Entsorgungsberater Roger Weihing untersucht die illegal deponierten Abfallsäcke nach Adressen.  duf
1/3 Entsorgungsberater Roger Weihing untersucht die illegal deponierten Abfallsäcke nach Adressen. duf
Rund zehn Säcke sammelt Weihing wöchentlich ein. duf
2/3 Rund zehn Säcke sammelt Weihing wöchentlich ein. duf
Möbel gratis am Strassenrand abzugeben ist grundsätzlich verboten.  duf
3/3 Möbel gratis am Strassenrand abzugeben ist grundsätzlich verboten. duf
05.12.2019 08:00

So reagiert die Stadt Winterthur auf Abfallsünder

Immer wieder werden Möbel, Haushaltsgeräte und Abfallsäcke falsch entsorgt. Auch wenn die Erfolgsquote meist gering ist, probiert die Stadt die Sünder zur Rechenschaft zu ziehen. Wir waren dabei.

Winterthur Roger Weihing kurvt durch den Morgenverkehr. Neben ihm auf dem Beifahrersitz liegt eine Liste mit mehreren Adressen. Er fährt sie alle ab mit dem Auftrag, falsche Säcke ausfindig zu machen. Gemeint sind die nicht roten Gebührensäcke. Wer seinen Abfall stattdessen in den schwarzen, günstigeren Tüten verschwinden und im Container seinem Schicksal überlässt, wird von den Mitarbeitenden auf der Kehrichttour erst mit einem Infokleber darauf hingewiesen, den offiziellen rotfarbenen Gebührensack zu verwenden.

«Liegt der Kehricht nach drei Tagen unverändert da, sammeln wir die Säcke ein und überprüfen deren Inhalt nach Adressen», sagt Entsorgungsberater Roger Weihing, der seit 19 Jahren beim städtischen Entsorgungsdienst tätig ist.

Aufwendige Zuordnung

Etwa zehn Stück sammelt er, vor allem bei grossen Wohnblöcken, ein. «Je anonymer die Wohnsiedlung, desto kleiner ist die Hemmschwelle», bemerkt Weihing. Gleiches gilt auch für Möbel oder Geräte, die vom ehemaligen Besitzer «Gratis zum Mitnehmen» am Strassenrand deponiert werden. Ohne Sperrgutmarke gelten solche Praktiken als illegale Abfallentsorgung. «Nimmt die Möbel niemand mit, stellen wir dem Vermieter oder, falls bekannt, dem Absender selbst eine Bearbeitungsgebühr in Rechnung», erklärt der Entsorgungsberater. Auch bei Wertstoffsammelstellen wird immer wieder geschummelt. Kühlschränke oder Rasenmäher werden einfach abgeladen, um einer allfälligen Entsorgungsgebühr zu entgehen. Und dies, obwohl diese Geräte meist kostenfrei bei der Verkaufsstelle oder dem Recyclinghof zurückgegeben werden können.

«Die meisten Sammelstellen sind deshalb mit Videokameras ausgestattet. Das Material sichten wir stichprobenartig und leiten verdächtige Bilder an die Stadtpolizei weiter, die dann die Ermittlungen anhand der Autokennzeichen weiterführt.» Gross ist der Aufwand, jedoch auch die Erfolgsquote. Zumindest höher als beim Durchsuchen der schwarzen Kehrichtsäcke. Denn nur etwa zehn Prozent der Tütensammlung kann zugeordnet werden.

«Einwohner haben sich verbessert»

«Die Leute werden immer schlauer», stellt Weihing auch heute fest, während er mit gerümpfter Nase Sack um Sack aufschlitzt. «An den Geruch gewöhnt man sich. Im Sommer ist es schlimmer», bemerkt er nebenbei. Auch heute fällt nur in einem der neun Säcke ein Stück eines Couverts ins Auge, das offensichtlich vom Abfallsünder weggeworfen wurde.

50 Franken Bearbeitungsgebühr sowie ein Gebührensack werden diesem nun in Rechnung gestellt. Der Inhalt der restlichen Säcke wird entsorgt. Solange in den Winterthurer Gemeinden die schwarzen Abfalltüten noch verkauft werden, dürften sie wohl nie ganz von den Strassenrändern verschwinden und die Vernunft der Bürger über Ordnung und Unordnung entscheiden.

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3 Fragen an Entsorgungsleiter Werner Hefti

Herr Hefti, warum sind die schwarzen Säcke noch immer im Umlauf?

Diese sind vor allem für kleinere Papierkörbe zuhause oder in Firmen gedacht, da sie kompakter sind. Mit Firmen haben wir Verträge, dank denen diese auch die auch die schwarzen Säcke noch für die Entsorgung nutzen dürfen. Private bitten wir jedoch, nur noch die roten offiziellen Säcke zu nutzen oder die schwarzen in den roten zu platzieren.

Was sind die Voraussetzungen, um Karton, Altpapier oder Sperrgut an den Strassenrand zur Mitnahme bereitzustellen?

Solche Entsorgungsmaterialien dürfen frühestens am Vorabend des Abfuhrtages bereitgestellt werden. Die Abfälle müssen mit Sperrgutmarken versehen sein und so angeklebt, dass unsere Mitarbeiter sie sehen. In der Altstadt dürfen Abfälle erst am Abfuhrtag bereitgestellt werden.

Darf man Gegenstände am Strassenrand gratis zur Verfügung stellen?

Bei diesen Dingen besteht offensichtlich eine Entledigungsabsicht. Es handelt sich somit per Definition um Abfälle. Gemäss kantonalem Abfallgesetz ist das Deponieren von Abfällen auf privatem und öffentlichem Grund verboten. Solange keine Klagen eingehen, wird diese Praxis jedoch auf Privatgrund toleriert.

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