächlich, ungefähr im Juni haben wir im Kaffee «Alltag» in der Stadt abgemacht. Ein paar Stunden sind wir draussen im Graben gesessen und haben wunderbar viel über alles Mögliche geredet. Weil es mitten in der Woche war, verabschiedeten wir uns zeitig mit einer einfachen Umarmung.

Das 2. Treffen folgte dann im Spätsommer. Wieder im Kaffee Alltag. Es wurde später Abend. Um diesen schönen Moment noch möglichst lange hinauszuzögern, schlug ich vor, über den Goldenberg nach Hause zu gehen, da wir beide in Seen wohnten. Die Velos haben wir natürlich gestossen, um noch mehr Zeit zu schinden. Vor seiner Haustür zögerte sich der Abschied etwas heraus, woraus er deutete - wie er mir später erzählt hat - dass ich vielleicht noch mit rein kommen möchte und lud mich zu sich ein. Ich sagte dankend ab. Ich hatte einen gewissen Stolz und war auch gerade etwas überrumpelt. Nach diesem Treffen war wieder Funkstille. Jedoch dachte ich sehr viel an Rico. Ich habe die Hoffnung schon wieder aufgegeben, dass da jemals etwas daraus wird. Offenbar war es für ihn einfach nur nett, mit mir zu plaudern.

Mai, 2010: Als ich an einem lauen, späten Nachmittag von meinen Eltern auf dem Nachhauseweg war, in bester Laune und an Rico's Wohnung vorbeifuhr, war ich gerade in einer Kamikaze-Stimmung. Ich hielt an, rief ihn an und teilte mit, dass ich gerade an seiner Wohnung vorbeigefahren sei und die Idee hatte, mich spontan bei ihm zu melden. Daraufhin bekam ich eine Einladung vorbeizukommen, welche ich diesesmal natürlich angenommen habe.

Es war sehr aufregend, ihn zu begrüssen, so auf der Türschwelle und einen grossen, nächsten Schritt zu gehen. Wir sassen auf seinem Balkon und haben wieder viel geredet. Weil er sehr früh zur Arbeit musste, verabschiedeten wir uns wieder zeitig mit einer netten Umarmung und haben bereits ein weiteres Treffen ausgemacht.

Nach einem weiteren, schönen Abend wagte ich sogar den ersten Schritt und legte meine Hand auf seinen Rücken, worauf dann alles seinen Lauf nahm. Ich übernachtete gleich die nächsten drei Tage bei ihm. Nach einem Jahr zogen wir zusammen. Im Jahr 2014 heirateten wir und 2018 bekamen wir einen Sohn. Wir wohnen immer noch in Winterthur, mittlerweile in einem Haus. Am 29.Mai 2020 feiern wir unser 10-jähriges Jubiläum!

Es hat ganze 10 Jahre gedauert, bis ich mit meinem Schulschwarm zusammengekommen bin, was ich mir damals nie hab erträumen lassen.

Das Gute, dass es so lange gedauert hat mit uns, ist, dass jeder seine Zeit für seine individuellen Erfahrungen hatte. Darum sind wir jetzt umso glücklicher zusammen - beide ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Marina de los Santos