Der Mann lernte seine Opfer via Social Media Apps kennen und forderte sexuelle Handlungen der Minderjährigen. Adobe Stock
1/1 Der Mann lernte seine Opfer via Social Media Apps kennen und forderte sexuelle Handlungen der Minderjährigen. Adobe Stock
07.11.2019 08:00

Täter muss wegen Sex-Chats in Therapie

Ein Mann aus der Region hat Minderjährige zu sexuellen Handlungen aufgefordert und ihnen pornografisches Material geschickt. Nun muss er in Therapie und entging nur knapp einem Landesverweis.

Winterthur Wie so häufig stand am gestrigen Gerichtsfall ein Landesverweis im Fokus. Unbestritten waren die Taten des 35-Jährigen, der wegen mehrfachen teils versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern, Pornografie, Exhibitionismus, Nötigung und Drohungen vor Bezirksgericht stand. Denn von Anfang an zeigte sich der Beschuldigte vollumfänglich geständig. Vorgeworfen wurde dem Mann unter anderem, mehreren minderjährigen Buben in einem Chat pornografische Videos geschickt zu haben. Anschliessend soll er sie aufgefordert haben, sich bei der Selbstbefriedigung zu filmen und ihm das Material zu schicken, was einige von ihnen auch taten.

Auch zwei minderjährige Mädchen soll er zu sexuellen Handlungen aufgefordert und ihnen im Videochat sein Geschlechtsteil gezeigt haben. Aus einer entwickelten Angst drohte er schliesslich den Knaben, die Nachrichten zu löschen, ansonsten er ihnen etwas antun würde. Auch den Mädchen drohte er, sie zu verletzen oder gar zu töten, wenn sie ihn bei der Polizei verpfeifen.

«Etwas stimmt nicht mit mir»

Mehrfach beteuerte der Mann seine Schuld. «Das ist alles richtig, ich kann nichts abstreiten.» Auf die Frage des Richters, weshalb er überhaupt in diese Chats ging und sich mit Minderjährigen abgab, meinte er: «Es war Neugier und ein Trieb. Den Konsequenzen war ich mir damals nicht bewusst.» Der IV-Bezüger, der in Trainerhosen vor Gericht erschien, wirkte hibbelig, hie und da grinste er sogar während seinen Aussagen. Er sei krank, gab er denn auch zu. «Irgendetwas ist mit mir nicht so, wie es sein sollte. Ich habe gewisse Gelüste und schäme mich dafür», sagte er dem Gerichtspräsidenten. Jemanden anfassen würde er aber nie. Virtuell sei er mutig, real eher scheu, hat er einst bei einer polizeilichen Einvernahme ausgesagt.

Der psychologische Gutachter hat dem 35-Jährigen denn auch verschiedene psychische Störungen attestiert. Er sei pädophil, emotional instabil und sehr impulsiv. Entsprechend sei eine ambulante psychologische Behandlung empfehlenswert.

Täter wurde selbst missbraucht

Dies forderte auch die Staatsanwältin. Die 16-monatige Freiheitsstrafe soll zugunsten dieser Therapie aufgeschoben werden und eine Geldstrafe von 900 Franken sei fällig. Gegen den Beschuldigten, der einst ein Winterthurer Fussballverein trainierte, soll zudem ein Kontaktverbot mit Kindern unter 16 Jahren und ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen werden. Da es eine Katalogtat sei, forderte sie zudem einen sechsjährigen Landesverweis.

Sein Mandant sei wohl schuldig, jedoch ein klarer Härtefall, argumentierte der Verteidiger. Der Beschuldigte, der hier aufgewachsen ist, habe keinerlei Bezug zum Herkunftsland seiner Eltern und nie jemanden angefasst. Eine Gefahr gehe deshalb keine von ihm aus. Zudem zitierte er aus einem Brief, den die Mutter des Angeklagten verfasste. Sein Vater habe ihn geschlagen und sexuell missbraucht, auch in der Schule sei er gedemütigt und verprügelt worden. «Er hat eine Behinderung und denkt als 35-Jähriger wie ein 16-Jähriger», schrieb die Mutter über ihren Sohn.

Ein klassischer Härtefall

Das Gericht kam schliesslich den meisten Forderungen der Staatsanwaltschaft nach. Die Freiheitsstrafe erhöhte es sogar auf 18 Monate, auch die Geldstrafe sowie das Kontakt- und Tätigkeitsverbot wird angeordnet. Ins Gefängnis muss der Angeklagte jedoch nicht, dafür in die ambulante Therapie. Vom Landesverweis sah der Richter ab, da es sich um einen klassischen Härtefall handle. Der Mann sei hier aufgewachsen und habe kaum Bezug zum Land seiner Familie. «Machen Sie in der Therapie mit. Es ist ihre letzte Chance», betonte der Richter zum Schluss.

Fabrice Dubler