Die Veloparkplätze sind während des Tages meist überfüllt. duf
1/1 Die Veloparkplätze sind während des Tages meist überfüllt. duf
28.11.2019 08:00

Pendler-Ärger über abgeschleppte Fahrräder

Eine Velofahrerin macht der Stadt grosse Vorwürfe, da diese die Fahrräder an der Rudolfstrasse trotz überfüllten Plätzen abschleppe und eine Abholung nur während der Arbeitszeit möglich sei. Die Behörden weisen die Kritik zurück.

Winterthur Karin E. fährt, wie viele andere Eulachstädter auch, mit dem Velo an den Bahnhof Winterthur, um dort den Zug zu ihrem Arbeitsort zu besteigen. Ihr Velo stellt sie bei den Veloparkplätzen an der Rudolfstrasse ab. Doch dies gestalte sich zurzeit schwierig, da diese aufgrund der Baustelle reduziert worden und nun hoffnungslos überfüllt seien: «Leider wurden keine Velo-Abstellplatz-Ersatzflächen in diesem Bereich vom Bahnhof Winterthur eingerichtet und deshalb herrschen seither chaotische Zustände. Velos werden kreuz und quer abgestellt», berichtet E.

Nur ein Termin für die Abholung

So sei auch ihr nichts anderes übriggeblieben, als ihr Fahrrad knapp ausserhalb der Markierung zu parkieren. Abends musste sie dann feststellen, dass dieses abgeschleppt wurde. «Diese Vorgehensweise ist willkürlich und ungerecht. Es stehen täglich so viele falsch parkierte Fahrräder in diesem Bereich, dass die Stadt, wäre sie konsequent, täglich mehrere Dutzend Velos abtransportieren müsste», sagt E. Denn an der Stelle, an der sie ihr Fahrzeug abgestellt habe, prangte bereits ein anderes, falsch parkiertes Gefährt. E. spricht von Symptom- statt Ursachenbekämpfung.

«Zuerst müsste man das Chaos lösen, bevor man den Pendlern ihr Transportmittel einzieht und die Velo-Stadt Winterthur damit seiner Attraktivität beraubt.» Ihrem Ärger setzte die Fundstelle der Brühlgutstiftung, wo die abgeschleppten Fahrräder abgeholt werden müssen, noch einen drauf. «Man teilte mir mit, dass ich mein Velo dort jeweils nur mittags um 11 Uhr abholen kann. Als arbeitstätige Lehrerin ist mir das jedoch kaum möglich, sodass ich fast eine Woche auf mein Gefährt verzichten musste», so E. Trotz einer Beschwerde kam man der Winterthurerin nicht entgegen - und liess sie die Busse von 50 Franken bezahlen.

Geduld und Verständnis gefordert

Beim Tiefbauamt der Stadt heisst es auf Anfrage, dass vor allem die Baustelle im Untergrund des Bahnhofs Winterthur Einschränkungen für Velofahrende bedeuteten, die sich nicht vermeiden liessen: «Die Wege sind jetzt teils sicher länger. Es braucht erfahrungsgemäss Zeit, bis sich alle an die neue Situation gewöhnt und ihren Stellplatz wieder gefunden haben», sagt Mathias Rosskopf. Dennoch habe man die 300 kürzlich aufgehobenen Veloparkplätze zeitgleich ersetzt, sodass aktuell rund 1400 Stellplätze zur Verfügung stünden. Vor fünf Jahren seien es noch rund 400 weniger gewesen.

Laut Rosskopf lässt sich immer einen freien Abstellplatz finden, dies beispielsweise im Bereich Eichgut-, Wart- oder Gertrudstrasse sowie auf dem Kesselhausplatz vor dem Media Markt. «Es ist zwingend notwendig, dass man sich an das Parkierungsregime hält, um Fussgängerwege, Notfalldurchfahrten sowie den Baustellenzugang stets zu gewährleisten.»

«Keine Willkür»

Auch die Stadtpolizei weist darauf hin, dass man die temporär weiter weg verlegten Standplätze auf den Hinweisschildern nachlesen und nutzen soll. «Falsch parkierte Velos werden systematisch und nicht willkürlich oder zufällig eingezogen. In welcher Regelmässigkeit und Anzahl dies geschieht, ist immer eine Frage der begrenzten personellen und logistischen Mittel sowie der Verhältnismässigkeit», sagt Sprecher Adrian Feubli. Dass sich die Strafgebühr von 50 Franken höher gestaltet als eine Parkbusse eines falsch abgestellten Autos, begründet Feubli mit dem Aufwand durch das Abschleppen.

«Die Kosten für den Abtransport eines vorschriftswidrig parkierten Fahrrads beträgt gemäss Gesetz 30 Franken, wozu eine zusätzliche Busse von 20 Franken kommt.» Zu den von E. als unmöglich beschriebenen Abholzeiten präzisiert Feubli: «Die Velos können von Montag bis Freitag zwischen 13 und 18 Uhr abgeholt werden, jedoch nur auf telefonische Voranmeldung, da die Fahrräder extern gelagert werden.» Dies werde auf Anfrage so kommuniziert.

Fabrice Dubler