In Eglisau kommen die «Netten Toiletten» gut an. Gemeindeschreiber Martin Hermann zeigt den Kleber, der auf die Gratis-WCs in den Gastrobetrieben hinweist. Foto: Andreas Nievergelt
1/1 In Eglisau kommen die «Netten Toiletten» gut an. Gemeindeschreiber Martin Hermann zeigt den Kleber, der auf die Gratis-WCs in den Gastrobetrieben hinweist. Foto: Andreas Nievergelt
06.02.2020 08:00

Stadt sieht kein Bedarf für «Nette Toilette»

Die Gemeinde Zell entschädigt zwei Restaurants, damit Menschen dort gratis aufs Klo dürfen. Das Konzept ist bei der Stadt Winterthur bekannt, aber umgesetzt wird es zurzeit nicht.

Winterthur Die Stadt Luzern hatte 2014 ein Notdurft-Problem. In der Innenstadt fehlte es damals an genügend öffentlichen Toiletten, auch weil die Stadt WC-Anlagen wie etwa jene beim Löwendenkmal geschlossen hatte. Viele Touristen verrichteten deshalb ihr Geschäft einfach in den Büschen vor dem Luzerner Denkmal. Der Stadtrat reagierte, indem er die dortige Toilette wieder öffnen liess und 2014 das Konzept «Nette Toilette» einführte. 13 Luzerner Gastrobetriebe stellten Passanten ab dann ihre WC-Anlagen kostenlos zur Verfügung. Die Stadt entschädigt die Restaurants dafür.

Konzept als Massnahme erwähnt

Die aus Deutschland stammende Idee ist auch in anderen Schweizer Städten beliebt und in diesen bereits umgesetzt worden. Jüngst entwarf auch die Gemeinde Zell ein an die «Nette Toilette» angelehntes Konzept, dank dem sich Personen in den Toiletten der in Bahnhofsnähe gelegenen Restaurants Frohsinn in Kollbrunn und Isebähnli in Rikon kostenlos und ohne Konsumzwang erleichtern dürfen. Die Gemeinde zahlt den beiden Gastrobetrieben dafür je 500 Franken pro Jahr (siehe «Winterthurer Zeitung» vom 30. Januar).

Auch in Winterthur wurde über «Nette Toilette» zumindest nachgedacht. So wird das Konzept im Altersleitbild 2014 und im städtischen Merkblatt «Altersgerechte öffentliche Aussenräume» (2017) als mögliche Massnahme erwähnt. Zu mehr hat es der Idee in der Eulachstadt bisher nicht gereicht, obwohl Winterthur über vergleichsweise wenig öffentliche Toiletten verfügt. 16 WC-Anlagen sind es total. Zum Vergleich: In Lausanne und Luzern, den beiden Schweizer Städten mit der nächst höheren beziehungsweise nächst tieferen Einwohneranzahl weisen 47 respektive 40 Gratis-WCs auf. Trotzdem wurde die «Nette Toilette» auf parlamentarischer Ebene nie mittels Vorstoss aufgegriffen. Und auch in den Departementen schaffte es das Konzept nie in den Status einer konkreten Umsetzung.

Gut versorgt an guten Lagen

Ueli Sieber, Leiter Stadtentwässerung im Tiefbauamt, meinte vor knapp einem Jahr gegenüber dem «Landboten», dass in Winterthur derzeit kein akuter Handlungsbedarf bezüglich zusätzlicher Anlagen bestehe. Aus dem Sozialdepartement, welches das Altersleitbild und das erwähnte Merkblatt verfasst hatte, klang es im Februar 2019 ähnlich. Man stufe die «Nette Toilette» nicht prioritär ein.

An dieser Sicht hat sich nichts geändert, wie beide Departemente auf Anfrage mitteilen. Mirjam Menzi, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kommunikation beim Departement Soziales, führt schriftlich noch aus: «Im Gegensatz zu kleineren Gemeinden wie Zell gibt es in Winterthur an frequentierten Lagen gut unterhaltene öffentliche Toiletten. Sämtliche städtischen öffentlichen Toiletten sind kostenlos und behindertengerecht.»

Positive Erfahrungen in Eglisau

Gute Erfahrungen mit «Nette Toilette» hat die Gemeinde Eglisau gemacht. 2013 wurde das Konzept eingeführt. Mit dabei seit Beginn sind das Baukonsortium Brückenkopf Nord, die Oase am Rhein sowie die Gasthöfe Hirschen und Rheinfels, die jährlich mit je 2000 Franken entschädigt werden. Die Vereinbarungen mit dem Café Nachtwächter und dem Restaurant Rank wurden aufgehoben, weil 2014 neben dem Gemeindehaus eine öffentliche Toilette erstellt wurde. Letztmals beschloss der Gemeinderat im August 2019, das Projekt weiterzuführen. Dieser werde auch dieses Jahr an «Nette Toilette» festhalten, wie es vonseiten der Gemeinde heisst.

Michael Hotz