Philipp Cao, Timon Bai und Shane Stämpfli wollen als Start-Up Unternehmer in der Modebranche durchstarten.
1/1 Philipp Cao, Timon Bai und Shane Stämpfli wollen als Start-Up Unternehmer in der Modebranche durchstarten.
13.02.2020 07:00

Nachhaltige Mode aus Winterthur

Sie nahmen die Sache gleich selbst in die Hand und sind in jungen Jahren daran, ihr erstes Unternehmen aufzubauen. Anstatt wie die Klimajugend meist nur zu demonstrieren, wollen sie Taten folgen lassen. Mit «Respovani» entsteht ein neues Start-Up Unternehmen.

Winterthur Das Trio um Timon Bai, Philipp Cao und Shane Stämpfli aus Winterthur hat neben Beruf oder Studium einiges unter den Hut zu bringen. Sie sind gerade dabei, ihre «Kickstart-Kampagne» zu überwachen, die vom 3. Februar bis zum 6. März dauert und mit Vorbestellungen der eigen bedruckten Mode ein Budget von 10’ 000 Franken erreichen soll. «Wir hoffen natürlich, dass wir es schaffen, doch selbst dann sind unsere Zahlen noch im roten Bereich», meint Timon Bai, der ursprüngliche Initiant der Gruppe und BWL Student.

Demos als Inspiration

Die Klimabewegung ist auch an diesen drei jungen Männern nicht vorbeigegangen. Doch sie wollten nicht nur mitmarschieren oder laut schreien, sondern etwas Eigenes dazu beitragen, die Umwelt wenn auch nur durch kleine Funken zu verbessern. «Man informiert sich mal so ein bisschen allgemein und dann stösst man zum Beispiel auf die Pestizide, von denen die meisten Leute nicht davon ausgehen, dass es die in der Kleidungsproduktion auch gibt», so Philipp Cao. Als junge Generation dürfe man weder die Augen verschliessen noch in alten Denkweisen verharren. Die Welt wandle sich, also müsse sich auch das Denken anpassen, meinen die drei einstimmig. Deswegen wählten sie den auch den selbstkreierten Namen «Respovani», der sich aus den beiden Wörten «responsibile» (verantwortlich) und «giovani» (Jugend oder Jugendliche) zusammensetzt.

Stoff aus England

Die Idee entstand im März 2019 und nahm da ihre ersten Formen an. «Zuerst musste wir uns genau informieren und einen Hersteller finden, der bei der Produktion von Kleidung umweltbewusster als alle anderen vorgeht. Zudem musste der Einkauf finanzierbar sein», sagt Philipp Cao. Fündig wurden sie bei einer Firma aus England namens «continental clothing co.», die darauf achtet, möglichst wenig Pestizide zu produzieren und bei der Färbung ihrer Stoffe beinahe keine Verunreinigung von Wasser verursacht. Schliesslich sind 10% der Umweltemissionen der Produktion von Kleidern zuzuschreiben.

Ein 60-Stunden Druckverfahren

«Wenn wir durch Bestellungen von einem Budget von 10'000 Franken zusammenbekommen wollen, hiesse das, dass wir dafür zirka 60 Stunden unsere Sujets auf Shirt, Pullover oder Taschen drucken müssten», so Timon Bai. Er hoffe natürlich auf den Arbeitsaufwand und dass ihr gemeinsames Projekt möglichst schnell in Schwung kommt. «Toll wäre es, wenn wir irgendwann einmal ganze Firmen einkleiden könnten.» Vorerst gilt es im Freundeskreis und an der Universität möglichst viel Werbung zu machen. «Mund zu Mund Propaganda funktioniert ja sehr gut und hoffentlich springen dann möglichst viele andere mit auf», so Bai. Ihre Mode wolle nicht nur einzigartig aussehen, sondern auch eine Message verbreiten.

Produziert wird zuhause

Das Trio, von dem zwei in einer Wohngemeinschaft leben, hat sich auf sechs verschiedene Sujets geeinigt und will sich nach den 10'000 Franken durch Vorbestellungen ein Textil-Druckgerät zulegen. Nun warten sie nur noch auf den 6. März, dann wollen sie so richtig mit Produzieren loslegen. Die nächste Arbeit ist dann der Versand. «Wenn es nicht anders geht, werden wir Bestellungen per Post verschicken, doch die meisten Bestellungen, die schon eingingen, werden direkt bei uns abgeholt oder wir bringen sie zur Uni», meint Shane Stämpfli. «Wir wollen nicht umweltfreundlichere Kleidung produzieren und dann beim Versand versagen.»

Selbst wenn ihr Projekt scheitern sollte und so sehen die Prognosen keineswegs aus, nehmen es die drei Jungunternehmer gelassen. «Wir sind jung und können noch ein Risiko eingehen. Wenn wir schon eine Familie hätten oder gebundener wären, dann würden wir es uns wohl zweimal mehr überlegen, in so eine Sache einzusteigen», so Timon Bai. Schliesslich seien alle drei durch Universität oder Job zu 100% ausgelastet und das Privatleben gibt es ja auch noch. «Andererseits sind zwei von uns ja in einer WG und beschäftigen sich so sowieso sehr oft damit. Da motiviert man sich gegenseitig.»

Flyer verteilt, der Kickstart steht

Um nicht nur im Internet präsent zu sein, hat das Trio auch in Läden und Bars darum gebeten, eigene Flyer auflegen zu dürfen. «Wir sind nirgends auf Widerstand gestossen, die meisten Leute freuten sich und waren sehr interessiert», sagt Bai. Die meiste Werbung laufe jedoch von Mund zu Mund und übers Internet wie Instagram. Auf der Homepage respovani.com sind die zu erwerbenden Produkte bereits ersichtlich. Dazu informieren die Jungunternehmer auch über ihre Beweggründe und haben für die Besucherinnen und Besucher einige interessante Fakten parat. Wem etwas gefällt, der kann schon heute eine Bestellung machen. Es sind mehrere Sujets und Farben verfügbar.

Luca Da Rugna