Rajkapoor Kantharuban treibt die Entscheidung der Stadt in den Ruin. duf
1/2 Rajkapoor Kantharuban treibt die Entscheidung der Stadt in den Ruin. duf
Rodolfo Spycher geht nach elf Jahren mit seinem Pastamobil in Rente. duf
2/2 Rodolfo Spycher geht nach elf Jahren mit seinem Pastamobil in Rente. duf
28.11.2019 08:00

Stadt verbannt zwei Imbiss-Stände vom Merkurplatz

Weil der Merkurplatz nächstes Jahr umgebaut werden soll, erhalten zwei Betreiber der dortigen Imbiss-Stände keine Bewilligung mehr. Rajkapoor Kantharuban sieht nun seine Existenz bedroht.

Winterthur Schriftlich informierte die Stadtpolizei Winterthur Mitte Oktober die beiden Imbissbuden-Besitzer Rajkapoor Kantharuban und Rodolfo Spycher, dass sie ihre Stände per Ende Dezember räumen müssen. Der Grund: Merkurplatz sowie Stadtgarten werden im 2020 umgebaut. Mehrere Jahre soll die Sanierung laut dem Schreiben dauern. Einen Alternativstandplatz oder eine Garantie für eine spätere Wiederaufnahme könne man zudem nicht bieten. Für die beiden Betroffenen ist dieser Umstand unverständlich. «Ich begreife nicht, warum nur wir beide unsere Buden räumen müssen und inwiefern wir diesen Umbau behindern», sagt etwa Rodolfo Spycher, der seit elf Jahren sein Pastamobil betreibt.

Zudem sei die Ankündigung relativ knapp ausgefallen. «Ich wäre auch bereit gewesen, meinen Stand für die effektive Bauzeit zu räumen. Dass wir aber gleich definitiv und so rasch zusammenpacken müssen, finde ich sehr schade.» Spycher hat diesbezüglich auch bereits eine Beschwerde bei der Stadt eingereicht. Die Verwaltungspolizei beantwortete diese mit den Worten, «dass den Betreibern jederzeit bewusst sein müsse, dass das Angebot auf dem Merkurplatz nur provisorisch gilt». Die Bewilligungen würden zudem nur jährlich vergeben. Für Spycher ist dieser Umstand gleichbedeutend mit der Pension.

Plötzlich kein Einkommen mehr

Härter trifft es Rajkapoor Kantharuban, der gegenüber seine Spezialitäten aus Indien und Sri Lanka anbietet. Denn für den gelernten Koch fing es gerade erst an, gut zu laufen. «Ich habe mir in den zwei Jahren eine grosse Stammkundschaft aufbauen können. Gerade letzten Sommer fing ich zudem an, schwarze Zahlen zu schreiben», sagt Kantharuban, der zuvor sieben Jahre im Restaurant Rebe in Neftenbach kochte. Für ihn macht der Umsatz einen Grossteil seines Lebensunterhalts aus, der nun wegfällt. «Meine Frau und ich arbeiten beide viel. Ihr Lohn ist aber so tief, dass er niemals ausreichen würde, um auch unsere drei gemeinsamen Kinder zu versorgen», sagt Kantharuban unter Tränen.

In Winterthur sei es schwierig, etwas Neues zu finden. «Ich habe bereits an diversen Orten angefragt, aber etwas Vergleichbares zu finden, mit dem ich meine Familie ernähren kann, ist nicht einfach.» Er hofft, wenigstens ein halbes Jahr länger bleiben zu dürfen, um sich eine Alternative suchen zu können. Deshalb sammelt der Inder bei seiner Kundschaft nun Unterschriften, die er der Stadt vorlegen möchte. Die Solidarität ist gross, seien doch in den ersten Tagen bereits 150 Unterschriften zusammengekommen.

«Wir sind verunsichert»

Auch die umliegenden Stände bedauern die Situation. Thongyoi Watit vom Streetfood-Stand «Thaifood like» hat seine Bewilligung erhalten, fühlt aber mit den Betroffenen mit. Und auch Emmanuel Laryea vom «Beans & Balls»-Wagen sagt: «Wir finden es sehr schade, dass zwei Stände nun einfach so abgeschoben werden. Schliesslich sind alle Betreiber für den belebten Merkurplatz und die herkommenden potenziellen Kunden verantwortlich. Wir ziehen alle am selben Strick.»

Da er bisher kein Schreiben der Stadtpolizei erhalten hätte, ginge er davon aus, dass sein Stand nächstes Jahr weiterbestehen könne. Die Bewilligung sei aber noch nicht erteilt worden. «Zudem verunsichert diese Situation uns alle, da man nicht weiss, wie es weitergeht», so Laryea.

Pläne noch nicht ausgereift

Welche Umbauarbeiten im Stadtgarten und auf dem Merkurplatz genau angedacht sind, beantwortet die Stadt auf Anfrage noch nicht. Stadtpolizei-Sprecher Adrian Feubli sagt: «Diese Informationen sind noch nicht spruchreif und werden zum gegebenen Zeitpunkt kommuniziert.» Aufgrund der Platzverhältnisse müssten zwei der fünf Food-Trucks den Umbauarbeiten weichen. Ob auch nach den Bauarbeiten wieder Essensstände auf dem Merkurplatz Bestand haben können, ist noch offen. Der Platz werde aber auch danach öffentlichen Charakter haben, so Feubli.