Wegen eines Lecks in einer Gasleitung rückte die Feuerwehr von Schutz & Intervention und die Stadtpolizei aus. duf
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In der Zentrale werden sämtliche Notrufe entgegengenommen. duf
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Wegen eines Lecks in einer Gasleitung rückte die Feuerwehr von Schutz & Intervention und die Stadtpolizei aus. duf
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30.01.2020 08:00

Mit der Stapo im Einsatz auf Winterthurs Strassen

Nicht nur Einbrüche, Unfälle oder Gewaltdelikte beschäftigen die Stadtpolizei. Täglich erwarten die Ordnungshüter neue Situationen, in denen sie blitzschnell eingreifen, entscheiden und unterstützen müssen. Wir waren bei einer Patrouillenfahrt dabei.

Winterthur Hochkonzentriert kurvt Polizist Manuel den Streifenwagen durch die Strassen. Mit Sondersignal geht's nach Wülflingen zu einem möglichen Einbruch. Mitten am Nachmittag. Kollegin Guylaine navigiert zur Adresse. Ob uns gleich ein flüchtender Einbrecher erwartet, wissen wir nicht. Kurz zuvor war es noch ruhig beim Schichtwechsel auf der Wache Obertor. Die beiden Polizisten ziehen sich um, checken den Dienstplan und schliessen ihre Rapporte ab. Uhrzeiten nehmen die Stadtpolizisten jedoch aufgrund des 24-Stunden-Betriebs anders war. Vier Tage am Stück wird im fixen Turnus gearbeitet, bevor eine zwei- bis dreitägige Pause winkt.

Oft liegen zwischen den Schichten der sechs Einsatzgruppen gerade mal acht Stunden Ruhezeit. «Im jungen Alter gewöhnt man sich schnell an die strengen Dienste und kommt damit klar», sagt Polizist Manuel, während er das Patrouillenfahrzeug aus dem Parkplatz fährt. Es könne aber auch vorkommen, dass der Alltag manchmal nur aus Arbeiten, Essen und Schlafen bestehe. «Doch ein gewisser Ausgleich ist sicherlich wichtig, um von den vielen Eindrücken abzuschalten.»

Brückensperrung wegen Trump

Keine Minute später kommt der Einsatz in Wülflingen, der sich jedoch als Missverständnis entpuppt. Ein Mädchen, das alleine zuhause war, vermutete einen Einbrecher und alarmierte die Polizei. Der vermeintliche Kriminelle stellte sich jedoch als ihren Vater raus, der früher als erwartet heimgekehrt ist. Nach der Klärung der Sachlage und Kontrolle der Personalien geht es weiter.

Der Konvoi um Präsident Trump passiert gleich eine der Wülflinger Autobahnbrücken. Die Stapo sperrt diese kurzzeitig, Spezialeinheiten in Vollmontur postieren sich anderswo. «Auch für uns ein nicht alltäglicher Einsatz», sagt Mediensprecherin und Polizistin Rahel Egli, welche die Patrouillenfahrt heute begleitet.

«Kollege in Gefahr!»

Wieder läuft der Funk heiss. Dieses Mal brausen wir mit Blaulicht zum Rosenberg. In einer Liegenschaft ist Gas ausgetreten. Wir riechen es bereits bei der Ankunft. Sofort evakuieren die Polizisten alle Bewohner, befragen sie und unterstützen die ankommende Feuerwehr bei ihrer Arbeit. Es sind eben nicht nur Unfälle und Verbrechen, welche die Ordnungshüter auf Trab halten, sagt Guylaine, die vorher bei der Stadtpolizei Zürich auf Streife war. «Hier in Winterthur ist es etwas ruhiger und gesitteter, das Gebiet dafür grösser und die Einsätze vielschichtiger.»

Der Respekt gegenüber der Polizei habe aber bedenklicherweise überall abgenommen. Die Aggressionen und Gewalt wiederum zu. Das beweist auch der nächste Einsatz bei einer Sozialeinrichtung. «Polizist angegriffen», erklingt es aus dem Funk. Die nächste turbulente Blaulichtfahrt steht an. «Wenn Kollegen in Gefahr sind, ist es auch eine Frage des Zusammenhalts, sofort zu unterstützen», sagt Egli. Der ausfällig gewordene Täter steht unter Drogen und ist den Polizisten bekannt. Er ist bereits arretiert, als wir eintreffen.

Langwierige Strafuntersuchungen

«Alkohol und Drogenkonsum verstärkten das Gewaltpotenzial. Doch die Hemmschwelle, gegen uns handgreiflich zu werden, ist allgemein gesunken», sagt Guylaine. Oft fühlten sich gewisse Menschen heutzutage bereits durch eine gewöhnliche Kontrolle provoziert. «Meist liegt es an der Uniform und nicht mal an uns persönlich», sagt Manuel. «Viele Passanten meinen, wir kontrollieren sie aus Vergnügen oder aufgrund ihres Aussehens. Dabei muss für uns jeweils ein konkreter Verdacht vorliegen, damit wir jemanden einer Kontrolle unterziehen», erklärt er. Von renitent verhaltenden Personen müsse man sich zwar längst nicht alles gefallen lassen, so Guylaine. «Doch wir müssen auch stets der Situation entsprechend handeln und abschätzen, wie viel an möglichen Zwangsmassnahmen nun angebracht ist.»

In jedem Fall muss das polizeiliche Handeln verhältnismässig sein, ansonsten kann es auch zu Strafverfahren gegen Polizisten kommen. Trotz vieler unangenehmer Seiten des Polizeiberufs sind sich die Beamten einig: Der spürbar familiäre Zusammenhalt innerhalb des Korps, das kollegiale Verhältnis, täglich neue, unerwartete Herausforderungen zu meistern sowie das Gefühl, Menschen helfen und die Stadt sicherer machen zu können, überschattet diese allemal.

Fabrice Dubler