Die Georgier sind in anderen Ländern bereits wegen ähnlicher Delikte vorbestraft.  duf
1/1 Die Georgier sind in anderen Ländern bereits wegen ähnlicher Delikte vorbestraft. duf
12.09.2019 08:00

National agierende Diebesbande vor Gericht

Eine Gruppe soll über längere Zeit Waren gestohlen und Einbrüche verübt haben. Vor Gericht drohen den drei Männern und der Frau hohe Gefängnisstrafen und Landesverweise.

Winterthur Vier georgische Staatsangehörige werden seit Dienstag vor Bezirksgericht Winterthur verhört. Den vier Beschuldigten, darunter drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, werden mehrere Diebstähle und Einbrüche in Fahrzeuge sowie Liegenschaften vorgeworfen. Einer der Täter ist zudem in gefährlicher Manier zuerst mit dem Auto und dann zu Fuss geflüchtet, bevor er festgenommen werden konnte.

Ladendiebstähle im grossen Stil

Dabei soll die Bande ihre kriminellen Geschäfte wie ein Beruf, also gewerbsmässig ausgeübt haben. Insgesamt werden ihr in einem Zeitraum von zwei Monaten Ende 2017 48 Ladendiebstähle vorgeworfen, bei denen sie Waren im Wert von über 30'000 Franken erbeutet hatten. Vorwiegend sollen die Täter in Supermärkten aber auch einer Drogerie in Neftenbach Kosmetikartikel mitgehen lassen haben.

Die Tatorte erstreckten sich in mehreren Landesteilen in den Kantonen Zürich, Luzern, Zug, Aargau, Bern und Obwalden. Das Deliktsgut, vor allem Rasierklingen und andere Kosmetika, soll das Diebesquartett dann jeweils in angemieteten Wohnungen gelagert haben, wo die Ermittler auch auf Teile der entsprechenden Ware stiessen. Eine davon war in Rorbas. Laut der Anklage haben die Beschuldigten zudem auch Produkte ins Ausland transportiert, um dort von einem Hehler Geld dafür zu kassieren.

Gefährliche Flucht

Neben einem gestohlenen Rucksack wird der mutmasslichen Diebesbande ausserdem vorgeworfen, in verschiedene Fahrzeuge eingebrochen zu sein. Dabei sollen sie jeweils mit einem Störsender das Verriegeln des Fahrzeugs durch den Funkschlüssel verhindert und danach Wertgegenstände daraus entwendet haben. Daneben stellte die Polizei verschiedenes Diebesgut fest, das die Bande bei mutmasslichen Einbrüchen ergaunerte.

Zwei der Beschuldigten entzogen sich im Kanton Basel-Land einer Polizeikontrolle und flüchteten spektakulär. Mit ihrem Auto verursachten sie zudem beinahe einen Unfall mit einem Drittfahrzeug, einer der Angeklagten rannte nach der Fluchtfahrt zu Fuss in ein Waldstück. Seit rund einem Jahr sitzen alle in unterschiedlichen Untersuchungsgefängnissen.

Teils unbrauchbare Aussagen

Vor Gericht machten die Beschuldigten teils keine oder sehr sprunghafte Aussagen, welche die Dolmetscherin nicht immer mühelos übersetzen konnte. Zum Vorwurf mit dem gestohlenen Rucksack sagte einer der Beschuldigten beispielsweise, er habe diesen gefunden und mitgenommen, aber nicht gestohlen. Sein Mittäter zeigte sich wiederum bei mehreren Taten geständig, sagte, er habe aus dem Diebeserlös seine Drogenabhängigkeit finanziert. Immer wieder fielen die Georgier Gerichtspräsident Oehler aber auch ins Wort oder stellten Gegenfragen, statt zu antworten. Die Beschuldigte beteuerte, im Falle eines Landesverweises in Georgien den Tod fürchten zu müssen.

Am auf drei Tage angesetzten Prozess plädierte nebst den Verteidigern auch die Staatsanwaltschaft, die Gefängnisstrafen zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren sowie eine Landesverweisung aller Beschuldigten von sieben Jahren forderte. Das Urteil ist auf den 24. September angesetzt.

Fabrice Dubler