Stadtrat Nicolas Galladé und Dieter Wirth, Leiter der Sozialen Dienste, konnten eine Sozialhilfequote präsentieren, die erstmals seit sechs Jahren stabil geblieben ist. Foto: Michael Hotz
1/1 Stadtrat Nicolas Galladé und Dieter Wirth, Leiter der Sozialen Dienste, konnten eine Sozialhilfequote präsentieren, die erstmals seit sechs Jahren stabil geblieben ist. Foto: Michael Hotz
03.10.2019 08:00

Sozialhilfequote stabilisiert sich, aber die Sozialkosten steigen weiter an

Den Sozialen Diensten der Stadt Winterthur ist es 2018 gelungen, dass das Verhältnis der Sozialhilfebezüger zur Gesamtbevölkerung nicht angestiegen ist. Sorgen bereitet der Stadt die relative Zunahme an älteren Bedürftigen.

Winterthur Als «durchaus erfreulich» bezeichnete Stadtrat Nicolas Galladé die Zahlen rund um die soziale Sicherung für 2018, die er am Montag präsentierte. Denn als Grundnachricht durfte er verkünden, dass die Sozialhilfequote erstmals seit sechs Jahren nicht angestiegen ist. 5,6 Prozent der Winterthurer Bevölkerung wies letztes Jahr mindestens einen Bezug aus der Sozialhilfe auf. Dies entspricht dem gleichen Wert wie 2017.

Stadt muss mehr Kosten tragen

Jedoch haben die Gesamtkosten im Sozialbereich 2018 erneut zugenommen, auf total 121,3 Millionen Franken. Das Jahr zuvor waren es 113,2 Millionen. Die Zunahme um gut acht Millionen hat gemäss Galladé drei Gründe. Die zwei gewichtigsten davon sind auf Gesetzesänderungen zurückzuführen, die Kosten vom Kanton zu den Gemeinden verschoben haben. Winterthur muss Heimplatzierungen von Minderjährigen seit 2018 wieder selber berappen. Das macht rund vier Millionen Franken aus. Den gleichen Betrag an Mehrkosten verursacht, dass vorläufig aufgenommene Ausländer neu von der Asylfürsorge unterstützt werden, für welche die Stadt aufkommen muss.

So verwies der Sozialvorsteher wie schon öfter zuvor darauf hin, dass man seitens Stadtrat auf einen faireren Soziallastenausgleich pocht. Einerseits soll der vom Kanton getragene Anteil an den Sozialkosten steigen. Andererseits fordert Galladé einen kantonalen Ausgleich. Gemeinden mit tiefen Sozialkosten sollen sich also an den Aufwendungen von Gemeinden mit hohen Ausgaben beteiligen. Änderungen in den Gesetzen, die für Entlastung bei den Winterthurer Sozialkosten sorgen werden, sind auf dem Weg.

Ab 45 Jahren wird's schwierig

Die dritte Ursache für den Anstieg bei den Gesamtkosten der sozialen Sicherung liegt daran, dass im letzten Jahr die Fallzahlen bei den Zusatzleistungen zur AHV/IV zugenommen haben. Konkret ist es ein Plus von 128 auf insgesamt 4203 unterstützte Fälle, was zwei Millionen Franken an zusätzlichen Kosten (total 52,3 Millionen) im Vergleich zum Jahr 2017 ausmachen.

Generell stellt man seitens Sozialer Dienste fest, dass es in Winterthur immer mehr ältere Bedürftige gibt. Die Sozialhilfequote bei Menschen ab 45 Jahren hat in den letzten Jahren stetig und deutlich zugenommen. So lag die Quote in der Altersgruppe der 46- bis 55-Jährigen 2014 noch bei 4,9 Prozent, vier Jahre später sind es schon 6,2 Prozent. Bei den Personen zwischen 56 und 64 Jahren ist der relative Wert von 3,6 auf 4,7 Prozent angestiegen.

Dieter Wirth, Leiter Soziale Dienste, hat zwei Erklärungen für diese Entwicklung: «Ab 45 wird es immer schwieriger, einen neuen Job zu finden. Auch nehmen gesundheitliche Probleme zu. Diese Menschen sind zu krank, um zu arbeiten, aber zu gesund für eine IV-Rente.»

Rekord bei den Fallabschlüssen

Insgesamt hat Stadtrat Galladé recht mit seiner Beurteilung «durchaus erfreulich», was die jüngste Entwicklung der Ausgaben im Sozialbereich betrifft. So konnte der Fallanstieg in der Sozialhilfe – mit 62,3 Millionen Franken klar der grösste Kostenblock – deutlich gebremst werden. Auf der einen Seite haben die Fallzugänge um 125 auf 1210 Fälle abgenommen. Gleichzeitig wurden im Vergleich zum Vorjahr neun Prozent mehr Fälle abgeschlossen. Mit total 1141 Abschlüssen waren es so viele wie noch nie. Somit resultierte ein Nettozugang an Fällen von 69, 2017 waren es noch 288. Positiv hervorzuheben gilt, dass mehr Personen einen Job vermittelt werden konnte als im Jahr zuvor. Dies gelang in 425 Fällen (+14 Prozent). Begünstig habe dies die seit mehreren Jahren gute Arbeitsmarktlage, mutmasst Wirth.

Michael Hotz

Wirkung der neuen Sozialarbeiter noch unklar

Winterthur 17 neue Sozialarbeiter stellte die Stadt Winterthur über die Jahre 2018 und 2019 ein, mit dem Ziel, die Zahl der zu bearbeitenden Sozialfälle pro Person zu reduzieren und so auch die Gesamtkosten zu senken. Gemäss Dieter Wirth, Leiter der Sozialen Dienste, seien die neuen Mitarbeitenden mittlerweile gut eingearbeitet. Eine Reorganisation inklusive Büroumzug wurde vor gut zwei Monaten vollzogen.

Positive Entwicklungen wie die Zunahme der abgeschlossenen Fälle um 9 Prozent oder der 14-prozentige Anstieg von reintegrierten Personen in den Arbeitsmarkt schreibt Wirth aber nicht direkt der Personalaufstockung zu: «Es ist noch zu früh für erste Rückschlüsse bezüglich der neuen Sozialarbeitenden. Bis jetzt wäre es nur Kaffeesatzlesen.» Man generiere zurzeit laufend Zahlen, die dann von einer noch zu bestimmenden Fachhochschule ausgewertet würden. Im Jahr 2021 sollen die Resultate der Erhebungen vorliegen. «Wir sind optimistisch, dass das Ergebnis positiv ausfallen wird», so Wirth.

mth