v.l. Markus Dangers, Cédrie Tynowski und Pascal vernier.
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13.02.2020 07:00

Pfadis fragwürdige Trennung vom Top-Kreisläufer der Liga

Vor einer Woche fragte die «Winterthurer Zeitung» bei Pfadi Winterthur nach, weshalb Kreisläufer Markus Dangers nicht mehr auf der Mannschaftsliste figuriere. Kurze Zeit später kommunizierte der Verein den Rauswurf des Deutschen. Nun nimmt Dangers, der am Dienstag bei der HSG Konstanz unterschrieb, Stellung zu den diversen Vorwürfen.

Winterthur «Markus ist mit dem Wunsch an uns herangetreten, dass er sich sportlich verändern möchte und seine handballerische Zukunft in Deutschland sieht. Diesem Wunsch haben wir nun entsprochen.» So wurde Goran Cvetkovic, Sportchef Pfadi Winterthurs, in der vor einer Woche versandten Medienmitteilung Pfadi Winterthurs zitiert. Der «Landbote» machte online hingegen «disziplinarische Gründe» aus, die zur Trennung geführt hätten.

«Beides entspricht aus meiner Sicht ganz klar nicht den wahren Gegebenheiten», sagt hingegen Markus Dangers. Der 25-jährige bayrische Kreisläufer war auf die Saison 2018/2019 hin vom erweiterten Kader des Bundesligisten Balingen-Weilstetten zu Pfadi gestossen.

Erste Diskussionen sind laut Dangers in der Zwischensaison im letzten Sommer aufgetaucht, als Liga-Krösus Kadetten Schaffhausen Interesse an ihm bekundete. Pfadi seinerseits hatte mit einer Ablösesumme reagiert, die selbst für die Schaffhauser zu hoch war. Gleichzeitig habe Präsident Jürg Hofmann Dangers gegenüber damals die Sorge kommuniziert, er würde für Pfadi nicht mehr die volle Leistung bringen, so wie dies bei vielen abwanderungsgelüstigen Fussballern vielfach auch der Fall sei. «Blödsinn», sagt Dangers heute: «Ich gebe immer 100 Prozent für den Klub, bei dem ich aktuell unter Vertrag stehe.» Im Herbst dann unterbreitete die Pfadi-Klubführung Markus Dangers eine Vertragsverlängerung über die Saison 2019/2020 hinaus. Diese lehnte der Deutsche aber ab, weil er seine sportliche Zukunft nach dem Ende der laufenden Meisterschaft in Deutschland sah.

Abgelehnte Vertragsverlängerung als Problem-Ursprung?

«Ob diese lose Offerte von Schaffhausen der Auslöser für die jetzige Entwicklung war, weiss ich nicht. Im Profisport ist es jedoch normal, dass auch andere Vereine Interesse bekunden», meint Dangers.

Die eigentlichen Probleme zwischen einzelnen Spielern und vorab Trainer Adrian Brüngger seien gemäss Dangers in der Anfangsphase der Meisterschaft erstmals aufgetreten. «Erstaunlicherweise da, als wir alle Partien gewannen und an der Spitze der Tabelle standen.» Es wurden andere Spieler und Markus Dangers für die schlechten Spielleistungen ausgemacht. Einer davon war auch Luigj Quini, der mittlerweile in Norwegen spielt. Das brachte Unruhe ins Team. Die kommenden Wochen wurde innerhalb der Mannschaft versucht, sich weiterhin auf das sportliche Ziel zu fokussieren. Aber natürlich habe er auch Stellung bezogen, als der Umgangston im Zuge erster Niederlagen noch schlechter, teils beleidigend wurde, so Dangers. «Ich habe dazu meine ehrliche Meinung gesagt», erklärt er. Er habe schon gespürt, dass der Trainer vor allem ihn für die angespannte Spannung verantwortlich gemacht hatte, «aber an meinen Leistunggen in den Trainings und vorab in den Matches gab es aus meiner Sicht nichts zu meckern. Dies hätte doch im Vordergrund stehen müssen. Eine Mediation seitens des Sportchefs, zwischen der Mannschaft und der Klubführung, um eine Lösung anzustreben, wäre notwendig gewesen», so Dangers.

Ein erstes und letztes Gespräch

Ein Gespräch fand anfangs Dezember dann auch zwischen ihm, Sportchef Goran Cvetkovic, Trainer Adi Brüngger und Präsident Jürg Hofmann statt. Zu klären gab es indes nicht mehr viel. Das Dreier-Gremium hatte seine Entscheidung bereits zuvor gefällt. Dangers wurde mitgeteilt, dass er die letzten vier Partien des Jahres noch bestreiten dürfe, danach aber nicht mehr zur Mannschaft gehöre. Es wurde Stillschweigen vereinbart, «um die Bemühungen, mich bei einem anderen Klub unterzubringen, nicht zu gefährden», sagt der gechasste Kreisläufer. Er bekam von der Pfadi-Führung unter anderem das Angebot, sich dem RTV Basel anzuschliessen, was er aber ausschlug. Dangers hatte gehofft, dass sich möglicherweise bei einem deutschen Klub eine Türe öffne, auch aufgrund möglicher Verletzten im Zuge der Europameisterschaft.

Wechsel in die 2. Bundesliga

«Eine wirkliche Herausforderung mit entsprechenden Rahmenbedingungen hätte ich bereits anfangs Jahr sofort angenommen, irgendeine Zwischenlösung lag aber bei mir auch aus finanziellen Gründen nicht drin», sagt Dangers. Daher stand für ihn fest, den gültigen Arbeitsvertrag bis Ende der Saison zu erfüllen. Nach einer genesenen Steissbeinprellung wäre er vor zehn Tagen gegen den BSV Bern wieder einsatzfähig gewesen. Da bis dahin erst einzelne Gerüchte im Umlauf waren, hatte er insgeheim gehofft, Pfadi würde den im Dezember gefällten Entscheid noch umstossen.

Dem war aber nicht so. Jedoch hat sich die Situation zur allgemeinen Zufriedenheit beider Seiten am letzten Dienstag entspannt. Markus Dangers unterschrieb beim Drittletzten der 2. Bundesliga, der HSG Konstanz, einen Vertrag über eineinhalb Jahre. Damit war die Vertragsauflösung perfekt. Für Pfadi die auch finanziell beste Lösung. Auch für Dangers ist dies die beste Entscheidung, auch wenn er lohnmässig nicht so gut weggekommen sei, wie er sagt: «Ich denke aber, das ist die beste Entscheidung, sodass ich hier schnell weg bin.»

George Stutz