Selfiepause zur Gesichtsentspannung nach drei Stunden Spielkonzentration. Foto: dea
1/1 Selfiepause zur Gesichtsentspannung nach drei Stunden Spielkonzentration. Foto: dea
27.02.2020 11:33

Monopoly – alles andere als langweilig

Eine Redaktorin der Winterthurer Zeitung wagte sich vorletzten Mittwoch im Restaurant Tres Amigos an einen Tisch mit fremden Menschen, um mit diesen einen Abend lang Monopoly zu spielen. Dabei erlebte sie statt Langeweile eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Winterthur Mit gemischten Gefühlen machte ich mich vorletzten Mittwoch auf den Weg ins Restaurant Tres Amigos. Ich wurde nämlich auserwählt, an einem Monopoly-Spieleabend mit der Winterthurer Edition teilzunehmen. Ich würde mich als eine offene und vielseitig interessierte Person beschreiben. Aber die Vorstellung, vier ganze Stunden mit fremden Personen an einem Tisch zu sitzen und den Klassiker aller Spiele zu spielen, schauderte mir vorgängig doch sehr.

Und los geht's

Als ich also an diesem verregneten Mittwochabend das «Tres Amigos» betrat, versuchte ich umgehend alle Vorurteile und negativen Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen. Ganz hinten im Raum, zwischen den Fajitas-essenden und Margarita-schlürfenden Restaurantgästen sichtete ich meine Spielgruppe. Am Tisch angekommen wurde ich vom Organisatior Marcel Meier und zwei Mitspielern herzlich empfangen.

Ich wusste nicht, ob es an der fröhlichen Latinomusik oder am lauten und hektischen Gastrobetrieb lag. Jedenfalls erinnerte mich das Treiben in der Restauranthalle an eine Szene aus «Desperado», einem der legendären Filme des US-amerikanisches Regisseur Robert Rodriguez. Die Stimmung im Raum half, sofort das Eis zwischen meinen Mitspielern und mir zu brechen. Der Gastgeber des Abends zeigte uns anhand eines liebevoll produzierten Erklärvideos die Regeln für den Spieleabend. Einer unserer Mitspieler verpasste diese Einführung und wurde dann um Punkt 19.30 Uhr beim Spielstart gleich ins kalte Wasser geworfen.

Über den Tisch gezogen

Motiviert und konzentriert starteten wir in die erste Runde, in der Hoffnung, so schnell wie möglich die Herrschaft über die attraktiven Gebäude und Plätze Winterthurs an uns zu reissen, um geldeinbringende Häuser und Hotels darauf zu bauen. Gierig kauften wir alles, was uns in die Hände kam. Doch das reichte mir nicht. Geduld war noch nie meine Stärke. Ich beschloss also, mit einem fiesen Trick den zu spät erschienen Mitspieler über das Ohr zu hauen. Und zu meinem Erstaunen klappte das sogar. Er verkaufte mir für einen Spotpreis die Steinberggasse. So waren alle drei Felder der gleichen Farbe in meinem Besitz und ich konnte anfangen, Häuser zu bauen und noch mehr Geld zu verdienen.

Um ein Erlebnis reicher

Während drei Stunden also haben wir viel gelacht, gezählt, gedealt und gebaut. Die Zeit verging sehr schnell, alle anfänglichen Vorurteile waren in Luft aufgelöst. Es war ein unglaublich interessantes und schönes Erlebnis, auf diese Art mit neuen Menschen in Kontakt zu treten. Durch das Spiel zeigte jeder am Tisch relativ schnell seine spannenden Charakterzüge. Im Eifer des Gefechts verlieren die Menschen schnell ihre Masken. Und genau das machte diesen Abend so authentisch und einzigartig.

Wie in jeder guten Geschichte gab es auch in dieser eine Wende, leider zu meinen Ungunsten. Das Karma schlug zurück und traf mich hart. Ich verliess die Runde auf Platz 4 von insgesamt 5. Das Monopolyspiel habe ich zwar nicht gewonnen, dafür aber eine neue Erfahrung. Dieses Erlebnis empfehle ich jedem Gesellschaftsspieleliebhaber von Herzen gerne weiter.

Deborah Archetti